Zerbst l Es ist 9.05 Uhr, als die Zerbster Feuerwehr am 10. Januar 2021 zu einem Brand in die Lindauer Straße gerufen wird. Dichter Rauch dringt aus mehreren Fenstern und offenen Ritzen der leerstehenden Ankuhnschen Mühle. „Als wir eingetroffen sind mussten wir uns erst einmal Zugang zu dem – zumindest auf der Straßenseite – verbarrikadierten Türen und Toren verschaffen“, sagt Einsatz- und Ortswehrleiter Steffen Schneider.

Schon jetzt ist ihm nahezu klar, wie es zu dem Feuer gekommen ist. „Der Gebäudekomplex ist weder bewohnt noch wird er bewirtschaftet, elektrische Anlagen sind abgeschaltet, da bleiben nicht mehr allzu viele Möglichkeiten“, so Schneider. Und er soll Recht behalten, denn als die Einsatzkräfte Tür und Tor geöffnet haben, finden sie einen Haufen Müll, der in Flammen steht.

Dritte Brandstiftung im jungen Jahr

„Das Feuer war schnell unter Kontrolle und gelöscht. Offenbar haben die Umsicht der Anwohner und unser schnelles Eingreifen hier Schlimmeres verhindert“, so Schneider. Doch die zahlreichen Zündeleien machen ihm Sorge. „Das ist die dritte mutmaßliche Brandstiftung seit Jahresbeginn, also in nur neun Tagen. Und blicken wir das vergangene Jahr, sind es einige mehr“, macht Schneider deutlich.

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Ob es einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Bränden gibt bezweifelt er. „Sicher wurde das eine oder andere Feuer von ein und dem selben Täter gelegt. Aber dass alle Brände auf ein einziges Konto gehen, daran mag ich nicht so recht glauben“, sagt Schneider.

Erst in der Nacht zum 9. Januar stand eine Gartenlaube an der Biaser Straße – gegenüber dem Bahnhof am Bahnsteig 2 – in Flammen. Sie brannte völlig nieder. Es war bereits die dritte Gartenlaube, die seit November 2019 an dieser Stelle in Flammen aufging, die letzte am 23. März vergangenen Jahres.

Feuer unter Döner-Imibss gelegt

Am 3. Januar wurden die Frauen und Männer der Zerbster Feuerwehr gegen 3.15 Uhr morgens auf den Kaufland-Pakrplatz gerufen. Unbekannte Täter hatten unter einem Döner-Imbiss lagernde Materialien angezündet. Als die Kameraden am Brandort eintrafen, hatte die Polizei, die als erste an der Einsatzstelle war, den Brand bereits weitestgehend gelöscht und damit wahrscheinlich auch hier Schlimmeres verhindert. Ebenso wie bei der Laube und der Ankuhnschen Mühle leitet die Polizei ein entsprechendes Brandermittlungsverfahren ein.

Am 14. Dezember brannte gegen 22.30 Uhr ein Holzschuppen gegenüber der Lindgren-Grundschule im Amtsmühlenweg. Auch hier konnten die Einsatzkräfte nicht mehr viel retten. Als sie eintrafen, stand der Schuppen bereits in Vollbrand.

Die Liste solcher oder ähnlicher Brände ist lang. Immer wieder muss die Zerbster Feuerwehr zu zahlreichen kleineren und mittleren Brände ausrücken, wo offenbar Zündler am Werk gewesen sind. Ziel der Zündler sind unter anderem Mülltonnen, Sperrmüll, Gartenlauben, leerstehende Gebäude oder Ödland und Felder.

„Bei letzteren Einsätzen brennt es in vielen Fällen immer an denselben Stellen oder derselben Region, wie beispielsweise im Umfeld der Tochheimer Chaussee oder im Umfeld der Kiesgrube“, sagt Schneider. Das mache am Ende einen Zufall zu viel.

Ärger macht sich breit

Der Ärger und die Wut der freiwilligen und ehrenamtlichen Frauen und Männer wird immer größer, denn diese Zeit, wo sie mutwillig gelegte Feuer löschen, könnten sie mit ihren Familien und Freunden verbringen. „Neben dem Fahren von Einsätzen müssen die Kameraden auch noch Job, Ausbildung und die Familie unter einen Hut bringen“, ärgert sich der Wehrleiter.

Schneider: „Im Übrigen, ich habe es schon einmal gesagt und ich sage es noch einmal: Feuer ist ein nur sehr schwer berechenbares und beherrschbares Element. Wenn es einmal außer Kontrolle geraten ist, kann das ein flammendes Inferno zur Folge haben, womöglich sogar mit Verletzten oder gar Todesopfern“, warnt Schneider eindringlich.