Wolmirstedt l Die Sportvereine werden in den Jahren 2016 und 2017 zwei Euro pro Trainingseinheit bezahlen. Damit beteiligen sie sich an den Bewirtschaftungskosten der Sportstätten, beispielsweise für Wasser und Strom. Die Nutzung der Sportstätten selbst bleibt nach wie vor kostenfrei.

Eine Trainingseinheit entspricht einer Stunde Nutzung einer Sporthalle, eines Sportplatzes und eines Feldes der Halle der Freundschaft. Die Nutzung der Gymnastikräume wird 2016 mit einer viertel Trainingseinheit festgelegt. Ab dem kommenden Jahr werden sie wie ein Feld der Halle der Freundschaft mit zwei Euro berechnet, weil Gymnastikräume ebenso wie ein Turnhallenfeld von je 15 bis 20 Personen genutzt werden können und genutzt werden.

Erst drei Euro vorgesehen

Dem Beschluss war eine intensive Stadtrats-Debatte vorangegangen. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, die Gebühren auf drei Euro pro Trainingseinheit zu erhöhen. Das wäre eine Verdreifachung zum jetzigen Betrag von einem Euro gewesen. So ist es auch im Haushaltskonsolidierungskonzept festgeschrieben, das vom Stadtrat am 18. Februar verabschiedet worden war. Nun lag der konkrete Beschluss dazu vor und einige Stadträte mochten sich damit nicht anfreunden.

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Klaus Mewes (UWG) wurmte, dass vor allem die Gruppe der Eltern und Kinder besonders für die Haushaltskonsolidierung herangezogen werde. Neben der Beteiligung an den Sportstätten müssen sie ab dem 1. Mai auch für höhere Kitagebühren aufkommen. „Wir sollten die Konsolidierung auf breitere Schultern verteilen“, meinte er, „und lieber die Grund- und Gewerbesteuern weiter erhöhen.“ Auch Sebastian Filipp fürchtet, „dass sich die Stadt zu Tode kürzt.“ Er richtete seine Kritik vor allem an das Finanzausgleichgesetz des Landes, das den Kommunen durch geringere Landeszuweisungen und höhere Kreisumlagen weiter das Wasser abgräbt. „Damit tötet man die Kommunen.“

Rudolf Giersch (FUWG) monierte vor allem das Verhalten des Stadtrates selbst. „Im Kultur- und Sozialausschuss haben wir erheblichen Diskussionsbedarf zwischen Stadtrat und Vereinen festgestellt“, erinnerte er. Der Ausschuss hatte empfohlen, erst dann einen Beschluss zu fassen, wenn mit Vereinen gesprochen wurde. Der größten Knackpunkt sah der Ausschuss darin, dass Kinder und Jugendliche von diesen Gebühren ausgenommen werden sollten. „Dass dieser Beschluss nun ohne das Gespräch auf der Tagesordnung des Stadtrates steht, ist nicht fair“, sagt Rudolf Giersch, „wir als Kultur- und Sozialausschuss verlieren unser Gesicht.“

Kinder von Kosten befreien

Mike Steffens (CDU) regte daraufhin an, diese Sondersitzung im April nachzuholen. Heinz Maspfuhl hingegen sieht den Ball bei den Vereinen. Legen sie die Gebührenerhöhung auf die Mitgliedsbeiträge um, könnten vereinsintern Kinder ausgenommen werden.

Für Vereine wie SV Kali dürfte so eine interne Umverteilung allerdings schwer werden, da sie sich überwiegend der Nachwuchsarbeit widmen und vor allem Kinder und Jugendliche trainieren.

Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) machte deutlich, wenn nicht konsequent konsolidiert werde, gebe es eine vorläufige Haushaltsführung und es könne nicht in Kitas, Feuerwehr oder Straßen investiert werden. Das Haushaltsminus beträgt aktuell rund 1,3 Millionen Euro.