Zerbst l Die Umzugskartons waren noch nicht ausgepackt und die neuen Räumlichkeiten teils noch Baustelle. Dennoch feierten die Kinder und ihre Unterstützer Ende vergangenen Jahres in der ehemaligen Grundschule Ankuhn in der Grünen Straße – ihrem neuen Zuhause – gemeinsam Weihnachten. Dann war erst einmal Schluss mit der gewohnten Gemeinschaft.

Kindertafel-Chefin Birgit Brandtscheit kündigte während der Weihnachtsfeier an, die Angebote der Kindertafel, die sie für die Kinder vorhalten, vorläufig erst einmal einzustellen, bis der Umbau und die Einrichtung der Räume einen Betrieb wieder zulassen.

„Ich hoffe, dass dies nicht allzu lange dauern wird und die Kinder bald ihre neuen Räume endgültig in Besitz nehmen können“, kündigte sie damals an. Die Räume mussten umgebaut und neu her- und eingerichtet werden. Das gestaltete sich in Teilen schwieriger als zunächst angenommen. Und dann kam auch noch Corona, was das ganze Unterfangen nicht einfacher machte.

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Viel Hilfe für die Tafel

„Wir sind sehr froh, dass es auch in so schwierigen Zeiten Menschen und Unternehmen gibt, die uns finanziell, mit Material oder auch mit Arbeitsleistung unterstützt haben und es auch noch tun, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Am Ende des Tages zählt jeder Euro“, sagte Kindertafel-Leiterin Birgit Brandtscheit.

Am Ende hat es länger gedauert als geplant. Immerhin sechs Monaten wurde gewerkelt, gestrichen, wurden Möbel aufgebaut, Sanitäreinrichtungen geschaffen und Elektrogeräte beschafft und angeschlossen. Entstanden ist unter anderem ein großer Wohn- und Essbereich mit integrierter Küchenzeile, ein Spielzimmer und ein Raum, in den sich die Kinder auch mal zurückziehen können.

Bei der Zerbster Kindertafel geht es um mehr, als die Kids mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen. Sie bietet den Kindern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung wie Hausaufgabenhilfe, Sport, Schwimmen, Lernen, Umweltaktionen, Exkursionen oder Lese-, Bastel-, Koch- und Backnachmittage sowie Urlaubsfahrten oder Besuche in Zoo, Kino oder Kulturveranstaltungen.

„Wir fangen jetzt langsam wieder an, unsere Aktivitäten hochzufahren, nicht gleich mit allen Kindern und Familien“, sagt Brandtscheit. Man werde sich erst einmal mit einer begrenzten Anzahl von Kindern treffen, um die Arbeit wieder anlaufen zu lassen. „Viele Kinder drängeln bereits. Sie wollen unbedingt wieder zur Kindertafel kommen“, schildert sie lachend. Sagt es und wird sogleich unterbrochen.

„Ich freue mich, dass ich endlich wieder hier mit meinen Freunden spielen darf“, mischt sich der kleine Fynn ein. Und das gemeinsame Kochen und Backen mache ihm ganz besonderen Spaß. „Ich war traurig, dass wir so lange nicht zur Kindertafel kommen durften“, muss er unbedingt noch loswerden, bevor er weiter genüsslich seine Nudeln mit Tomatensoße löffelt.

Das sieht Leonie ganz ähnlich. Auch sie hat ihre Freunde, die Gemeinschaft vermisst. „Das hat mir alles sehr gefehlt, die Unternehmungen, das Kochen, das gemütliche Beisammensein“, verriet sie. Umso mehr freue sie sich, dass sie jetzt wieder regelmäßig etwas mit ihren Freunden und „Tante Birgit“, wie die Kindertafel-Chefin liebevoll von den Kids genannt wird, unternehmen kann.

„Ein paar Kleinigkeiten gibt es noch zu tun. Aber hier können die Kinder helfen. Wenn sie wissen, wie viel Arbeit etwas macht, lernen sie, die Dinge viel mehr zu schätzen und pfleglich damit umzugehen“, weiß die verständnisvolle aber auch resolute Chefin. Im Übrigen sollen sich die Kinder einbringen, mit gestalten, es sei ja auch ihr zweites Zuhause, wie sie selbst immer feststellen.

„Ich werde mit der Rasselbande die Hochbeete neu platzieren und bepflanzen“, so die Kinderfafel-Chefin. Brandtscheit: „Am liebsten haben sie Obst und Gemüse, das sie im Vorbeigehen naschen können, wie Erdbeeren, Radieschen oder Möhren“. In den Sommerferien sei außerdem eine Woche Urlaub geplant. „Hier muss ich aber noch klären, wie man das umsetzen kann“, sagt Birgit Brandtscheit.

Und einen Appell hat sie auch noch an alle, die der Kindertafel gerne helfen möchten: „Wer noch Pflanzerde für unsere Hochbeete, oder induktionsgeeignete Töpfe und Pfannen zur Verfügung stellen kann, da sagen wir auf keinen Fall nein“, bittet Birgit Brandtscheit um Spenden für ihre kleinen Schützlinge.