Zerbst l Die Vielseitigkeit liebt Vincent Maschke an seinem Beruf. „Es ist keine Fließbandarbeit“, sagt er. Seit gut einem Jahr ist der Garitzer inzwischen bei der Emag Zerbst Maschinenfabrik GmbH (ehemals Wema) als Industriemechaniker angestellt. Von der ersten bis zur letzten Schraube baut er in der Endmontage Maschinen und Anlagen zusammen. „Es macht Spaß“, sagt der junge Mann, der durch seinen Vater sein Interesse fürs Handwerkliche entdeckte.

Über den Onkel wiederum entstand die Verbindung zur Emag. „Ich habe dann hier ein Praktikum gemacht, und es hat mit gefallen“, erzählt Vincent Maschke. Die Bewerbung um eine Lehrstelle sollte folgen. Im August 2016 begann der heute 21-Jährige seine Ausbildung, die er im Januar 2020 beendete und das äußerst erfolgreich. Er erreichte 96 von 100 möglichen Punkten und erzielte damit das beste Ergebnis aller angehenden Industriemechaniker im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau.

Bislang wenig Bewerber für Ausbildungsstart 2

Insgesamt wurden von den knapp 3600 Prüflingen aus 47 Unternehmen und 46 Berufsfeldern 51 Ausbildungsabsolventen ausgezeichnet, wie aus der Pressemitteilung der IHK hervorgeht. Dass er selbst dazu gehört, „da hab’ ich nicht mit gerechnet“, gesteht Vincent Maschke lächelnd. Zugleich ist er froh, dass er seinen Facharbeiter noch vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie machen konnte.

Denn die damit verbundenen Einschränkungen wirken sich spürbar aus, wie Markus Handt erzählt. Er ist einer der vier Ausbilder der Emag Zerbst. „Derzeit haben wir zirka 20 Azubis“, berichtet er von den verschiedenen Berufen, die im Betrieb erlernt werden können – angefangen beim Zerspanungsmechaniker über den Elektroniker und den Industriekaufmann bis hin zum technischen Produktdesigner. Auch ein duales Studium in der Richtung Maschinenbau ist möglich.

Azubis werden noch gesucht

Und die Nachfrage nach freien Plätzen ist stets rege – eigentlich. „Momentan suchen wir noch Azubis“, sagt Markus Handt mit Blick auf das neue Ausbildungsjahr, das im August beginnt. Eine Ursache für die derzeit wenigen Bewerbungen vermutet er in der Corona-Krise. Messen, Aktionstage – sämtliche Veranstaltungen, auf denen die Emag üblicherweise für sich als Ausbildungsbetrieb wirbt, sind ausgefallen beziehungsweise finden vorerst nicht statt. „Das ist schade, weil wir dort Gespräche mit jungen Leuten führen könnten“, bedauert er.

Derweil bietet das Unternehmen zwar weiterhin Praktika an. Die wegen des Versicherungsschutzes notwendige Vermittlung über die Schulen wird momentan jedoch durch die aktuellen Schulschließungen stark ausgebremst, berichtet Markus Handt.

Praktiker übernehmen jetzt auch Theorieunterr

Fernunterricht ist zur Zeit ebenfalls an den Berufsschulen angesagt. Statt im Klassenraum sitzen die Azubis vor dem heimischen Rechner, um sich Fachwissen anzueignen. „Da merkt man schon Defizite“, erzählt Markus Handt. Aus dem Grund vermittelten sie mittlerweile selbst Theorie. „Wir versuchen, die Lücken so gut wie möglich zu schließen, obwohl wir selbst keine Berufsschullehrer sind“, bemerkt er. Immerhin stünden jetzt im März wichtige Prüfungen an. Die praktische Ausbildung laufe derweil wie gewohnt – nur eben unter Einhaltung aller geforderten Hygiene- und Abstandsregeln.

Den Azubis werden in der Lehrwerkstatt der Emag zunächst die Grundlagen beigebracht, wie Vincent Maschke schildert. Anschließend geht es direkt in die Fertigung, wo sie die unterschiedlichen Arbeitsplätze und die einzelnen Produktionsschritte kennenlernen. „Man durchläuft alles“, erzählt der 21-Jährige. Auf diese Weise erhalte man ein besseres Gesamtbild von den Maschinen und Anlagen, die am Standort hergestellt werden.

Übrigens bildet die Emag in erster Linie für den eigenen Bedarf aus. So hatten jetzt zum 31. Januar acht Azubis ausgelernt, von denen sechs übernommen wurden, wie Markus Handt erzählt.