Zerbst l Mehr als 20 Anwohner des Amselweges nahmen am Dienstag an der Sitzung des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses teil. Sie beschäftigte die Frage, weshalb die Stadt die Erschließung ihrer Straße plane, obwohl 23 der 28 Grundstücksbesitzer dagegen seien. Das belegt eine Unterschriftensammlung, die als Reaktion auf einen Zeitungsbeitrag gestartet wurde.

Am 18. Mai titelte die Volksstimme: „Anwohner wollen Erschließung“. In dieser Meldung ging es um den bislang nur geschotterten Amselweg, für dessen Befestigung sich weit über die Hälfte der Grundstückseigentümer mit ihrer Unterschrift ausgesprochen hatte. Darüber informierte damals Heike Krüger, Leiterin des Bau- und Liegenschaftsamtes, im Bauausschuss.

Von fünf keine Rückmeldung

Keiner sei für eine Erschließung stellte hingegen Berndt Ludewig gegenüber der Volksstimme klar. Stattdessen sei für die Mehrheit der Anwohner – von fünf kam keine Rückmeldung – eine regelmäßige Instandhaltung der Straße ausreichend, verweist er auf die zweite Umfrage, die nach der Veröffentlichung des Artikels durchgeführt wurde.

Wie aber kam es zu diesem Missverständnis? Anfang März wurde unter den Anliegern des Amselweges ein von einer Anwohnerin verfasstes Schreiben herumgereicht, in dem auf den „katastrophalen und unhaltbaren Zustand“ der Straße aufmerksam gemacht wurde. „Alle bisherigen Instandsetzungsmaßnahmen haben und hatten keine lange Lebensdauer und nur zu einer Erhöhung des Straßenaufbaus geführt“, hieß es darin. Die Schlussfolgerung lautete: „Dringend benötigt wird eine befestigte Straße mit der Ableitung des Regenwassers sowie die Erneuerung der Straßenbeleuchtung.“ Aus dem Grund wurde um die Unterbreitung eines Kostenangebotes „zur Herstellung unserer Straße“ gebeten.

Zweite Unterschriftensammlung

Mehrere Grundstücksbesitzer unterzeichneten das an die Stadtverwaltung adressierte Papier, auf das sich Heike Krüger mit ihrer Aussage bezog. Was den Unterzeichnern des Papieres nicht bewusst war und nicht im Schreiben erwähnt wurde: Beim Ausbau des Amselweges würde es sich um eine Erschließungsmaßnahme handeln, bei der die Grundstückseigentümer 90 Prozent der Kosten tragen müssten. Aufgrund der nicht unerheblichen Summen, die dabei pro Grundstück anfallen würden, wurde die zweite Unterschriftensammlung initiiert.

Ende Mai reichte Berndt Ludewig die Liste im Bauamt ein. „Bis heute gab es von der Stadt Zerbst keine Rückmeldung“, berichtete er nun den Aussschussmitgliedern. Wie er ihnen schilderte, ist der desolate Zustand des Amselweges nicht auf den Anliegerverkehr zurückzuführen, sondern auf die Nutzung der Straße als Lager für Material und Stellplatz für Baufahrzeuge bei Bauarbeiten im Umfeld. Würden diese abziehen, erfolge keine fachgerechte Instandhaltung.

Staubbelastung verringern

Um die Staubbelastung zu verringern und den Straßenbelag zu schonen, regte Berndt Ludewig an, den Amselweg zur Spielstraße mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von fünf Kilometern pro Stunde zu erklären. „Eine weitere Maßnahme wäre das Ausweisen der Straße als Sackgasse.“ Mit diesem Vorschlag soll der landwirtschaftliche Verkehr verhindert werden. Momentan würden regelmäßig Traktoren mit Anhängern oder anderen Aufbauten durch den Amselweg rollen und die Fahrbahn beschädigen.

Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) entgegnete, dass die Stadt keine Erschließung des Amselweges plane. Stattdessen werde die Verwaltung, da die beiden Unterschriftensammlungen inhaltlich nicht identisch sind, nun eine eigene Befragung starten. „Wir werden ein Anschreiben an alle Anlieger formulieren, in dem wir den Sachverhalt schildern und fragen, ob Interesse an einer Erschließung besteht“, erläuterte er. Dies wird auch die bereits vorliegende Kostenschätzung beinhalten. Das Ergebnis diene dann als Entscheidungsgrundlage für den Stadtrat. Gegen den Willen der Grundstücksbesitzer werde keine Erschließung vorgenommen, so Dittmann. „Das ist gute Praxis bei uns, und ich sehe keinen Grund, davon abzuweichen.“