Zerbst l Ralf Fenske hat es sich auf der Liege mit der gepolsterten Kopfstütze bequem gemacht. Er schließt die rechte Hand immer wieder zur Faust und pumpt stetig Blut aus seiner Vene in einen durchsichtigen Beutel. „Um ein bisschen was für die Allgemeinheit zu tun“, erklärt der 57-Jährige lächelnd. „Um zu helfen“, lässt sich auch Manuela Schmelzer gut 500 Milliliter des unersetzlichen Lebenssaftes abnehmen. „Man fühlt sich hinterher doch besser“, bemerkt die 28-Jährige.

66 Spender

Die beiden Zerbster gehören zu den 66 Frauen und Männern, die sich am Dienstag zwischen 16 und 19.30 Uhr nach und nach in der Ganztagsschule Ciervisti einfinden. „Mit 50 haben wir gerechnet“, freut sich Peter Stoye über die Resonanz beim ersten Blutspendetermin im neuen Jahr. Nicht zufrieden ist der Leiter der Zerbster Geschäftsstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit der Anzahl der Erstspender.

Ein gesundes Verhältnis zur Gesamtspenderzahl wären zehn Prozent. Denn längst nicht alle, die sich einmal die Nadel in den Arm stechen und Blut abnehmen lassen, tun es erneut. „Wenn einer wiederkommt, bin ich glücklich“, bemerkt Stoye hinsichtlich der drei Erstspender.

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Zu wenig Erstspender

Schwerkranke wie Krebspatienten, aber auch Unfallopfer sind jedoch auf regelmäßige Spender angewiesen. So werden in Deutschland täglich gut 15.000 Blutspenden benötigt. Umso wichtiger sind die Stammspender. Einer von ihnen ist Uwe Gorzitze. „Mit 18 habe ich angefangen“, erzählt er. „Wenn ich selbst mal eine Bluttransfusion brauche, gehe ich keine Schuld ein“, erläutert der 61-jährige Zerbster seine Motivation.

„Er ist zum 100. Mal hier“, verrät Peter Stoye. Als Anerkennung erhält Uwe Gorzitze neben einem prall gefüllten Präsentkorb eine Anstecknadel mit einem goldenen Kreuz, in dessen Mitte ein roter Stein sitzt. „Ich möchte andere anregen, auch zu spenden“, sagt der 61-Jährige, bevor er zum Gesundheitscheck Platz nimmt.

Ärztliche Untersuchungen

Neben der Körpertemperatur wird die Hämoglobin-Konzentration in seinem Blut bestimmt, um sicher zu stellen, dass der Körper nach der Blutspende selbst noch ausreichend Reserven für den Sauerstofftransport hat. Eine ärztliche Untersuchung folgt, bevor es schließlich auf die Liege geht.

Horst Hüttner hat bereits alle Stationen durchlaufen und das mittlerweile zum 144. Mal. „Im Studium habe ich mit dem Blutspenden begonnen. Das haben wir dreimal im Jahr bezahlt gekriegt“, erzählt der Zerbster. Immerhin 40 Mark pro Spende seien das gewesen – eine Menge für einen Studenten. „Und es gab Halberstädter Würstchen“, betont Horst Hüttner. Die leckere Delikatesse animierte ihn noch mehr als der Geldbetrag.

26 weitere Termine

Die Blutspenden beim DRK sind unentgeltlich. Dafür werden die Teilnehmer kostenlos verpflegt. „Im vorigen Jahr habe ich 2780 Brötchen gekauft“, berichtet Peter Stoye. Bei 27 Terminen in Zerbst, Leitzkau, Loburg, Güterglück und Reuden-Süd versorgten er und seine Mitstreiter die Spendewilligen mit einem leckeren Imbiss. Insgesamt 1332 Teilnehmer listet seine Statistik für 2018 auf. Darunter waren 60 Erstspender. „130 wären schön gewesen“, ergänzt er.

Vielleicht kann diese Zahl 2019 wieder gesteigert werden. Nach dem gelungenen Auftakt in der Ciervisti-Schule stehen weitere 26 Termine übers ganze Jahr verteilt an. Der nächste findet schon am 15. Januar von 16 bis 19.30 Uhr statt und zwar erneut in der Ganztagsschule. Ursprünglich war die Zerbster Volksbankfiliale vorgesehen – der mit Abstand beliebteste Blutspendeort. „Allerdings ist dort seit über einem halben Jahr der Fahrstuhl defekt“, begründet Peter Stoye den Ausweichort.