Fliegertreffen

Jugendmodellflugtage und Wettbewerbe der Luftsportjugend: Flieger sind wieder in Steutz unterwegs

Die Flieger sind derzeit wieder im Landjugendheim Steutz aktiv. Am vergangenen Freitag trafen die ersten Flugmodellsportfreunde ein. Bis zum Sonntag sollen die Winde für viele erfolgreiche Flüge genutzt werden.

Von Petra Wiese
Zum Generationentreff waren einige Zeitzeugen der Geschichte des Segel- und Modellflugsports nach Steutz gekommen.
Zum Generationentreff waren einige Zeitzeugen der Geschichte des Segel- und Modellflugsports nach Steutz gekommen. Foto: Petra Wiese

Steutz - Der Treff der Generationen bildete den Auftakt am vergangenen Freitag im Landjugendheim Steutz. Das Traditionstreffen erlebte die 19. Auflage. Vor allem die älteren Jahrgänge kommen hier zusammen – Zeitzeugen der Geschichte des Segelflugsports und erfahrene Flugmodellbauer. Wolfgang Albert, der Vorsitzende vom Flugmodellsport- und Freizeitclub Zerbst, konnte einige Gäste begrüßen. Um die 20 Teilnehmer hatten sich angemeldet. 

Erinnerungen standen im Mittelpunkt des Modellflugtraditionstreffens. Die Senioren tauschten untereinander Modellflugerlebnisse aus. Einige hatten alte Utensilien mitgebracht, besondere Flugmodelle wieder zusammengesetzt. Wolfgang Albert hatte sein umfangreiches Bildmaterial dabei. Alte Fotos von Modellflugwettbewerben lagen aus, Kopien aus Modellbauzeitungen konnten angeschaut werden.

Kurt Niemitz, mit 90 Jahren ältestes Mitglied des Zerbster Flugmodellsportvereins, stellte noch schnell sein Modell des Baby II b fertig, um es zu den anderen Modellen an den kleinen Abhang an der Terrasse vom Landschulheim zu legen. Weit vor der Wende gebaut, hat er es jetzt hervorgeholt, um es mit nach Steutz zu nehmen. Viele Modelle warten verpackt im Keller des Zerbsters. „Wir haben vier Kellerräume“, erzählte seine Frau Helga, „einen kann ich für den Haushalt nutzen.“

Steutz als Heimatstätte der Segelfliegerei

In dem Flugzeug, einem der meistgebauten Segelflugzeuge überhaupt, ist auch Hans-Georg Landes geflogen. Aus Dessau kam er zum diesjährigen Treffen. Er ist Segelfluglehrer und Chronist beim Fliegerclub „Hugo Junkers“ Dessau und hat sich mit der Segelfluggeschichte der Dessauer beschäftigt. Und die hat einiges mit Steutz zu tun. Hier fanden die Flugpioniere nämlich geeignetes Gelände. Steutz wurde zu einer Heimatstätte der Segelfliegerei für einige Jahre. Und in der Fluggeschichte Anhalts wird der Name „Steutz“ einen besonderen Platz einnehmen. 

Diese Fluggeschichte ist Thema einer kleinen Ausstellung im Landschulheim. Hier hat Ralf Tüllner, ehemaliger Steutzer, der jetzt bei Karlsruhe am Rhein lebt,   in drei Bilderrahmen die Segelfluggeschichte und einen Bilderrahmen zum Landschulheim Steutz aufbereitet. Über den Rahmen, die am Freitag angebracht wurden, soll künftig noch ein Modell des SG 38 (Schulgleiter) von der Decke schweben. Und auch das Sandmännchen darf nicht fehlen, das einmal in ebendiesem Schulgleiter ins Vorabendprogramm für die Kinder schwebte. Den Aufbau des Modellsatzes wollte Wolfgang Albert übernehmen.

Hans-Georg Landes konnte derweil seine Erinnerungen an den SG 38 – „ein fliegender Küchenstuhl“ – einbringen. Auf diesem hatte er mit dem Fliegen angefangen. Schnell waren die Senioren in den Austausch vertieft. Auch Hans-Georg Landes hatte eine Mappe Material dabei, schließlich gibt er auch eine monatliche Vereinszeitung des Fliegerclubs Dessau heraus. 

Landjugendheim mit eigener Geschichte

Doch nicht nur die Fliegerei an sich war Thema des Traditionstreffens. Auch die Geschichte der Einrichtung, die von den Flugmodellsportlern jedes Jahr genutzt wird, wurde beleuchtet. Wolfgang Albert dankte Ralf Tüllner, der quasi den Anstoß dafür gegeben hat.

Bis 1968 war das Objekt im Wald bei Steutz mit dem Hang hinunter in die Elbaue Schule mit drei Klassenräumen. Dann wurde es Ferienobjekt der Station Junger Naturforscher und Techniker. Das war der Vorschlag von Wolfgang Albert. Er leitete die Station von 1966 bis 1977.  

Seine Nachfolge trat Bernd Falkenberg an, Flugmodellbauer seit seinem achten Lebensjahr. Er flog 1958 bis 1962 in Dessau und war natürlich beim Treff der Generationen mit dabei. Der Bau der Sanitäranlage am Landschulheim sei ein Verdienst von Falkenberg gewesen, hob Wolfgang Albert hervor.

Bernd Falkenberg gab noch einmal zum Besten, wie kompliziert es damals war, die Baustoffe zusammenzutragen. Für einen symbolischen Euro ging das Objekt nach der Wende 1991 an das Albert-Schweitzer-Familienwerk, das es als Jugendfreizeiteinrichtung betreibt.  Hier fühlen sich die Flugmodellsportler nach wie vor wohl. Hier finden gerade die Jugendmodellflugtage mit dem offenen 31. Deutschen Lilienthal-Jugendwettbewerb der Luftsportjugend des DAeC e.V. statt. Der Nachwuchs im Flugmodellsport reiste am vergangenen Wochenende an.

An den vergangenen Tagen wurde schon fleißig trainiert und gebaut. Die Wettkämpfe haben gestern begonnen. Heute wird es die offizielle Begrüßung für alle Teilnehmer geben.

Fachsimpeln beim Generationentreff: Achim Macke und Hans-Georg Landes.
Fachsimpeln beim Generationentreff: Achim Macke und Hans-Georg Landes.
Petra Wiese
Wolfgang Albert zieht ein Bild von dem Flugzeug, das Kurt Niemitz als Modell mit in Steutz hat.
Wolfgang Albert zieht ein Bild von dem Flugzeug, das Kurt Niemitz als Modell mit in Steutz hat.
Petra Wiese
Mit 90 Jahren ist Kurt Niemitz der älteste unter den Zerbster Flugmodellbauern. Für Steutz hatte er eines seiner Modelle wieder hervorgeholt und zusammengesetzt.
Mit 90 Jahren ist Kurt Niemitz der älteste unter den Zerbster Flugmodellbauern. Für Steutz hatte er eines seiner Modelle wieder hervorgeholt und zusammengesetzt.
Petra Wiese