Zerbst l Seit nunmehr 40 Jahren warten die Anwohner der Großen Wiese in Zerbst darauf, dass auch ihre Straße endlich grundhaft ausgebaut wird. Denn Ende der 1970er Jahre geschah dies mit den Nachbarstraßen Hopfenbänke und Klapperberg. Doch vor ihren Türen blieb alles wie es ist, bis heute.

„Die Situation ist mittlerweile unerträglich geworden“, schildert Udo Müller. Fahrradfahren sei nahezu unmöglich und immer wieder würden Leute stürzen. „Zwei Mal im Jahr wird eine Schotterschicht aufgebracht und verdichtet. Doch nach wenigen Wochen, ja Tagen, sind die Löcher wieder da“, sagt Müller.

Allerdings sei das nicht das einzige Problem. „Sie können sich vorstellen, wenn jedes Mal eine Schicht oben auf kommt, aber nichts abgetragen wird, können wir irgendwann aus den Fenstern auf die Straße treten, denn die wird immer höher“, erklären die Anwohner.

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Im Sommer sei die Straße eine einzige Staubwolke, man könne kaum die Fenster öffnen. Wenn es regnet, fließt das Wasser nicht ab. An den Seiten, wo die Straße abfällt, würden sich Bäche bilden, in der Mitte sei dann eine Seenplatte, einen Regenwasserkanal gibt es nicht.

Anlieger müssen zahlen

„Wir wissen, dass wir an den Kosten beteiligt werden. Wir wollen ja keine Schicki-Micki Straße“, sagt Udo Müller. Eine vernünftig ausgebaute Straße mit Regenwasserkanal, ein Fußweg und Laternen würde den Anwohnern schon reichen. Parkbuchten oder ein Grünstreifen müsse man nicht unbedingt haben.

Es habe laut Anwohnern schon einmal einen Vorstoß in Sachen grundhaften Ausbau der Großen Wiese gegeben. Da sei nur einmal mit allen Anliegern gesprochen worden, ansonsten habe es nur getrennte Versammlungen zum einen mit den Anliegern des unteren Teils und zum anderen mit den Anliegern des oberen Teils der Straße gegeben.

Zwei Abschnitte

Zum Verständnis: Die Große Wiese teilt sich in zwei Hälften. Die eine erstreckt sich von der Einfahrt Marcelstraße bis zur Kreuzung Fohlenweide, die andere Hälfte von der Kreuzung Fohlenweide bis zu den Worthen, wobei sich ein großer Teil der Fohlenweide im selben Zustand befindet wie die Große Wiese.

„2011 hat es bereits Gespräche zwischen den Anwohnern und der Stadtverwaltung gegeben“, sagt Dietmar Habelmann, Bauamtsmitarbeiter in der Zerbster Stadtverwaltung.

Damals sei eine Kostenschätzung beziehungsweise Kostenberechnung vorgenommen worden. Anschließend habe eine Einwohnerversammlung stattgefunden, bei der die Anwohner dann den grundhaften Ausbau wegen einer zu hohen Kostenbeteiligung ablehnten.

Anwohner zu 90 Prozent beteiligt

„Da es sich um eine Erschließung handelt, greift hier die entsprechende Erschließungssatzung. Hiernach werden die Anwohner mit bis zu 90 Prozent an den Kosten beteiligt“, erklärt Habelmann.

Ob Parkbuchten oder ein Grünstreifen integriert werden, komme auch auf die Breite der Straße an. Bei einer Gesamtbreite von zwölf Metern, beispielsweise einer Fahrbahnbreite von 5,75 Meter und Gehwegen beidseitig je 1,50 Meter, bleibe ein Rest von gut drei Metern.

Die Anwohner könnten sich jederzeit erneut an die Stadtverwaltung wenden, beispielsweise mit einer Unterschriftenliste, um ihr Anliegen vorzutragen.

Es werde dann eine erneute Kostenrechnung erstellt und eine Einwohnerversammlung dazu durchgeführt. „ Bis dahin ist das Schließen der Löcher mit Schotter alternativlos“, sagt Dietmar Habelmann. Man werde aber den Schotter nicht mehr großflächig aufbringen.