Wolmirstedt l Zum ersten Mitgliedertreff nach der Sommerpause hatte der Lions Club Ohrekreis einen besonderen Gast eingeladen. Lions-Präsident Jörg Biastoch konnte den Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen Sachsen-Anhalt (MDK), Volker Reboldt, begrüßen. Das Thema der gutbesuchten Veranstaltung in der Gaststätte „Zur Glucke“ war die neue Pflegereform des Bundesregierung, die 2017 in Kraft tritt. Es gebe erhebliche Veränderungen, aber niemand werde schlechter gestellt, versicherte der Referent gleich zu Beginn.

Ehe er auf Einzelheiten einging, stellte er das MDK kurz vor. Die 273 Mitarbeiter, darunter 77 Ärzte, sind hauptsächlich für Begutachtungen im Auftrag der Krankenversicherungen zuständig, nehmen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen unter die Lupe oder gehen Anzeigen wegen vermeintlichen Behandlungsfehlern nach.

Jeder kann im Alter Hilfe benötigen

Bei seiner Begrüßung hatte der Lions-Präsident betont, dass jeder im Alter mal Hilfe braucht und man sich nicht früh genug mit dem Thema beschäftigen kann. Dazu gab Volker Reboldt den Rat, bei der Suche nach einem Pflegeheim mehrere Einrichtungen in der Region unangemeldet in Augenschein zu nehmen. „Es gibt erhebliche Unterschiede“, meinte er.

Für Schlagzeilen hatten erst vor einigen Wochen Heime in Krakow am See gesorgt, die prompt wegen skandalöser Zustände geschlossen werden mussten.

Auch wenn die neue Pflegereform keine Garantie gibt, dass Ähnliches nicht wieder mal vorkommt, sieht Volker Reboldt in den neuen Gesetzlichkeiten viele Vorteile. So werde mit der Einführung von fünf Pflegegraden statt der bisher üblichen drei Pflegestufen jetzt besonders Demenz berücksichtigt. Der Geschäftsführer des MDK geht davon aus, dass es etwa 20 Prozent mehr Leistungsempfänger geben wird. Sehr sinnvoll erachtet er zum Beispiel, dass künftig bei der stationären Pflege der Eigenanteil nicht steigt, wenn der Patient in eine höhere Pflegestufe eingestuft wird.

Größtes Problem bei der Umsetzung der Reform sieht Reboldt im Mangel von Pflegepersonal und einigen unverständlichen Einschränkungen. So sei es beispielsweise nicht nachzuvollziehen, warum ein Angehöriger zu Hause dem Patienten Spritzen geben darf, bei der stationären Pflege aber nur ausgebildetes Personal.

Außerdem sehe er mit der neuen Reform keinen Abbau der ausufernden Bürokratie. „Das Pflegepersonal sollte mehr Zeit für die Patienten haben als für die umfangreichen Dokumentationen und Abrechnungen.“

In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um die häusliche Pflege. Volker Reboldt sagte, dass er davon ausginge, dass viele Angehörige nicht nur wegen des Geldes diese Aufgabe übernehmen, sondern weil es ihnen ein Herzensbedürfnis ist. „Viele, besonders ältere Menschen, sind damit aber oft überfordert und gehen an die Grenzen ihrer Kräfte“, betont er.

Eine gute Alternative bietet dafür die Tagespflege, die auch in Wolmirstedt gut angenommen werde. Der MDK-Chef meint aber, dass künftig wesentlich mehr Plätze benötigt werden. In der Tagespflege werden Pflegebedürftige über den Tag betreut, um die Angehörigen zu entlasten.