Zerbst l „Unser Kind soll in diesem Jahr eingeschult werden. Bei der Informationsveranstaltung sagte man uns, wer einen Hortplatz für sein Kind will, soll sich in eine Liste eintragen. Das taten wir. Auf Nachfrage, wie es dann weitergehe, wurde uns berichtet, dass es nur zehn freie Hortplätze gebe und dass vermutlich einfach die ersten zehn der Liste einen bekämen und der Rest gehe leer aus“, berichtet Torsten Lierka bei der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses. Und fügt an: „Wir sind gerade verzweifelt, so was kann man doch nicht machen. Meine Frau und ich arbeiten beide in Vollzeit. Wir wissen nicht, wie wir es machen sollen, ohne einen Hortplatz.“ Die Ratlosigkeit ist dem jungen Vater anzusehen. Sein Kind soll in die Grundschule An der Stadtmauer eingeschult werden.

Die Mitglieder des Sozialausschusses sind wenig begeistert, reden von rechtlichem Anspruch und dass es unverständlich sei, dass sie die Zahlen regelmäßig anfragen lassen und sich dann so ein Engpass schon seit längerem abzeichnete.

Dass es aber so erschreckende Zahlen sind, damit hatten sie nicht gerechnet. Markus Pfeifer, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und anwesend beim Sozialausschuss, erklärt in diesem Zuge die Pläne der Stadt und des Landkreises. Denn laut Kinderförderungsgesetz Sachsen-Anhalt ist der Landkreis dafür verantwortlich, ausreichend Hortplätze zur Verfügung zu stellen und einen freien Träger zu beauftragen, die Betreuung für die Kinder zu übernehmen. Auch das ist vielen nicht klar.

Problem ist bekannt

„Das Problem der zu wenigen Plätze beim Hort an der Grundschule „An der Stadtmauer“ ist bekannt. Angestrebt wird jetzt eine dauerhafte Lösung. In dieser soll das Gebäude Fischmarkt, das Eigentum des Landkreises ist, ausgebaut und zum Hort umfunktioniert werden. Das soll bis zum 1. August, wenn das neue Schuljahr beginnt, umgesetzt sein. Und wir sind da guter Dinge“, so Pfeifer.

Diese Lösung hatte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) bereits in seinem Neujahrsinterview mit der Volksstimme angekündigt.

Aber wird das jetzt wirklich angepackt? Landrat Uwe Schulze (CDU) sagt: „Ja. Koste es, was es wolle, es wird jetzt umgesetzt“, betont er entschlossen auf Volksstimme-Nachfrage.

Kreistag entscheidet

Die Mittelfreigabe für dieses Vorhaben ist bereits auf der Tagesordnung des nächsten Kreistages am 15. Februar vermerkt. Danach können die Maßnahmen ausgeschrieben werden. „Natürlich sind wir bestrebt, das Gebäude zum Schuljahresbeginn für den Hort fertig zu haben. Versprechen kann man aber nichts. Wir sind an Vergabezeiten gebunden und auch von Fachkräften abhängig“, räumt er ein.

Das Gebäude Fischmarkt ist ein ehemaliges Verwaltungsgebäude des Landkreises. Nach Angaben des Landrates sei es für Büronutzung fast sofort beziehbar. Um einen Hort betreiben zu können, in dem Kinder auch genügend Schutz vorfinden, müssen aber an beide Giebelseiten des Gebäudes Rettungstreppen außen angebaut werden. Im Innenbereich müssen bestimmte Ausstattungen wie Toiletten oder Bodenbeläge kindgerecht umgewandelt werden.