Wolmirstedt l Drei Tage lang spielte Gospel im Wolmirstedter Musikleben die Hauptrolle, zunächst im Probenraum, in der Werkstatt des Bodelschwingh-Hauses, vor allem aber beim Abschlusskonzert in der Katharinenkirche. Das gut einstündige Konzert strahlte genau die starke musikalische Energie aus, die sich bei den Sängerinnen und Sängern im Laufe des Workshops aufgebauscht hatte. Die Zuschauer honorierten die musikalische Magie mit heftigem Applaus und leuchtenden Augen.

Der Gospel-Workshop ist dennoch mehr, als eine Konzertvorbereitung. Ein Wochenende lang kommen Menschen zusammen, die gerne singen, auch wenn ihnen im Alltag meistens die Zeit dafür fehlt. Diese drei Tage im Jahr wird alles andere beiseite geschoben, die Gospelbegeisterten reisen aus allen Teilen des Landes an. Manche beschreiben, die Atmosphäre erinnere an ein Ferienlager.

Alltag fällt ab, Singen bereitet Freude

Die Teilnehmer sind dem Ferienlageralter jedoch schon lange entwachsen, stehen fest im Berufsleben oder haben das Rentenalter erreicht. „Wenn wir Freitagabend zum Workshop kommen, ist die Woche schon lang gewesen“, erzählt Michaela Nestler, aber dann sind wir da, haben das erste Lied geprobt, die Stimmen fügen sich zusammen und alle sind beseelt.“

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Dieses Gefühl bestätigt auch Ina Ehrhardt, die mit ihrem Mann Frank zum dritten Mal beim Workshop dabei ist. „Es lässt sich gut beobachten, wie bei allen am Freitagabend der Alltag abfällt und das gemeinsame Singen Freude bereitet.“

Rolf Schrader gehört schon lange zum „Workshop-Inventar“ und freut sich jedes Jahr wieder auf das gemeinsame Singen, neue Lieder, die Inspiration. „Leider schaffe ich es nicht mehr, regelmäßig im Gospelchor mitzusingen, aber dieses eine Wochenende im Jahr dabeizusein, ist mir weiterhin wichtig.“

Teilnehmer präsentieren Herzenslieder

Beim Gospelworkshop haben nicht nur Gospelsongs Platz, mit denen am Ende das Sonntagskonzert gestaltet wird. Am Sonnabendabend geben die Teilnehmer ein öffentliches Werkstattkonzert und präsentieren dabei in der Katharinenkirche, was ihnen persönlich am Herzen liegt. Für die Magdeburgerin Katja Huber ist das die Musik ihres Saxophons, Maren Ringlepp sowie Marah und Dorlis Salomo aus der Altmark ließen Leonard Cohens „Hallelujah“ erklingen, Jörg Stanke und Michaela Nestler überzeugten mit ihren Stimmen, der Ukulele und Liedern wie „Kiss me“.

Den 20. Workshop leitete Darius Rossol. Er war nicht zum ersten Mal in Wolmirstedt, zeigte sich aber erneut begeistert von der Energie, die auch bei ihm während der Probentage entfacht wird. „Zusammen singen, zusammen essen, zusammen reden - das ist unglaublich intensiv.“ Weitere Workshopleiter waren in den Vorjahren unter anderem Michael Eimann und Helmut Jost, im nächsten Jahr wird sich mit Maik Gosdzinski ein neues Glied an die Kette der Gospelprofis fügen.

2020 gibt es wieder einen Workshop

Organisatorin ist von Anfang an Konstanze Schlegel und sie hat auch diesen 20. Workshop ins Leben gerufen. Lange war sie Leiterin des Wolmirstedter Gospelchors, inzwischen hat sie das Zepter an Axel Rose abgegeben. Auch der war zugegen, hat während des Workshops Stimmbildungskurse angeboten.

„20 Jahre Workshop - das ist ein Schatz“, konstatierte Konstanze Schlegel zum Abschlusskonzert, „auch deshalb, weil ein Wochenende lang Christen und Nichtchristen zusammenkommen, um gemeinsam zu singen.“ Sie bedankte sich vor allem bei den Kirchenvertretern wie Superintendent Uwe Jauch, Pfarrer Dieter Kerntopf und dem Gemeindepädagogen Peter Herfurth. „Vor allem sie haben diesen Workshop durch all die Jahre getragen.“

Lohn war wieder das Abschlusskonzert am Sonntag. Rolf Schrader beschreibt es mit „Gänsehautgefühl“. Michaela Nestler zeigte sich ebenfalls in Hochstimmung: „Es war sehr beschwingt, eine tolle Stimmung und ich hatte schon vorher das gute Gefühl: ach, das klappt.“