Barleben l Monique Ferchland steht in der Ecke des Mühlenhofes, hält Liams Kinderwagen fest und hat Tränen in den Augen. Sie schaut zu den Flohmarktständen, den vielen Menschen drumherum, zu den Frauen, die Kuchen verkaufen, zu den Männern, die Würstchen grillen und kann das, was sie sieht, gar nicht fassen. „Es ist der Wahnsinn. Dass so viele Menschen hinter uns stehen.“

Sie wird ihrer Tochter Michelle davon erzählen. Die befindet sich seit Liams Geburt im Wachkoma, wird derzeit in der Rehaklinik am Magdeburger Flughafen betreut. Am 1. März darf sie nach Hause.

Viele geben gern mehr

„In unserem Haus ist nichts mehr wie es war“, sagt Monique Ferchland. Zusammen mit ihrem Mann Olaf und vielen Helfern wurde das gesamte Innenleben rollstuhlgerecht umgebaut. Auch der Garten soll noch barrierefrei gestaltet werden, eine Terrasse samt Überdachung entstehen, außerdem eine Rampe für den Rollstuhl mit einem rutschfesten Belag. „Michelle braucht ja viel frische Luft.“

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Diese Umbauten kosten enorm viel Kraft und auch Geld und damit es an Letzterem nicht scheitert, haben bereits viele Barleber gespendet und beim Flohmarkt waren es noch viel mehr. „Der Erlös wird wohl für die Umbauten im Garten reichen“, freut sich Flohmarktinitiatorin Yvonne Bach über eine Summe, die weit höher ist, als sie erhofft hatte.

Die Trödeleien stammen von Barlebern und diejenigen, die etwas gekauft haben, gaben dafür meist mehr, als gefordert wurde. Das stellte sich hinterher raus.

Unternehmen helfen mit

Michelle Ferchland hat bei der Geburt ihres Söhnchen eine Fruchtwasserembolie erlitten, eine äußerst seltene, aber gefährlich Komplikation. Monique und Olaf Ferchland, die sich auf das Leben als Oma und Opa gefreut hatte, mussten von einem Tag auf den anderen umschalten. Es drückt die Sorge um die schwerkranke Tochter, aber da ist auch der neugeborene Liam. Monique Ferchland krempelte ihr Leben um, nahm Elternzeit und kümmert sich seither um das Baby.

Liam ist ein äußerst freundlicher Junge, quietschfidel und kerngesund. Er kennt seine Mama, denn seine Großeltern nehmen ihn zu den Besuchen mit. „Michelle hat inzwischen lange Wachphasen“, berichtet ihre Mutter, „und wenn ich Liams Wange an ihre lege, wird sie ganz ruhig, atmet tief aus.“ Manchmal schläft Liam auch im Arm seiner Mutter ein.

Yvonne Bach kennt Michelle schon lange. „Sie hat bei uns mit Puppen gespielt, nur mit Puppen“, erinnert sie sich. Gerade deshalb sei es so eine Freude gewesen, als das Baby unterwegs war und so groß der Schock, als Michelle so krank wurde. Yvonne Bach wollte etwas tun und der Flohmarkt bot auch anderen die Möglichkeit, finanzielle Hilfe zu leisten. Mit gut 15 Mitstreiterinnen hat sie seit Wochen organisiert, Trödeleien angenommen, sortiert, drapiert. Auch eine Versteigerung versprach Gewinne. Sie ist zu regionalen Unternehmen gegangen und hat um Gutscheine gebeten. Fast alle haben sofort zugesagt.

Viele Besucher kennen Michelle

Viele der Flohmarktbesucher kennen Michelle persönlich. Melanie Regener hat mit ihr im Haus gewohnt, nur wenige Wochen später entbunden und gewusst, wie sehr sich Michelle auf das Kind gefreut hatte. Angesichts des Flohmarktes sagt sie: „Wahnsinn, was hier auf die Beine gestellt wurde.“

Anja Wagner hat zusammen mit Michelle den Erzieherberuf gelernt. „Sie ist eine gute Freundin geworden.“ Zusammen mit ihrem Mann Matthias hat sie auf dem Flohmarkt ein Bild von London gekauft. „Das schenken wir unserer Tochter, sie möchte dort unbedingt einmal hinfliegen.“ Außerdem haben die Wagners Geld gespendet, wie so viele andere auch.

Melanie von Bentheim ist ebenfalls mit ihrer Familie dabei. Sie hat über die sozialen Netzwerke von der Aktion erfahren und möchte dazu beitragen, dass Michelle zu Hause gut gepflegt werden kann. Ulrich Dürrmann und seine Schützenkollegen grillen gesponserte Würstchen. Barleber haben sich auf vielerlei Art eingebracht. Monique Ferchland drückt Liam fest an sich: „Das zu erleben, macht Gänsehaut.“