Lindau l Auch wenn der Staub, den die Maschinen beim Drillen auf den Äckern aufwirbeln, weithin sichtbar ist, muss die Arbeit doch getan werden. Die Saat für die kommende Ernte muss in den Boden. Dabei hoffen die Landwirte, dass es demnächst mal wieder etwas regnet. Denn ohne Feuchtigkeit gehen die Saatkörner im Boden kaum auf. Zumindest in dieser Woche ist zum Wochenende Regen prognostiziert. „Fünf Millimeter würden schon ausreichen“, sagt der Deetzer Landwirt Peter Gottschalk. Dann könnten sich die kleinen Pflanzen schon mal entwickeln. Allerdings müsste dann zeitnah weiterer Regen fallen, damit die kleinen Pflanzen noch etwas wachsen können vor dem Winter.

Die Trockenheit hat im dritten Jahr in Folge auch dem Mais zugesetzt. Sah es zunächst gut für die Entwicklung der Futterpflanze aus, sorgte der Regenmangel dann dafür, dass die Ernte wieder unter dem Durchschnitt blieb. Vor allem für die Milchviehbetriebe ist der Mais wichtig, betont Peter Gottschalk. Die Agrico in Lindau versorgt einen Milchviehbetrieb mit Futter seit vielen Jahren. In diesem Jahr, schildert er, habe die Agrico Mais auf einer größeren Fläche angebaut, um vorbereitet zu sein. Denn Reserven sind nach zwei schmalen Ernten nicht mehr vorhanden. Immer wieder mussten die Landwirte nach Zwischenlösungen suchen, um die Futterversorgung zu sichern. Mal wurde grünes Getreide geerntet, damit die Kühe ausreichend Futter bekommen. In diesem Frühjahr gab es mal Grünschnitt, der sich zunächst prächtig entwickelte.

Anbau auf größerer Fläche

Damit sich die Futterversorgung wieder stabilisiere, habe er also auf einer größeren Fläche Mais angebaut. Damit sollten die Reserven wieder aufgefüllt werden, sagte er. Dabei sah es im Frühjahr gar nicht so schlecht aus für den Mais. Einige Landwirte änderten noch auf einigen Flächen ihre Pläne und pflügten den Raps wieder unter, um dafür Mais anzubauen. Vor allem Mai und Juni sorgten hier mit kühlem und auch feuchtem Wetter für gute Wachstumsbedingungen. Erst später, im Sommer, kamen die hohen Temperaturen, die den Pflanzen enorm zusetzten.

Dabei ist es noch keine zehn Jahre her, als die Bauern das Gegenteil erlebten und mit nassen Jahren mit vielen Niederschlägen klarkommen mussten. Wochenlang ließen sich damals die Äcker nicht befahren. Vor allem schwere Lehmböden waren kaum zu bewirtschaften. Aus dem Überfluss an Wasser ist ein Wassermangel geworden. Längst hat die Diskussion unter den Landwirten darüber begonnen, wie der Mensch hier noch mehr eingreifen kann, um das Wasser besser zu verteilen. An einigen Standorten setzen Landwirte jetzt bereits auf die künstliche Bewässerung. Doch nicht überall und bei jeder Kultur macht sie wirtschaftlich Sinn, sagt Peter Gottschalk.

Bei einigen Kulturen, räumt er ein, hätte sich die künstliche Bewässerung in der Vergangenheit gelohnt. Beispielsweise bei Kartoffeln. Beim Spargel setzt die Agrico heute schon auf den künstlichen Regen, wenn es im Frühjahr lange trocken bleiben sollte. Doch für alle Flächen dürfte dies kaum eine Lösung sein, weil die verfügbare Wassermenge dafür kaum ausreichend ist. Außerdem kostet das Pumpen von Wasser auch Geld und verteuert damit die Herstellungskosten. Außerdem sind zudem nicht alle Böden so fruchtbar, dass sich der Aufwand lohnen würde. Auf den leichten Standorten, auf denen nur unter optimalen Umweltbedingungen gute Ernten zu erwarten sind, wäre der Aufwand möglicherweise zu groß.

Mäuse sind ein Problem

Nicht nur fehlendes Wasser bedroht die Ernten, sondern ebenso kleine Nager. Mäuse haben sich in der Börde zu einer echten Plage entwickelt, war in den vergangenen Tagen zu lesen. Die Bauern kämpfen hier dafür, Gift einzusetzen, um die Zahl der Mäuse zu reduzieren. „Wir setzen regelmäßig Giftköder ein“, bestätigt Peter Gottschalk. Anders als in der Börde sei dies im Zerbster Umland immer erlaubt. Die Landwirte müssten hier keine Rücksicht auf den streng geschützten Feldhamster nehmen.

Einst war der Feldhamster eine Plage für die Landwirte westlich der Elbe. Die kleinen Nager sind heute selten und geschützt. Das führe aber dazu, dass auch Mäuse kaum effektiv bekämpft werden können. Die Landwirte müssen durch die Nager höhere Verluste hinnehmen als östlich der Elbe.

Auswirkungen auf die Landwirtschaft könnte dagegen ein Auftreten der Afrikanischen Schweinepest haben. Sollte ein Fall auftreten, dürften auch die Landwirte für einen längeren Zeitraum die Flächen rund um ein befallenes Tier nicht bewirtschaften, erklärt der Lindauer Landwirt. Damit solle verhindert werden, dass die kranken Tiere wandern und andere Wildschweine anstecken. In Brandenburg wurde kürzlich bei mehreren Wildschweinen die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen. Die Sorge ist deshalb nicht unbegründet.