Wolmirstedt l „Wo liegt denn der arme Kerl?“, sagt Werner Bruning, der die Gerberfigur für die Schlossdomäne vor über zehn Jahren kreiert hat. Bisher hat der Bildhauer und Künstler nur von den Schäden gehört, gesehen hat er sie noch nicht. Am Montag kam er aus dem über 300 Kilometer entfernten Emsdetten (Nordhein-Westfalen) zum Krankenbesuch nach Wolmirstedt, um den Gerber abzuholen.

Rückblick: In der Nacht zum 29. März 2019 wurden Anwohner von einem lauten Knall geweckt. Auf der Schlossdomäne hatten Unbekannte den Bottich der Bronze-Figur in die Luft gesprengt. Die Polizei vermutet, dass es sich bei der Sprenung um Pyrotechnik handelte.

Künstler ist schockiert

Bereits am Freitag wurde der Gerber von den Mitarbeitern des Wirtschaftshofes von seiner angestammten Stelle abmontiert und zum Wirtschaftshof gebracht. Seither lag er dort, auf der Seite wie ein Verwundeter. Als Werner Bruning gestern auf seine Figur zugeht, schüttelt er den Kopf. Keines seiner Werke wurde jemals Opfer von solch gewaltigem Vandalismus.

Bilder

„Was auch immer dort verwendet wurde, es muss eine enorme Sprengkraft gehabt haben“, sagt er. Der gesamte Bottich der Figur ist verbogen, die Einzelteile flogen bis zu 50 Meter weit. Die letzten Teile kamen erst in der vergangenen Woche von der Kriminalpolizei zurück, wie die Mitarbeiter des Wirtschaftshofes berichten.

Eine schnelle Diagnose hat der Künstler nicht parat. „Wir müssen den Gerber genau untersuchen, denn auch die Innenenähte können etwas abbekommen haben“, erklärt er. Der Gerber wurde aus Einzelteilen zusammengesetzt und verschweißt. Ein langwieriger Prozess, der Wochen dauerte. Ob der Bottich nun im einzelnen neu gegossen und angepasst werden kann oder ob der Gerber komplett neu gegossen wird, kann der Künstler noch nicht sagen. Er sei fassungslos über eine solche Willkür und Gewalt. Im Januar war der Künstler das letzte Mal in Wolmirstedt und hat nach seinen Schäfchen geschaut, der Schäfergruppe auf der Domäne sowie dem Gerber. Da war alles noch in Ordnung.

In Emsdetten wartet der OP-Tisch

Am gestrigen Montag hat der Künstler den Gerber abgeholt. Dafür wurde dieser mit Schlaufen versehen und anschließend mit einem Gabelstapler angehoben. Stolze 250 Kilogramm wiegt der Gerber, er kann also nur mit schweren Maschinen transportiert werden. Heute wird er nach Nordrhein-Westfalen gefahren, wo er auf den OP-Tisch kommt.

Der Künstler sagt, der Schuldige solle zur Rechenschaft gezogen werden. Doch bei der Suche nach den Tätern tappt die Polizei im Dunkeln. Zwar wurden am Tatort sämtliche Spuren gesichert und untersucht, dennoch gibt es keine heiße Spur. Polizeisprecher Matthias Lütkemüller bedauert: „Wir haben noch keine zielführenden Hinweise.“ Der Gerberbrunnen gehört der Stadt, den finanziellen Schaden wird die Versicherung begleichen.

Wann die Gerber-Figur wieder ihren angestammten Platz auf der Schlossdomäne einnehmen kann, hängt nun von der Schwere der Schäden ab. „Ob er noch in diesem Jahr wieder zurück nach Wolmirstedt kommt, kann ich nicht versprechen“, sagt Werner Bruning und tätschelt dem Gerber über den Kopf, als dieser schon im Anhänger liegt.