Wolmirstedt l Die Mäharbeiten im Mai haben die Gemüter bewegt. Dabei war ein Überlaufbecken am Mittellandkanal im Wolmirstedter Bereich des Landschaftsschutzgebiets freigeschnitten worden. Dieser Fakt, der entsprechende Technikeinsatz und die einhergehende Zerstörung von Gelegen der hier ansässigen Bodenbrüter hatte Naturfreunde auf die Barrikaden gebracht (Volksstimme berichtete). Ein Bürger hat sogar Anzeige bei der Unteren Naturschutzbehörde Landkreis Börde gestellt.

Der Hintergrund: Es ist im Normalfall verboten, während der Brutzeit auf diese Weise in die Natur einzugreifen – erst Recht in einem Landschaftsschutzgebiet. Daher war auch die Aufregung keineswegs unbegründet. Die Untere Naturschutzbehörde hat auch Ermittlungen zum Verursacher aufgenommen. Das hat die Volksstimme ebenfalls getan. Der Landesstraßenbaubetrieb ist hier für gewöhnlich mit Arbeiten beschäftigt. Und tatsächlich, dessen Mitarbeiter haben die Mahd vorgenommen. Das bestätigt Andreas Tempelhof, Pressereferent des verantwortlichen Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr. Er argumentiert:

„Das Auffangbecken an dem Tunnel der Bundesstraße 189 unter dem Mittellandkanal dient zur Entwässerung der Straße bei starken Niederschlägen. Das Wasser, das sonst im Tunnel stehen bleiben würde, wird in solchen Fällen in das Auffangbecken gepumpt.“

Bilder

Mitarbeiter wollen keine Gelege bemerkt haben

Damit das alles reibungslos funktionieren könne, sei dazu auch das Mähen erforderlich. „Behördlicher Genehmigungen, Erlaubnisse und Abnahmen durch andere bedarf es dafür nicht, da gemäß Paragraf vier des Bundesfernstraßengesetzes die Träger der Straßenbaulast dafür einzustehen haben, dass ihre Bauten allen Anforderungen der Sicherheit und Ordnung genügen“, formuliert er weiter. „Von den Kollegen unseres Betriebsdienstes wurden trotz besonderer Aufmerksamkeit keine Bodenbrüter bemerkt.“ Von einer Anzeige bei der Unteren Naturschutzbehörde sei nichts bekannt. Damit macht es sich das Ministerium recht einfach, das findet jedenfalls der Jäger Oliver Grundt aus Elbeu, der hier sein Revier hat.

„Es muss doch jedem klar sein, dass es sich bei dem Einsatzort um ein Landschaftsschutzgebiet handelt“, sagt er. „Spätestens den Mitarbeitern vor Ort müssen doch die vielen Eulen auf den Schildern auffallen, wenn sie die Straße zu dem Auffangbecken hinfahren.“

Mittlerweile sei jeder Bürger dafür sensibilisiert, die Natur zu respektieren und gerade in einem ausgewiesen Landschaftsschutzgebiet könne man sich doch nicht wie „die Axt im Walde“ verhalten. „Sicherlich kann und soll der Landesstraßenbaubetrieb dort seinen Pflichten nachkommen. Das ist auch richtig“, betont der Jäger. „Aber die Mitarbeiter sollten doch schon einmal etwas vom Bundesnaturschutzgesetz gehört haben.“

Das sieht Wolmirstedts Bürgermeisterin Marlies Cassuhn ebenfalls so. „Ich vermisse in dem Fall das entsprechende Fingerspitzengefühl“, sagt sie. „Mitdenken ist doch ausdrücklich erlaubt. Mit ein wenig Absprache lassen sich doch solche Dinge aus der Welt schaffen.“

Wenn auch die Mitarbeiter des Landesstraßenbaubetriebs seinerzeit keine Bodenbrüter bemerkt haben wollen, sie waren wohl doch da. „Von den großen Maschinen aus kann man die Tiere, ihren Nachwuchs oder eben das Gelege überhaupt nicht sehen“, sagt ein Naturfreund (Name ist der Redaktion bekannt). „Ich war selber da und frage mich, was wohl hinterher die Raubvögel auf dem Gelände getrieben haben, wenn sie nicht die Überreste aufgelesen haben.“

Gebiet sah tagelang wie eine Wüste aus

In der Tat sah die Gegend rund um das Auffangbecken tagelang wie eine Wüste aus. Der Jäger und auch Mitglieder des Nabu sind sich recht sicher, dass es hier auf jeden Fall das Gelege der Feldlerche getroffen hat. Oliver Grundt bestätigt Sichtungen des Bodenbrüters in dem Bereich. „Das muss ein Massaker gewesen sein“, schätzt er ein. „So etwas sollte künftig vermieden werden.“

Danach sieht es auch aus. Der Amtsleiter der Natur- und Umweltbehörde des Landkreises Börde, Matthias Wilcke, versichert das. Künftig sei man bestrebt, sich auf diesem Gebiet enger abzustimmen. Naturschutzbelange seien gerade in der heutigen Zeit nicht außer Acht zu lassen. Dem Land werde aber jetzt kein Bescheid über die Anzeige zugestellt, war von der Pressestelle des Landkreises zu erfahren. Damit gibt es also kein Verfahren. Salopp gesagt wäre das auch so, als wenn der Sohn den Vater anzeigen würde, denn es gibt eine Über- und eine Unterordnung. Wobei das Land an übergeordneter Stelle zu sehen ist und auf den genannten Paragrafen pochen könnte.

Das sieht aber der bereits genannte Naturfreund völlig anders. „Ob das Gras am Auffangbecken nun gemäht ist oder nicht. Es ändert sich nichts daran, dass das eventuell anfallende Wasser dort hineinläuft“, ist er sich sicher.