Spatenstich

Schnelles Internet für Glindenberg

Für die Glindenberger rückt das schnelle Internet näher. Für die Verlegung der Glasfasertechnik wurde der erste Spatenstich vollzogen.

Von Gudrun Billowie

Wolmirstedt l Den Glindenbergern wird der Wunsch nach schnellem Internet noch in diesem Jahr erfüllt. Im vierten Quartal sollen Daten mit einer Geschwindigkeit von mindestens 9 bis zu 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) durch das Internet in die heimischen Rechner gelangen. Ende 2018 sollen sogar 100 Megabit pro Sekunde durch das Netz transportiert werden können.

Die vorerst größte mögliche Übertragungsrate von 50 Mbit/s reicht für die meisten Haushalte aus. Diese Internetleistung ermöglicht, dass mehrere Familienmitglieder gleichzeitig vor dem Computerbildschirm „gefesselt“ sein können, wohlgemerkt, jeder vor einem eigenen. Um einen HD-Film zu downloaden, also mit so hoher Geschwindigkeit aus dem Netz zu laden, dass er störungsfrei läuft, seien etwa 9 Mbit/s notwendig.

Werden also tatsächlich 50 Mbit/s in das Haus übertragen, kann der Vater am Laptop einen Tierfilm anschauen, während sich die Mutter an ihrem Computer an einer Kochshow ergötzt und die Kinder an ihrem Rechner im Kinderzimmer im Internet spielen.

Die Versorgung Glindenbergs übernimmt die Mitteldeutsche Gesellschaft für Kommunikation (MDDSL). In den Ausbau des Glasfasernetzes für Glindenberg investiert die Gesellschaft 382 000 Euro. „Das Interesse in Glindenberg war so groß, dass wir mit Glasfasertechnik kommen“, erklärt Carsten Stave, Vertriebsleiter von MDDSL. Damit folgt die Gesellschaft ihrer freiwilligen Verpflichtung, ländliche Gebiete auch ohne Fördermittel zu erschließen.

Ein neuer Hausanschluss ist für das schnelle Internet nicht nötig. Die Daten sausen über bereits bestehende Telefonleitungen in die Wohnungen, dafür mietet MDDSL das Ortstelefonnetz der Telekom an.

Dennoch beginnen demnächst Bauarbeiten. Von einem Knotenpunkt in der Nähe Wolmirstedts wird das Glasfaserkabel bis Glindenberg verlegt. Im Ort entstehen vier neue Multifunktionsschränke, in denen das Kabel angeknüpft wird. Von dort aus wird das Datensignal über die vorhandenen Telekomschränke in die Wohnungen geschickt.

Häuser und Unternehmen, die direkt an der Glasfasertrasse liegen, können sich sogar auf eigene Kosten an das Hochleistungsnetz anschließen, also das Glasfaserkabel bis ins Haus legen lassen und Übertragungsraten von mehreren Gigabit in Anspruch nehmen.

Auch wenn der Ausbaubeginn mit einem Spatenstich symbolisiert wurde, umfangreiche Erdarbeiten werden nicht nötig sein. Nur sogenannte Kopflöcher werden gegraben und von dort aus die Kabel im Bohrspülverfahren unter der Erde entlanggelegt. Das Prinzip ist so ähnlich wie beim Nähen, wenn der Faden mit einer Nadel durch den Stoff gezogen wird. Insgesamt werden für die Versorgung Glindenbergs 22,5 Kilometer Glasfaserleitungen ersetzt beziehungsweise neu verlegt.

Glindenberg gilt bisher als stark unterversorgt. Übertragungsraten von lediglich 3 Megabit pro Sekunde sind keine Seltenheit. Ähnliche Probleme sind auch aus Farsleben und Mose bekannt. In diesen Ortsteilen bestand jedoch noch kein starker Wunsch nach einem Breitbandausbau, der ohne Fördermittel vonstatten geht, wie in Glindenberg.

Auf schnelles Internet können bald auch alle anderen Bürger Wolmirstedts und der Ortsteile hoffen. Gut ein Jahr später als die Glindenberger, Ende 2018, soll jeder Haushalt mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde versorgt sein. Das hat sich das Land Sachsen-Anhalt zum Ziel gesetzt. Wolmirstedt will das mit dem Prinzip „Wirtschaftlichkeitslücke“ erreichen, bei dem 90 Prozent der Kosten gefördert werden und die Stadt zehn Prozent aufbringen muss. Hierzu gibt es allerdings noch keine Verträge.