Zerbst l Um Gleichberechtigung und Toleranz, um Bürgerrechte und politische Strukturen, um Meinungsfreiheit und Religionsvielfalt geht es in den nächsten Wochen im Hort der evangelischen Bartholomäischule. „Jeder für Jeder“ heißt das Sommerferienprojekt, bei dem die Mädchen und Jungen durch gemeinsame Aktivitäten erfahren und vor allem erleben, was sich hinter dem Begriff „Demokratie“ verbirgt.

Mehrere Bausteine sind geplant, deren Umsetzung die Erst- bis Drittklässler durch ihre Ideen, Wünsche und Fragen maßgeblich beeinflussen. Der „Rote Faden“, der alles verbindet, ist das Handwerkerzentrum, das auf dem Schulgelände entstehen soll. Die Kinder suchen sich dafür Berufe aus, die sie ausüben und in denen sie kreativ tätig sein wollen. Um die Entscheidung zu erleichtern, lernen sie verschiedene Bereiche bei Ausflügen und Workshops kennen, tauchen in die Naturwissenschaften genauso ein wie beispielsweise in die Politik.

Denn ein Abstecher in das Zerbster Rathaus und eine Begegnung mit dem Bürgermeister stehen ebenfalls bevor. Er wird den Mädchen und Jungen erläutern, wie Demokratie auf kommunaler Ebene funktioniert und dass Entscheidungsfindungen nicht selten mit kontroversen Diskussionen einhergehen und letztlich für die notwendige Mehrheit Kompromisse zu finden sind. Das bekommen die Ferienkinder womöglich selbst zu spüren, nachdem sie einen eigenen Hortrat gewählt haben.

Bilder

Schlossbesuch konfrontiert mit der Monarchie

Dass das Volk nicht immer das Sagen hat, erfahren die Erst- bis Drittklässler beim Besuch des Zerbster Schlosses. Dort im erhaltenen Ostflügel der früheren Fürstenresidenz werden sie sich altersgerecht mit den unterschiedlichen Machtformen auseinandersetzen – anhand des konkreten Beispiels an der Monarchie, aber auch mit der Diktatur. Hier sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden.

Ursprünglich sollte das Projekt bereits in den Maiferien beginnen. Die Virus-Pandemie durchkreuzte allerdings das Vorhaben, so dass erst jetzt mit Beginn der Sommerferien nach Lockerung der Corona-Regeln der Startschuss fallen konnte. Zum Auftakt befassten sich die Mädchen und Jungen spielerisch mit den Werten der Demokratie. Respekt, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft, aber auch Gleichberechtigung, Gewaltenteilung und Kinderrechte stand unter anderem auf den blauen und lilafarbenen Steinen, die sie zu einem hohen Turm aufeinanderschichteten, der symbolisch für die Gesellschaft steht. So lange alle Werte beachtet und gelebt werden, ist die Demokratie stabil, sobald mehrere ignoriert und missachtet werden, gerät sie indes ins Wanken und der Umsturz droht.

Stadtrundgang erzählt von jüdischer Gemeinde

Ein Baustein ist die Religionsfreiheit, die mitunter jedoch stark eingeschränkt wird. Das vermittelte Museumsleiterin Agnes-Almuth Griesbach, als sie die Erst- bis Drittklässler mit dem Judentum vertraut machte. Neben dem gemeinsamen Verkosten des Challah-Brotes und eines Apfelkuchens nach jüdischem Rezept unternahm sie mit den Kindern einen Stadtrundgang, der sie in die Nicolaikirche und zum jüdischen Friedhof führte. Sie erzählte ihnen von der Reformation, von Glaubenskriegen und der Vernichtungsmaschinerie des Hitler-Regimes.

Gefördert wird das mehrwöchige Projekt von der Partnerschaft für Demokratie „Kreis der Vielfalt! Anhalt-Bitterfeld“ im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Die Koordination vor Ort übernimmt die Diakonie Zerbst, die zugleich Träger des Hortes der Bartholomäischule ist. Um ihre persönliche Sachkompetenz zu festigen, nahmen die Horterzieher im Vorfeld an einem kostenfreien Online-Kurs „Demokratie in Deutschland“ teil.