Zerbst l In „Das alte Zerbst“ entführt Heiko Röder mit seinem Wandkalender für 2021. Monat für Monat lässt er die einstige Pracht der am 16. April 1945 fast völlig zerstörten Stadt zumindest bildhaft wieder auferstehen. Da findet sich die nicht mehr existierende Färberstraße genauso wie eine frühere Postkartenansicht der Alten Brücke.

„Mein persönliches Lieblingsmotiv ist der farbige Markt auf dem Titelblatt“, verrät Heiko Röder, der längst selbst auf Motivjagd mit dem Fotoapparat ist. Mit der Kamera hält er inzwischen professionell Hochzeiten fest oder lichtet den Nachwuchs in Kitas ab, während er als privates Hobby die Internetseite „alt-zerbst.de“ betreibt, die sich von Anfang an enormer Beliebtheit erfreut. Die vielen Mausklicks brachten Heiko Röder vor geraumer Zeit auf die Idee, einen Kalender mit historischen Aufnahmen zu erstellen – 2014 brachte er den ersten heraus, jährlich folgte ein weiterer.

Kein Kalender für 2020

„2020 gab es allerdings keinen“, berichtet der gebürtige Zerbster von seiner frisch gestarteten Selbstständigkeit, der er sich zunächst voll und ganz widmete. „Der Kalender für 2021 ist Corona zu verdanken“, gibt er unumwunden zu. Während des Lockdowns seien ihm alle Aufträge als Fotograf weggebrochen. So nutzte Heiko Röder die dreimonatige Zwangspause, um einen neuen Monatsplaner zu gestalten.

Einige der ausgewählten Bilder stammen wieder von seinem Onkel, dem Zerbster Hobby-Historiker Helmut Hehne. Andere Motive hat er selbst ersteigert. „Von einer Dame aus Leipzig, deren Großvater Pastor an der Nicolaikirche war, habe ich mehrere Originalaufnahmen erhalten“, erzählt Heiko Röder.

Kalender bundesweit gefragt

„Schon irre, was für eine tolle Stadt Zerbst war“, bemerkt Hannelore Seidler beim Blick auf die digital bearbeiteten Bilder. Unter anderem bei ihr in der Buchhandlung Gast sind die Kalender erhältlich, für die sofort Vorbestellungen vorlagen, nachdem ihr Erscheinen bekannt war. „Viele ehemalige Zerbster interessieren sich dafür“, weiß Heiko Röder entgegennimmt. In alle Ecken Deutschlands habe er seine Monatsplaner bereits verschickt. „Sie gehen sogar bis nach Amerika und Kanada“, sagt der jetzige Magdeburger, der selbst starkes Heimweh verspürt, wenn er Zerbst nicht alle zwei Wochen sieht.

Zugleich verrät er, dass es für 2022 wieder einen Kalender geben wird. „Denn ich besitze noch viele Aufnahmen von Zerbst, die noch keiner kennt“, macht Heiko Röder neugierig.