Zerbst l Sein halbes Leben hat Gerhard Könnecke auf dem Zerbster Militärflugplatz verbracht – insgesamt 45 Jahre. Die Zerbster Boxlegende, die die Meisten wohl nur unter seinem Spitznamen „Eipe“ kennen, feierte am Freitag seinen 91. Geburtstag. „Seit Jahren war es Eipes Wunsch, noch einmal auf Spurensuche auf ‚seinem‘ Flugplatz zu gehen, scheiterte bisher aber immer mit seinem Vorhaben“, erzählt Walter Mireinski, ein guter Freund von Gerhard Könnecke.

Arbeit auf dem Flugplatz

Er habe dann Kontakt mit Chris Döhring, Geschäftsführer der Getec Green Energy, aufgenommen, die jetzige Eigentümerin des immerhin 364 Hektar großen Geländes. „Chris Döhring hat sofort zugestimmt und eine ganz persönliche Führung für Eipe organisiert“, schildert Mireinski.

Der gelernte Schwimmmeister hat kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges als Zivilangesteller Heizer, Monteur und Installateur auf dem Flugplatz angefangen zu arbeiten. Das streng abgeschirmte Gelände war für die allermeisten Zerbster tabu. Nur zu bestimmten Anlässen oder bei Bauarbeiten ließen die Sowjets immer mal wieder Zivilisten auf den Flugplatz.

„Hier hat sich viel verändert“, sagt der Jubilar, während er seine Blicke in alle Richtungen schweifen lässt und erkennt auch gleich das ehemalige Offiziers-Casino. „Da sind nicht nur Offiziere, sondern auch immer viele Damen ein und ausgegangen“, flüstert er schmunzelnd. Er selbst habe das Casino aber nie von innen gesehen.

Geheime Gänge

Anders ist das auf dem Gelände, wo einst sein großes Heizhaus stand. „Insgesamt sechs riesige Kessel befanden sich im Inneren“, kann er sich noch gut erinnern. Und immer wieder berichtet Eipe von unterirdischen Gängen. „Man konnte aus dem Heizhaus unterirdisch in alle Richtungen. Die Gänge verliefen unterhalb des gesamten Flugplatzgeländes“, erzählt Gerhard „Eipe“ Könnecke.

Getec Mitarbeiter Ralf Schmidt, der die Führung übernommen hatte, schildert indes, dass man bisher bei den Arbeiten noch auf keine unterirdischen Gänge gestoßen sei. Aber der Installateur lässt sich nicht abbringen: „Die Gänge waren da und führten sogar bis an Stellen außerhalb des Flugplatzes“, bleibt Gerhard Könnecke bei seinen Schilderungen.

Der rüstige Senior war damals bei der Roten Armee angestellt und habe ganz gut verdient, wieviel genau, wollte er aber nicht verraten. „Ich war der einzige Deutsche, der über eine so lange Zeit hier angestellt war“, berichtet er voller Stolz. Er habe viele schöne Erinnerungen an seinen ganz besonderen Arbeitsplatz.

Große Familie

Mehr als 40 Hangars stehen noch immer auf dem weiträumigen Gelände. Dagegen wurde viele der Gebäude bereits abgerissen. Und wieder deutet Gerhard Könnecke in verschiedene Richtungen und erinnert sich, was sich dort zu seiner Zeit befunden hat.

„Seit dem Abzug der russischen Truppen nach der Wiedervereinigung bin ich nicht mehr hier gewesen. Ich bin beeindruckt von dem, was jetzt auf dem Gelände geschaffen wurde“, sagt er und freut sich, dass er nach so vielen Jahren noch einmal die Gelegenheit bekommen hat, seine Erinnerungen aufzufrischen.

Jetzt seien es seine Familie und Freunde, denen er seine Zeit widmet. Sechs Töchter, elf Enkelkinder und sieben Urenkel gehören zum großen Kreis seiner Lieben, nicht zu vergessen die vielen Freunde und Weggefährten aus seiner erfolgreichen Zeit als Boxer und später als Box-Trainer.