Zerbst l Ein wenig ungewohnt ist es schon, bei strahlendem Sonnenschein verhüllt durch die Alte Brücke und Breite zu gehen. Beim Blick nach links und rechts bemerke ich aber schnell, dass ich nicht die Einzige bin, der es so ergeht. „Es wird schnell warm unter der Maske“, erzählt Katja Wehner-Kirchner, während sie in ihrem Blumengeschäft neue Ware annimmt. Dort ist es durch die Glasdecken generell schon wärmer als draußen. Die Pflanzen scheinen es zu mögen.

Seit September verkauft sie Schnittblumen, Gestecke und Zimmerpflanzen, doch die Corona-Krise war auch für sie nicht einfach. „Wir mussten zum Glück nur drei Wochen schließen. Ich habe in dieser Zeit einen Lieferservice angeboten, doch auch die Gärtnereien hatten Engpässe“, sagt Katja Wehner-Kirchner.

Masken werden füreinander genäht

„Diese Pflanze ist winterfest“, berät die Floristin eine Kundin, „an ihr haben Sie lange Freude.“ Auch die Kundin trägt einen Mundschutz, selbstverständlich selbst genäht. Eine andere Kundin habe Katja Wehner-Kirchner auch bereits eine selbstgenähte Maske versprochen.

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Man hilft sich untereinander. Das spürt auch Ellen Faust. Die Mitarbeiterin des Geschäfts „Sport Zille“ hat einen Mundschutz von ihrem Chef bekommen. „Meine Kollegin hat ihre selbst genäht und hat uns auch schon welche versprochen.“ Um die Mittagszeit ist nicht so viel los im Geschäft, aber Ellen Faust versichert, dass die Woche nach der Zwangsschließung gut angelaufen ist. „Man merkt, dass die Leute wieder raus wollen, um das gute Wetter zu genießen“, sagt sie.

Anlass zum Einkaufen fehlt

Andrea Liepe vom Modegeschäft „Colors Point“ ein paar Häuser weiter, ist weniger zuversichtlich. „Der erste Tag lief gut, aber so langsam wird es wieder verhaltener“, erzählt sie. Die Kunden würden sich aber über die Öffnung freuen. Doch momentan fehle ihnen der Anlass zum ausgiebigen Einkauf von bunten Kleidern und Sommeroutfits. „Viele kleiden sich bei uns für den Sommerurlaub oder eine Feierlichkeit ein. Aber diese finden ja zurzeit leider nicht statt“, sagt Andrea Liepe und blickt sich im leeren Laden um.

Den Mundschutz hat sie modebewusst passend zu ihrem Outfit ausgewählt. „Ich habe ein paar zur Auswahl und versuche das immer ein bisschen abzustimmen“, erzählt sie mit einem Lächeln, das unter der Maske aber nur zu erahnen ist.

Lange Schlangen vor Apotheke

Beim weiteren Spaziergang durch die Zerbster Innenstadt fallen mir lange Schlangen vor den zahlreichen Apotheken auf. In Reih und Glied stehen die Wartenden mit Sicherheitsabstand vor der Apotheke. Viele von ihnen haben dabei noch keinen Mundschutz um. „Ich hoffe, dass ich hier noch eine Maske bekomme“, sagt eine Kundin der Rats- und Stadtapotheke. Doch auch sie muss Apotheker Tobias Adler vertrösten. Neue Ware gibt es erst wieder ab Montag.

„Ich schätze, wir haben bislang schon über 1000 Masken verkauft“, erzählt Adler während seine Kollegin einer weiteren Kundin mitteilen muss, dass sie zurzeit keine Masken haben. „Ein Tuch oder eine selbst genähte Maske sind aber eine gute Alternative zu den OP-Masken, die wir verkaufen“, so Tobias Adler. Diese können eh nur einmal genutzt werden, erklärt er und tritt wieder hinter seine Plexiglasscheibe.

Stoffe und Gummibänder für Masken gehen aus

Aber eine Maske selber nähen? Das traue ich mir nicht zu. Glücklicherweise gibt es Schneiderinnen wie Olga Seifert, die mich dabei unterstützen können. Etwas abseits von der Alten Brücke, entdecke ich ihr kleines Nähstübchen. Olga Seifert sitzt an ihrer Nähmaschine. Gut 500 Masken habe sie bereits genäht, aber so langsam gehen ihr die Stoffe und Gummibänder aus. „Ich habe bestimmt schon 50 Meter Stoff und einen halben Kilometer Gummiband verarbeitet“, erzählt sie.

Wer eine Maske will, muss also eigene Materialien mitbringen. Für drei Euro macht Olga Seifert aus alten Stoffresten oder Bettlaken dann einen waschbaren und wiederverwendbaren Mundschutz. „Ich möchte kein Geld damit machen, sondern helfen.“ Dann mache ich mich mal auf die Suche nach alten Stofffetzen.