Straßenbau

Wenig Spielraum für Autos im Groß Ammensleber Gatzweg

Die Bundesstraße 71 teilt in Groß Ammensleben den Gatzweg in zwei Teile. Während der eine Teil einer normalen Straße entspricht, sollte man im anderen Teil im Zweifelsfall das Auto lieber stehen lassen oder sich einen Geländewagen zulegen. Beschwerden von Anwohnern werden angeblich in der Verwaltung teilweise ignoriert.

Von Tom Wunderlich 13.05.2022, 18:30
 Anwohner Peter Menzel ärgert sich über das Verhalten der Verwaltung. Im Groß Ammensleber Gatzweg ist besondere Vorsicht geboten. An vielen Stellen kratzt der marode Straßenbelag am Unterboden der Fahrzeuge.
Anwohner Peter Menzel ärgert sich über das Verhalten der Verwaltung. Im Groß Ammensleber Gatzweg ist besondere Vorsicht geboten. An vielen Stellen kratzt der marode Straßenbelag am Unterboden der Fahrzeuge. Fotos (2): Tom Wunderlich

Groß Ammensleben - Wer in Groß Ammensleben im Gatzweg wohnt, hat entweder Glück oder einfach nur Pech. Zumindest wenn es um den Zustand des Straßenbelags geht. Während man westlich der Bundesstraße 71 ohne große Probleme mit seinem Fahrzeug das eigene Grundstück verlassen oder auch ansteuern kann, sieht es auf der Ostseite schon ganz anders aus.

Das bekommt vor allem Peter Menzel zu spüren. Der Rentner wohnt im hintersten Teil des östlichen Gatzweges und überlegt sich zweimal ob er mit dem Auto los muss oder nicht. „Der Zustand unserer Straße ist eine einzige Katastrophe“, konstatiert er. Bei einem Vorort-Termin zeigt er die Problematik auf. „Wenn wir mit unserem Auto hier entlang fahren, dann setzen wir jedes mal mit dem Unterboden auf. Es gibt kaum eine Möglichkeit auszuweichen.“ Zwar bestehe die Möglichkeit teilweise auf dem Grünstreifen zu fahren, aber so richtig toll sei das auch nicht. „Der würde dann in wenigen Monat auch total ausgefahren sein und dann haben wir das gleiche Problem wie mit dem Straßenbelag“, ärgert er sich.

Im September war er mit seiner Familie in das schicke Einfamilienhaus neben der vielbefahrenen Bundesstraße 71 eingezogen. Schon damals habe der Fahrer des Umzugs-Lastwagens geschimpft, dass die Straße extrem schlecht sei und er kein zweites mal diese befahren werde. Laut Menzel habe die Müllabfuhr auch immer wieder zu kämpfen. Gleichzeitig würden die tonnenschweren Laster aber auch für weitere Schäden sorgen. „Ich mach denen keinen Vorwurf. Die müssen ihre Arbeit machen und hier nunmal auch wenden.“ Schon mehrmals hatte Menzel direkt vor seinem Grundstück größere Ausbrüche in Eigenregie verfüllt. „Damit man hier überhaupt noch rauskommt. Eine dauerhafte Lösung ist das aber nicht.“ Er sieht vor allem die Verwaltung in der Pflicht.

„Das ist hier eine öffentlich gewidmete Straße. Somit muss die Gemeinde Niedere Börde den Straßenbelag ausbessern.“ Schon mehrmals habe er sich seit September an das zuständige Bauamt der Gemeinde gewandt. Allerdings würden die Antworten eher bescheiden ausfallen. „Oder ich werde rigoros ignoriert. Am Telefon wird mir jedes mal mitgeteilt, dass der zuständige Mitarbeiter gerade nicht im Haus oder zu Tisch oder andersweitig beschäftigt ist, obwohl gerade Sprechzeiten sind“, ärgert sich Menzel. Wenn dann doch einmal Vorort-Termine versprochen würden, lasse sich dann niemand blicken. „Einmal habe ich den zuständigen Mitarbeiter dann doch am Telefon erwischt. Da sagte er mir, dass er ortsunkundig sei und die Straße nicht gefunden habe.“

Menzel will nicht gleich eine komplette Straßensanierung einfordern. „Das wäre schön aber kurzfristig nicht umsetzbar. Ich würde mich schon freuen, wenn die Verwaltung diese Problemstraße auf ihre Agende setzt und wenigstens Übergangsmöglichkeiten darlegt. Es würde doch schon helfen, wenn hier erstmal Schotter aufgebracht und dieser dann fest gerüttelt würde. Damit die Fahrzeuge wenigstens nicht weiter beschädigt werden.“

Bürgermeister Stefan Müller kennt die Problematik im Gatzweg, aber auch die in anderen Ortsteilen der Gemeinde. „Wenn wir ehrlich sind, dann gibt es wirklich viele Straßen in der Niederen Börde, die in einem schlechten Zustand sind.“ Als Beispiel nennt er hier vor allem die Ortschaft Gutenswegen. Natürlich sei die Verwaltung daran interessiert, solche Probleme zu lösen. „Aber ad hoc geht das ganz sicher nicht, nur weil sich jetzt ein Bürger beschwert, der erst kürzlich hierher gezogen. Im aktuellen Fall war unser Mitarbeiter des Bauamtes vor Ort und hat auf konstruktiver Ebene mit dem Anwohner gesprochen“, erklärt Müller weiter. Demnach sei Herrn Menzel bekannt gewesen, in welchem Zustand der Teil des Gatzweges sei. Fest stehe aber auch, dass sich der Straßenzustand seit September ganz bestimmt nicht extrem verschlechtert habe.

Laut Bürgermeister Stefan Müller werde man die Problematik nicht unter den Tisch fallen lassen, wann aber eine Sanierung stattfinden könnte, ist ungewiss. Müller verweist darauf, dass es aktuell sehr schwierig sei Aufträge an Firmen zu vergeben. „Der Markt ist aktuell übersättigt mit Aufträgen. Wirtschaftliche Angebote zu bekommen ist schwierig. Selbst wenn wir uns für eine Sanierung entscheiden würden, müsste wir das erst mit unserem Haushalt in Einklang bringen. Dass da nicht viele Einnahmen eingehen, weiß jeder Einwohner unserer Gemeinde.“

Nur zwei Zentimeter Luft hat das Fahrzeug unterhalb des Unterbodens. An anderen Stellen ist gar kein Spielraum nach oben.
Nur zwei Zentimeter Luft hat das Fahrzeug unterhalb des Unterbodens. An anderen Stellen ist gar kein Spielraum nach oben.
Foto: Tom Wunderlich