Zerbst l Eine Bekanntmachung im Amtsboten sorgt für Aufregung am nördlichen Stadtrand: Der Bauausschuss hat beschlossen, dass ein Aufstellungsbeschluss zur Änderung des wirksamen Flächennutzungsplanes der Stadt Zerbst/Anhalt für eine Solaranlage aufgemacht werden kann.

Dieser Aufstellungsbeschluss dreht sich um das ehemalige Kasernengelände, das sich am nördlichen Stadtrand befindet. Östlich der Kleingartenanlage „Zukunft“ und der Mozartstraße, südlich des Blumenmühlenwegs und nördlich der Bebauung an der Goethestraße. Die Rede ist von einer Fläche von insgesamt 12,7 Hektar – so groß wie etwa elf Fußballfelder – die mit einem Solarpark ausgestattet werden soll. Dafür müsste aber der Flächennutzungsplan geändert werden.

„Als ich das im Amtsboten sah, war ich einfach nur sauer. Ich konnte nicht glauben, dass aus diesem Gebiet, das wunderbar idyllisch und wild gewachsen ist, auf dem man abends Rehe sehen kann, jetzt ein Solarpark werden soll“, sagt Anwohnerin Ramona Schondorf. Im Flächennutzungsplan ist das Gelände bisher als Grünfläche mit der Zweckbestimmung Sportanlagen ausgewiesen.

Eine Nachbarin hatte die entsprechende Seite des Amtsboten kopiert und in der Nachbarschaft verteilt. Die Resonanz: Empörung.

Knapp 600 Unterschriften gegen Solarpark

Man tat sich zusammen und innerhalb nur einer Woche sammelten die Anwohner rund um das Gelände 597 Unterschriften gegen dieses Vorhaben – nicht nur Anwohner unterschrieben, auch Leute aus den Ortsteilen.

Ramona Schondorf übergab diese bei der jüngsten Stadtratssitzung an die Verwaltung und fand dazu klare Worte: „Wir sind schockiert, wütend, verängstigt und verzweifelt. Ein Solarpark direkt in unserem Wohngebiet, geplant auf einer Fläche, in der die Natur noch in ihren Ursprüngen lebt. Soll unsere schöne Flächenstadt nun auf allen freien Grünflächen mit Solaranlagen und Windrädern vollgepflastert werden? Das kann nicht im Sinne der hier lebenden Bürger sein. Regenerative Energien sind wichtig, aber sie sollen die Natur und somit auch den Menschen schützen und nicht belasten.“

Angst haben die Bürger, ihre Idylle zu verlieren, direkt hinter ihrem Wohnraum auf Solaranlagen zu stoßen, vor Geräuschen, die die Anlagen machen, geblendet zu werden und auch vor der Firma, die dort bauen will. Denn diese hat bereits eine Insolvenz hinter sich und hat ihren Sitz weit weg in Koblenz – wie im Internet schnell zu recherchieren ist. „Was passiert bei einer erneuten Insolvenz? Wer kümmert sich dann um den Elektromüll?“, fragt Schondorf.

Grundstück gehört Bund

Fragen, auf die zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Antworten gegeben werden können. Denn eine Nachfrage bei der Verwaltung bringt hervor, dass das Grundstück nicht städtisches Eigentum ist, sondern dem Bund gehört. Dieser hat das Gelände für die Nutzung als Solarpark ausgeschrieben und die Firma Solibra System Montage GmbH hat den Zuschlag bekommen. „Wir müssen nun das Verfahren führen. Es beginnt ein zweistufiges Verfahren. In der ersten Stufe befinden wir uns jetzt. Es ist der Aufstellungsbeschluss, der öffentlich gemacht wurde“, erklärt Heike Krüger vom Bauamt.

Generell müssen natürlich rechtliche Festlegungen bei solch einem Projekt eingehalten werden, sagt Krüger. Ein erfahrener Planer sei mit diesem Projekt betraut, der in dieser Hinsicht sicheren Umgang hat. So soll beispielsweise beim Bau solch einer Anlage ein Blendgutachten erstellt werden, das auch dazu dient, die richtige Ausrichtung für die Paneele zu finden. Außerdem sollen die Paneele mit einem Abstand von 100 Meter zur Wohnbebauung aufgestellt werden. „Das Baufeld wird von uns festgelegt, darin muss das bedacht sein“, sagt Krüger.

Interessant: Die Wohnblöcke der Mozartstraße liegen direkt im Süden des Grundstückes. Gewöhnlich die Himmelsrichtung, in die die Solarpaneele ausgerichtet werden.

Dass grade das Gelände für einen Solarpark ausgewählt wurde, stößt in der Verwaltung nicht auf Verwunderung. Ehemaliges Militärgelände, sogenanntes Konversionsgelände, soll bevorzugt für solcherlei Vorhaben verwendet werden. Da ein Aufarbeiten des Geländes wegen vermutlicher Altlasten sehr teuer wäre.

Der nächste Schritt im Verfahren ist der Vorentwurf. Dieser geht wieder in den Bauausschuss und dann in die öffentliche Auslage. Hier ist der Moment gekommen, in dem Bürger Anmerkungen einbringen können. Dann beginnt ein Abwägungsprozess, ob Änderungen an dem Vorhaben vorgenommen werden müssen, um eventuell den Einwendungen zu entsprechen.

„Wir sind Bürger dieser Stadt. Oftmals wird hier nur unter der Hand gemeckert. Aber wir sind bereit etwas zu machen“, kündigt Ramona Schondorf kämpferisch an. Schließlich gebe es mehrere 100 Anlieger, die das Bauvorhaben betrifft.