Regenwasserkanäle

Neue Leitungen kosten die Stadt 1,4 Millionen

Der Wolmirstedter Wasser- und Abwasserzweckverband erneuert bis 2020 in sieben Straßen die Kanäle. Das sorgt im Stadtrat für Ärger.

Von Gudrun Billowie

Wolmirstedt l Marode Wasserkanäle müssen erneuert werden. Dafür steht der Wolmirstedter Wasser- und Abwasserzweckverband (WWAZ) in der Pflicht. Vernachlässigt er diese, können geplatzte oder undichte Leitungen für riesigen Ärger sorgen. Den gibt es trotzdem.

Bis 2020 sollen in sieben Straßen die Kanäle erneuert werden. Die Stadt soll die Regenwasserkanäle bezahlen, denn ihr gehören die Straßen, von denen das Regenwasser in eben diese Kanäle läuft. Ob Wolmirstedt die Regenwasserleitungen an diesen Stellen zum jetzigen Zeitpunkt erneuern kann oder will, wurde im Stadtrat nicht besprochen. Manche Stadträte fühlen sich deshalb übergangen, zürnen, weil die Stadt vom WWAZ zum Zahlmeister degradiert wurde. Nun wehren sie sich dagegen, dass der WWAZ in die Finanzhoheit der Stadt eingreift, Baumaßnahmen in Millionenhöhe veranlasst, ohne das Okay vom Stadtrat erhalten zu haben. Deshalb wird sich der Stadtrat in der nächsten Beratungsfolge mit dem Thema beschäftigen.

Klaus Mewes (UWG) hat den Antrag dazu gestellt. Er fordert sogar, dass die Stadt aus dem WWAZ austreten solle, sofern die Vorgehensweise bei der Regenwasserentsorgung nachteilig für die Stadt wirkt. „Wir können doch solche große Summen nicht ohne Beschluss und Sachdarstellung in den Haushalt einstellen“, monierte er.

Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) hält dagegen: „Alle Maßnahmen wurden von der Stadt und dem WWAZ gemeinsam besprochen.“ Allerdings nur auf der Verwaltungsebene, nicht im Stadtrat. Stichnoth sieht das als genügend an, da die Kanalerneuerung Pflichtaufgabe sei. „Da haben wir kein Ermessen.“

Das zweifeln Stadträte an. Ob die Leitungen wirklich so marode sind, ob es Gutachten gibt, wollten sie wissen. Die gibt es, der WWAZ hat die Leitungen mit Kameras befahren lassen. Das Material liegt der Stadtverwaltung vor. In der Tat erscheinen die Regenwasserkanäle nicht überall so marode, dass sie sofort erneuert werden müssen, hat die Tiefbauverantwortliche Simone Heiß festgestellt. Ausnahme: In der Heinrich-Heine-Straße ist der Zustand der unterirdischen Wasserleitungen katastrophal. Da der WWAZ aber auch in den anderen Straßen die Trink- und Schmutzwasserleitungen erneuert, sollen die Regenwasserleitungen in diesem Zuge gleich mit ersetzt werden. Die Trink- und Schmutzwasserleitungen sind Sache des WWAZ.

Der ist in einer finanziell komfortablen Situation, die Stadt strickt am Sparstrumpf. „Wenn wir in dieser Form belastet werden, können wir die ganze Haushaltskonsolidierung in den Müll werfen“, sagt SPD-Stadtrat Heinz Maspfuhl.

Die neuen Regenwasserkanäle in den sieben Straßen sollen über 1,8 Millionen Euro kosten. 430.000 Euro kann sich die Stadt über Beiträge von den Anliegern zurückholen, die im Übrigen auch nicht gefragt wurden, ob sie derzeit neue Kanäle wünschen. Trotz deren Anteil müssen in den nächsten drei Jahren immer noch gut 1,4 Millionen Euro aus dem Stadtsäckel fließen.

Diese Investition bringt die Stadt auch im Zuge der Gesamtplanungen in Bedrängnis. Schließlich stehen demnächst noch andere Ausgaben an, beispielsweise die Erneuerung des Bahnhofsumfeldes. Diese Aspekte sollen nun in der Novemberberatungsfolge gegeneinander abgewogen werden.

Nicht in allen sieben Straßen werden die Anlieger mit zur Kasse gebeten. In der Zielitzer Straße, im Stollenweg und in der Schachtstraße müssen sie nichts zu den Kosten für die Kanäle in der Straße beisteuern. Dort wurden erst in den Neunziger Jahren die Leitungen in der Straße verlegt, somit ist die Lebensdauer von 50 Jahren noch nicht erreicht. Der WWAZ erneuert dort auf eigene Kosten, weil damals die Leitungen nicht fachgerecht verlegt worden seien, das Kiesbett nicht richtig verdichtet wurde, erläutert WWAZ-Geschäftsführer Jörg Meseberg. Dadurch habe es Verschiebungen und Brüche in den Leitungen gegeben. Die Dichtheit war nicht mehr garantiert. Für die Leitungen in der Heine-Straße ist ebenfalls keine Beteiligung der Anlieger vorgesehen, dort sollen Fördermittel die Lücke schließen.