Zerbst l Bis in den Vorraum waren die Stühle für die vielen Zuschauer am Sonnabendnachmittag aufgestellt worden. Nur wenige der zusätzlichen Stühle ganz am Rand der Flanken blieben frei. In jedem Jahr ist die Nachfrage nach den Karten für das Weihnachtskonzert des Zerbster Stadtchores groß, die besten Plätze sind schnell vergriffen. Vielleicht gehört es für viele Zerbster zum guten Ton oder zur Tradition, mit dem Stadtchor die Weihnachtszeit einzuläuten. Die meisten jedoch wollen ein schönes Konzert erleben. Entsprechend groß ist der Erwartungsdruck auf die rund zwei Dutzend Sängerinnen, für die dieses Konzert den Höhepunkt eines jeden Jahres darstellt.

Stadtchor erfüllt Erwartungen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Stadtchor lieferte. Zahlreiche Gratulationen, Danksagungen und Umarmungen für die Sängerinnen am Ende des etwas mehr als einstündigen Konzerts sind Zeugnis davon, dass die Erwartungen der mehreren hundert Zuschauer voll und ganz erfüllt worden waren. Die hatten sich schon im Vorfeld ganz besonders auf das Konzert gefreut, weil die Damen um Chorleiterin Karin Spott entschieden haben, in diesem Konzert ausschließlich jene Lieder zu singen, die beim Publikum ganz besonders beliebt sind. „Beliebte Winter- und Weihnachtslieder“ hatten die Musikerinnen das Konzert im Vorjahr ihres 30-jährigen Bestehens schlicht benannt. Nach der Eröffnung mit „Fröhliche Weihnacht überall“ und „Tausend Sterne sind ein Dom“ folgten zahlreiche, sehr bekannte Weihnachts- und Adventslieder. Unterstützt wurde der Chor von äußerst talentierten Nachwuchsmusikern, die ihre Ausbildung in der „Johann Friedrich Fasch“-Musikschule absolvieren.

Junge Talente runden das Konzert ab

Friedericke Iffert (15 Jahre) , Pauline Sitz (14) und die elfjährige Michelle Schneider überzeugten mit erstaunlich sauberem Flötenspiel und trugen zu dem gelungenen Konzert eine wesentliche Komponente bei.

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Am Klavier begleitete der 16-jährige Marko Gaube die Choristinnen mit einem sehr präzisen Spiel, das nahezu mühelos wirkte. Sicher ist der junge Pianist andere Schwierigkeitsgrade gewöhnt, als die an diesem Nachmittag an ihn gestellten Aufgaben bereit hielten. Er erhielt am Ende besonderen Applaus, denn er hat kurzerhand alle eingeplanten Stücke für die Harfe übernommen. Harfinistin Klara Rohrer hatte sich am Vortag beim Sport den Finger gebrochen und konnte so natürlich nicht spielen.

Solisten und Chor mit tollen Leistungen

So begleitete er auch Sybille Schulze, die sich eine besondere Solo-Aufgabe vorgenommen hatte. Das „Ave Maria“ nach Bach und Gounod stellt für alle Sängerinnen eine große Herausforderung dar. Die Sopranistin wagte sich an das schwierige Gesangsstück und bewältigte es. Teilweise war ihr der Respekt vor dem Stück anzumerken. Sie wirkte anfangs etwas vorsichtig, während des Vortrages gewann sie offenbar an Sicherheit, was zu einer sehr schönen Leistung führte. Das Publikum bedachte sie entsprechend mit viel Applaus, den sie sich verdient hatte.

„Sie hat das wirklich schön gemacht“, kommentierte Chorleiterin Karin Spott nach dem Ende des Konzerts und verriet, dass die Solistin für diesen Beitrag wochenlang zusätzliche zwei Stunden in der Woche probte.

Sybille Schulze hatte zuvor schon mit Isabelle Schneider „Schlaf wohl“ im Duett gesungen. Bärbel Schubert und Andrea Wickner sangen „Ich steh an deiner Krippe hier“ ebenso als Beitrag zu zweit.

Nach den Einzelbeiträgen kündigte Vereinsvorsitzende Andrea Wickner in ihrer Moderation den Abschluss an. Ein Potpourri aus neun klassischen Weihnachtsliedern, unter anderem „Oh´Tannenbaum“, „Es ist ein Ros´entsprungen“ und „O, du fröhliche“, erweiterte die Titelzahl des Konzerts auf mehr als 30 Lieder.

Großer Applaus

Schluss war dann dennoch noch nicht, der Chor setzte mit „Stille Nacht“ den Höhepunkt des Nachmittags, zumindest was seine Leistung betraf. Was sich kurz zuvor bei „Maria durch den Dornwald ging“ angekündigt hatte, steigerte sich am Schluss des Konzertes noch einmal. Die Stimmen vermischten sich bei diesen Liedern so harmonisch ineinander, dass der Chor seinen Klang in Gänze entfaltete. Bei diesen Liedern wurde das zu erwartende Niveau eines Laienchores, was der Zerbster Stadtchor auch mit fast 30 Jahren Erfahrung schließlich immer noch ist, um ein großes Stück übertroffen. Entsprechend laut und lange dankte das Zerbster Publikum den Sängerinnen für diesen kurzweiligen Nachmittag mit Applaus.

Dazu beigetragen hat auch die Struktur des Konzertes, die durch Solisten-, Instrumental- oder Gruppenbeiträge den reinen Chorgesang immer wieder ablöste. Kurze, auf das nötige Maß beschränkte, Rezitationen sowie das traditionelle gemeinsame Singen der Gäste mit dem Chor sorgten für weitere Abwechslung.

Entsprechend beschwingt und zufrieden sahen die Konzertbesucher aus, die nach dem letzten Ton der Zugabe „Wir wünschen Euch frohe Weihnacht“ die Kirche in die Nacht verließen.