Zerbst/Roitzsch (mz) l Gestern bezogen 30 Flüchtlinge ihre vorübergehenden Bleiben in Zerbst. Das bestätigte Flüchtlingsbeauftragter Christian Neuling der Volksstimme auf Nachfrage. „Es waren 30 gemeldet, wir müssen erst einmal sehen, ob auch alle angekommen sind“, erklärte er.

Rund 20 Personen von ihnen werden zum ersten Mal im Lutherhaus in der Rennstraße untergebracht. Dort, wo eigentlich ein Hospiz entstehen sollte (Volksstimme berichtete), hat die Gemeinde nun Wohnungen eingerichtet und dem Landkreis für die Unterbringung von Flüchtlingen angeboten. Der Rest wird in Wohnungen verteilt.

Insgesamt liege die Kapazität in Zerbst gegenwärtig bei 174 Personen, die theoretisch untergebracht werden können. Aktuell seien es 130 Personen die in Nedlitz (32) und in der Kernstadt Zerbst (98) untergebracht sind. Die Diskrepanz ergebe sich auch daraus, erklärte Landkreissprecherin Marina Jank, „dass die Bau- und Wohnungsgesellschaft Zerbst (BWZ) hauptsächlich Familien aufnimmt. Wenn eine Familie aber weniger Personen hat, als Plätze in der Wohnung sind, werden die nicht mit einzelnen Männern aufgestockt. Die bleiben dann leer.“

Bislang keine Flüchtlinge in Lindau

Leer bleibt bislang auch noch die alte Schule in Lindau. Dort sollten Flüchtlingsfamilien mit insgesamt 50 Personen untergebracht werden, dafür die einstige Sekundarschule nicht als Unterkunft genutzt werden. Bislang, so Marina Jank, gebe es dafür noch keinen Bedarf. In Lindau offeriere die stadteigene BWZ eine Wohnung und einige private Vermieter haben auch Wohnungen angeboten. Dort laufen die Verhandlungen. Der Platz in der alten Schule an der Kirche werde bislang nicht benötigt. „Deswegen ist dort auch noch der Heimatverein drin und es wurden noch keine baulichen Maßnahmen begonnen“, sagte auch Evelyn Johannes, die stellvertretende Zerbster Bürgermeisterin. Potenzielle Wohnungen gebe es auch in Dobritz, Buhlendorf und Grimme. Diese müssten aber auch baulich angepasst werden, so Jank.

In Roitzsch (Sandersdorf-Brehna) entsteht eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Dies hatte der Vergabeausschuss des Kreistages Anhalt-Bitterfeld im Dezember beschlossen, machte es aber wegen einer zweiwöchigen Einspruchsfrist nicht öffentlich. Der Zuschlag zum Betrieb der Unterkunft am Ortsrand von Roitzsch ging an eine Bietergemeinschaft, bestehend aus der Realzug AG aus der Schweiz und der LOESERnet.com GmbH aus Bautzen in Sachsen. In dem Objekt an der August-Bebel-Straße, das vor Jahren als Möbelkaufhaus genutzt worden war, sollen ab 1. April kommenden Jahres Asylsuchende einziehen. Geplant sind 180 Plätze - mit der Option auf eine Erweiterung auf 225. Betrieben werden soll die Unterkunft für fünf Jahre.

Die Nutzung erstreckt sich auf eine Halle, die rund 1 300 Quadratmeter groß ist, sowie auf die Freifläche. „Nach derzeitigem Stand sind Baumaßnahmen an und in der Halle nötig“, so Marina Jank, Sprecherin des Landkreises Anhalt-Bitterfeld. „Der überwiegende Anteil an der Unterbringung soll mit Containern realisiert werden, die auf der Freifläche platziert werden.“

Gemeinschaftsunterkunft mit 180 Plätzen

Der Landkreis ist per Gesetz die zuständige Behörde für die Unterbringung der zugewiesenen Flüchtlinge. „Für die Gemeinschaftsunterkunft erfolgt eine Abrechnung über einen Tagessatz pro Person“, so Jank. Die Höhe wollte sie auf Nachfrage nicht nennen. Der Tagessatz beinhalte sämtliche Leistungen – unter anderem Personalkosten für Betreuung und Sicherheit, Investitionskosten für die Her- und Einrichtung sowie sämtliche Nebenkosten. Die Zahlung erfolgt mit Beginn der Belegung. Diese Kosten stellt der Landkreis dann dem Land in Rechnung.

Für den 12. Januar ist eine Einwohnerversammlung in der Sekundarschule Roitzsch geplant. Mit der Stadt Sandersdorf-Brehna habe es laut Landkreissprecherin Jank vor der Ausschreibung Gespräche gegeben. Die Kommune sei dabei informiert worden, dass eine Unterkunft dort in Betracht kommt. Ausgeschrieben wurde für den Bereich Sandersdorf-Brehna/Osternienburger Land. Die Bietergemeinschaft hält sich mit Informationen zum Standort in Roitzsch derzeit bedeckt. „Die Zusage des Landkreises haben wir erst erhalten. Zu Planungsdetails und baulichem Umfang der Anlage würden wir uns zu einem späteren Zeitpunkt äußern“, so Christian Franzke von der Realzug AG. Er teilt ebenso mit, dass die LOESERnet.com bereits eine Notunterkunft in Hoyerswerda und Gemeinschaftsunterkünfte in Radeberg sowie Neukirch (alle Standorte in Sachsen) betreibe.

Mit dem Quartier in Roitzsch ist die vierte Gemeinschaftsunterkunft im Landkreis in Planung. Zwei bestehen im Bitterfelder Altkreis in Friedersdorf und Marke. Für den Betrieb eines dritten Standorts wurde im Oktober der Zuschlag an eine Berliner Firma erteilt: In Köthen sollen bis zum März Bungalows für 180 Menschen entstehen, bei Bedarf ist eine Erweiterung auf 225 Plätze möglich. Eine landkreiseigene Gemeinschaftsunterkunft ist zudem für 2017 geplant. Per Kreistagsbeschluss wurde bereits das Grundstück in Köthen gekauft.