Lindau l Es gibt 70 Kinder an der Lindauer Grundschule An der Burg in vier Klassen, aber nur drei Lehrer und eine pädagogische Mitarbeiterin. Die 3. Klasse hat keinen Klassenlehrer. Es gibt keinen Förderlehrer, keinen Schulsozialarbeiter. Musik, Ethik und Sport werden nicht unterrichtet. In Klasse 4 fällt auch Gestalten aus. So stellte die weiter kommissarisch eingesetzte Schulleiterin der Grundschule, Martina Schub, die aktuelle Situation dar.

Zur Krisensitzung hatte der Schulelternrat am Mittwoch in das Lindauer Bürgerhaus geladen. Thomas Redlich, Referats-leiter Grund- und Förderschulen beim Landesschulamt und die schulfachliche Referentin Elke Meyer stellten sich den Fragen der Eltern. Auch der Zerbs- ter Bürgermeister Andreas Dittmann hatte im Präsidium Platz genommen. Während die Elternschaft schon in einem offenen Brief Lösungen einforderte, umfasste eine Liste am Mittwoch 22 Fragen der Eltern, auf die sie sich Antworten erhofften. Die brachten vor allem eines zum Ausdruck: die Sorge, um die Bildung der Kinder und wie es vor dem Hintergrund des Lehrermangels, der Ausfallstunden, Wissensdefiziten für den Besuch weiterführender Schulen, der Qualifikation von Seiteneinsteigern, der Überbelastung der noch vorhandenen Lehrkräfte etc. weitergehen soll.

Sorgen der Eltern ernst nehmen

Schon selber haben sich Lehrkräfte auf die Suche nach Verstärkung gemacht. Für fünf Sportstunden in der Woche gibt es Aussicht und für Musikunterricht. Und es sind Bewerbungen derzeit auf dem Prüfstand. „Die Fakten sind so, wie sie sind, die wollen wir nicht schön reden“, machte Thomas Redlich deutlich, „wir nehmen die Sorgen der Eltern ernst.“ Zielstellung sei es, kurzfristig eine Lösung zu finden.

Die könnte sich wie folgt abzeichnen: Auf eine befristete Ausschreibung hat es vier Bewerber gegeben, davon ist ein Bewerber geeignet, informierte Redlich. In 14 Tagen könnte das vorgeschriebene Prozedere durchlaufen sein. Bleibt der Bewerber, ein Quereinsteiger, bei der Stange und steht sofort zur Verfügung, könnte er Anfang September anfangen. Auch auf die unbefristete Ausschreibung gab es Bewerbungen. Das Prüfungsverfahren, das mehr Zeit in Anspruch nimmt, läuft ebenfalls. Heißt, zweimal 27 Stunden stellte Redlich in Aussicht und damit eine 105-prozentige Unterrichtsversorgung an der Lindauer Grundschule – rein statistisch.

Viele Bedingungen als Einschränkung

Der Hoffnungsschimmer kommt mit vielen Wenns und Aber einher. Wenn die Bewerber nicht abspringen, wenn alle Bedingungen erfüllt sind... Aber wie können Seiteneinsteiger ohne pädagogische Ausbildung die gleiche Arbeit leisten, wie studierte Pädagogen, war eine der Fragen des Abends. Eine „Notlösung“, zu der man sich durchgerungen hat.

„Wer ist für diesen Scheiß verantwortlich? Es werden Kinder geboren, und es ist absehbar, dass die in sechs Jahren die Schule besuchen“, machte sich ein Vater Luft. Warum gibt es keinen größeren Anreiz für Lehrer, an einer kleinen Schule anzufangen? Warum wird nicht mehr Geld in die Hand genommen? Die vielen Warums wurden an politische Entscheidungen verwiesen.

Viele Vorschläge

Könnten die Lehrer nicht wenigstens gleichmäßig an die Grundschulen verteilt werden?, war ein Vorschlag aus dem Publikum. Die Schließung einer Grundschule im Umland ein anderer.

Gegenseitiger „Kannibalismus“ unter den Grundschule führe zu nichts, meinte Bürgermeister Andreas Dittmann und erklärte noch einmal den bestehenden Willen des Stadtrates, alle vier Grundschulen in den Ortsteilen zu erhalten. Vielmehr lobte er die Solidarität der Grundschulen untereinander, die sich entwickelt habe. Mit den Bewerbern in Aussicht sehe er Licht am Ende des Tunnels, sagte Dittmann und machte noch einmal deutlich: „Es kann niemand Lehrer backen.“

Bedingungen an Schule verbessern

Die Grundschulstandorte zu erhalten, sei für jede Region wichtig, bestätigte auch Ortsbürgermeister Helmut Seidler, „Die Schule steht für das Leben im Ort.“ Er versucht seit Jahren Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, um die Bedingungen an der Grundschule zu verbessern. Das sei jedoch nur die materiell-technische Basis. Nun gilt es für Lehrer, Schüler und Eltern, die nächsten zwei, drei Wochen durchzuhalten und zu hoffen, dass Verstärkung kommt.