Barleben l Nun muss geschleppt werden – Töpfe, Pfannen und allerhand Geschirr müssen die jungen Teilnehmer der AG „Kleine Sterneköche“ in einen Klassenraum hieven. Denn seit August dürfen sie das Hauswirtschaftskabinett der Gemeinschaftsschule nicht mehr nutzen. Die Parteien an einen Tisch zu setzen, hat bisher zu keiner Einigung geführt. Nun sind Eltern und Gemeindeelternvertretung aktiv geworden und sogar im Gemeinderat war die Schul-AG Thema.

Die streitenden Parteien, das sind der Verein „Liba – Besser essen. Mehr bewegen.“, Veranstalter der Schul-AG, sowie die Gemeinschaftsschule. Seit zehn Jahren gibt es die Arbeitsgemeinschaft unter dem Titel „Kleine Sterneköche“ in der Grundschule Barleben. Es ist ein außerschulisches Angebot für Grundschüler, das in Kooperation mit dem Liba-Verein geschlossen wurde. Darin geht es darum, den Schülern gesunde Ernährung beizubringen.

Gemeinde sieht sich als Moderator

Die AG ist beliebt unter den Schülern. „Zu Beginn des letzten Schuljahres gab es so viele Anmeldungen, dass die Schule Teilnehmer auslosen musste“, sagt Evelyn Brämer, Vorsitzende des Liba-Vereins. Zeitgleich kam ihrer Aussage nach völlig unerwartet die Absage der Gemeinschaftsschule. In der Mail, die der Volksstimme vorliegt, steht geschrieben, dass „nach Absprache mit dem Schulträger das Hauswirtschaftskabinett nicht mehr für Fremdnutzer verfügbar“ sei. Seither weichen die Schüler in normale Klassenräume aus.

Der Schulträger wiederum ist die Gemeinde, die sich jedoch in dem Streit lediglich als „Moderator“ sieht. Auf Volksstimme-Nachfrage gibt Gemeindebürgermeister Frank Nase schriftlich an, er habe keine rechtliche Grundlage in den Schulalltag und damit die Schul-AG einzugreifen. Die Gemeinde arbeite an einer Lösung. Wie diese genau aussehen soll, sagt der Bürgermeister nicht.

Eltern starten Unterschriftenliste

Bereits im November brachte die Gemeinde die Parteien an einen Tisch. Das Gesprächsprotokoll liegt der Volksstimme vor. Die Schulleiterin der Gemeinschaftsschule, Birgit Sydow, möchte sich öffentlich nicht äußern. In dem Gespräch mit dem Bürgermeister gab sie jedoch an, es hätte Probleme mit den Hinterlassenschaften der AG gegeben. Essensreste in den Papierkörben sowie die Einordnung des Geschirrs seien nicht optimal gewesen. Außerdem hätten die Grundschüler für Unruhe auf dem Gelände gesorgt. Die AG findet freitags ab 13 Uhr bis 15 Uhr statt.

Eltern sammeln Unterschriften

Doch ist das ein Grund, die Schüler auszuschließen? „Wir haben Alternativen vorgeschlagen, aber auch diese wurden alle abgeschmettert“, sagt Evelyn Brämer. Das Mehrgenerationenzentrum hat abgesagt, weitere Horteinrichtungen sind nicht nutzbar, die Gemeinde hat keine weiteren Küchennutzungsräume.

Nun sind auch die Eltern der Grundschule aktiv geworden und haben eine Unterschriftenliste erstellt. Dort bitten sie den Bürgermeister beziehungsweise den Gemeinderat als Schulträger, die AG wieder wöchentlich in der Küche der Schule oder einer geeigneten Lehrküche zu veranstalten.

Des Weiteren hat die Fraktion Freie Wählergemeinschaft/Piraten im Gemeinderat einen Antrag gestellt, eine Lösung zu finden und die Ergebnisse auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung zu setzen. In dem Antrag ist zu lesen, es würde dem „Anspruch Barlebens als Schul- und Bildungsstandort widersprechen, dieses Bildungsangebot einzustellen“. „Wenn die Gemeinde jetzt nicht handelt, bedeutet dies das Aus für die kleinen Sterneköche“, sagt Evelyn Brämer. „Es ist sehr ärgerlich für uns und die Kinder.“ Sie hoffe noch auf eine tragbare Lösung.