Deetz l Am Ortsrand von Deetz wird es in diesem Jahr keine Gänse geben. Landwirt Mathias Mösenthin hat in diesem Frühjahr auf die Bestellung von Küken verzichtet. Damit endet die Freiland-Gänsezucht in Deetz vorerst auf Betreiben der Kreisverwaltung.

Kein Fall bekannt

Obwohl Deetz viele Kilometer von der Elbe entfernt liegt, ist es dennoch Versammlungsort von vielen Zugvögeln. Die frei fliegenden Vögel wurden in den vergangenen Jahren das Problem des Deetzer Landwirts. Nach Einschätzung Veterinäre der Kreisverwaltung hätte der Gänsehalter seine Vögel wirksam abschirmen müssen, um die Tiere weiter zu halten. Dabei beriefen sich die Tierärzte auf die Geflügelpest-Verordnung. Die gilt auch, wenn es in Deutschland keinen Geflügelpestfall gegeben hat, sagt Mathias Mösenthin. Ihm sei bislang kein einziger Pestfall bekannt. Dennoch werde die Verordnung herangezogen, um ihm die Gänsehaltung unter freiem Himmel zu untersagen.

Mehrfach konnte sich der Landwirt bereits in Eilverfahren beim Verwaltungsgericht Halle gegen den Landkreis zur Wehr setzen. Nach den Verfahren legte der Landkreis aber jeweils mit neuen Bescheiden nach. Er wolle nun das Hauptsacheverfahren abwarten, sagte er weiter. Bislang habe er noch keinen Termin dafür. Doch hoffe er, dass er die juristische Auseinandersetzung mit dem Landkreis noch in diesem Jahr bestreiten könne.

Unterstützung erhält er dabei vom Bundesverband der Gänsezüchter. In der ganzen Bundesrepublik hat sich die Auseinandersetzung bislang schon herumgesprochen, schildert er. Auch finanziell unterstützt der Verband sein Mitglied in dem andauernden Rechtsstreit.

Teures Verfahren

Bislang habe die Auseinandersetzung rund 50.000 Euro gekostet, sagt er. Ohne die Unterstützung hätte er sich das kaum leisten können, schätzt er ein. Den kleinen Betrieb belastet die Auseinandersetzung. Weil es in diesem Jahr keine Gänse mehr gibt, habe er auch einen Mitarbeiter entlassen müssen, sagt er weiter. Trotzdem sei er immer noch guter Hoffnung, dass er den Streit gegen den Landkreis gewinne.

Bislang hätten ihn die Einschätzungen des veterinäramtes nicht überzeugen können, dass es eine Gefahr gebe. In der näheren Umgebung habe es nicht mal einen Gefügelpestfall gegeben, erinnert er. Trotzdem habe die Verwaltung von ihm verlangt, die Freifläche, auf der die Gänse gehalten werden, mit großen Netzen abzudecken. Damit sollte verhindert werden, dass Wildvögel auf der Fläche landen, wo die Gänse leben.

Bislang Vermutungen

Dabei ist der Übertragungsweg der Geflügelpest noch weitgehend unbekannt. Es gibt bislang nur Vermutungen, wie sich der Erreger übertragen könnte. In der Vergangenheit war es immer wieder zu Ausbrüchen auch in abgeschirmten Beständen gekommen. Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen. Da auch in Ställen gehaltene Bestände immer wieder von der Geflügelpest in der Vergangenheit befallen wurden, sei kaum davon auszugehen, dass diese Bestände besser geschützt seien, argumentiert er. Ebenso beruhe die Anordnung auf die Umzäunung und Absicherung seines Geländes nur auf einen bloßen Verdacht. Einen Beweis über einen Geflügelpestfall in der Nähe habe die Kreisbehörde nicht vorgebracht.

Prominente Befürworter der Freiland-Gänsehaltung hat der deetzer inzwischen. So hat sich der ehemalige Ministerpräsident Gerd Gies des Landes für ihn eingesetzt. Gies ist Tierarzt und war schon öfter bei Mathias Mösenthin.

Widersprüchlich findet der Gänsehalter auch die Haltung des Landes zu seinem Fall. Während ihm die Gänsehaltung praktisch verboten werde, zeichne die Umweltministerin einen Betrieb auf der anderen Elbseite für genau die ihm nicht mehr erlaubte Haltungsmethode als vorbildlich aus. Diesen Widerspruch könne er nur schwer verstehen. Schon deshalb erwarte er das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, um diese offensichtlichen Widersprüche darzulegen, erzählt er von seinen Plänen für dieses Jahr.