Zerbst l Das große Festwochenend liegt nun hinter den Zerbstern. Der Höhepunkt war das Prozessionsspiel, nicht nur als touristischer Besuchermagnet, sondern auch als kulturelle Einzigartigkeit der Stadt Zerbst. Stadtoberhaupt Andreas Dittmann (SPD) blickt zurück und zieht Bilanz.

„Es war phantastisch was auf, vor und hinter der Bühne ablief. Das i-Tüpfelchen war natürlich, dass wir am Sonntag den Beginn der Aufführung um 15 Minuten verschieben mussten, da der Andrang an der Tageskasse so groß war, dass er unmöglich bis 19 Uhr zu bewältigen war. Das spricht schon mal Bände“, fasst Dittmann zusammen. Das kann auch Viola Tiepelmann, Leiterin der Tourist-Information, bestätigen. Besucher seien extra aus Berlin, Niedersachsen, Sachsen oder auch Thüringen angereist. „Unser Drucker hat geglüht, als wir die Karten ausgedruckt haben“, sagt Tiepelmann.

Am Festwochenende konnten jeweils für die Vorstellungen des Prozessionsspiels am Freitag, Sonnabend und Sonntag 1030 Karten gekauft werden. So viele Zuschauerplätze hatte die Stadt eingeplant. „Am Sonnabend war die Vorstellung komplett ausverkauft. Am Freitag und Sonntag gab es nur noch wenige Restkarten“, sagt die Leiterin der Tourist-Info.

Aufmerksamkeit über Landesgrenzen

„Wir haben deutlich über Stadt, Kreis und Landesgrenzen Aufmerksamkeit und Interesse erregt. Alle Mitwirkenden haben eine tolle Leistung abgeliefert. Bedenkt man, dass nur eine Probe mit allen Akteuren und der Technik möglich war, ist das Ergebnis noch bemerkenswerter“, lobt der Bürgermeister.

Aber noch mehr wiege, was zwischen den Gruppen stattgefunden habe, der Austausch von Menschen, die sonst keine Berührung zueinander hätten, sei durch das Prozessionsspiel erreicht worden, so Dittmann weiter. „Insofern ist unser Ziel, etwas für die und mit der ganzen Stadt zu machen, erreicht worden und wir werden hoffentlich noch sehr lange davon zehren.“

Viola Tiepelmann: „Wir können sagen, es war ein sehr bewegtes, aber auch interessantes Wochenende.“ Tiepelmann und ihr Team haben eine sehr positive Resonanz von den Gästen bekommen. Die Gastfreundschaft der Zerbster und das Prozessionsspiel seien für viele überwältigend gewesen. „Wir haben damit ein großes Spektrum an Menschen erreicht“, sagt Tiepelmann. Sie rechnet, dass an jeden Veranstaltungstag mehrere Tausend Menschen Zerbst besucht haben. „Am letzten Tag wurden wir regelrecht überrannt. Die Restkarten waren sehr begehrt.“

Alle Veranstaltungen gut besucht

Nicht nur das Prozessionsspiel, sondern auch die Veranstaltungen drumherrum seien gut besucht gewesen. „Der Bürgermeister unserer Partnerstadt Jever war auch zu Gast und hat an einer Stadtführung teilgenommen“, sagt Tiepelmann. Es habe ihr Spaß gemacht, den Besuchern die Vielfalt der Stadt zu vermitteln. „Jeder Gast, der uns mit einem Aha-Erlebnis verlässt, bringt uns weitere Gäste ein“, zieht Tiepelmann eine positive Bilanz.

„Der ganze organisatorische Teil hat enorm viele Unterstützer und Helfer benötigt und gefunden. Was die DLRG, Feuerwehr, Stadtverwaltung, öffentliche Einrichtungen und der Bauhof, aber auch der Katastrophenschutzzug geleistet haben, war enorm. Darum gilt beim Dank an die Mitwirkenden immer auch der Dank an die Unterstützer und Helfer, was den Verkehrsverein natürlich einschließt“, hebt Dittmann hervor. „Es war insgesamt für unsere Einheitsgemeinde ein tolles Festwochenende. Natürlich hatten wir uns beim Mittelaltermarkt eine größere Resonanz versprochen, manche Erfahrungen muss man eben sammeln. Die knapp 3000 Besucher der Aufführung haben aber sicher, auch gerade in den späten Nachmittagsstunden für zusätzliche Besucher beim Bollenmarkt gesorgt“, sagt Dittmann. Kritik sei vereinzelt geäußert worden, so Tiepelmann. „Wir nehmen sie gerne auf und geben diese auch weiter“, sagt die Chefin der Tourist-Info.

„Zur Standardfrage nach einer Wiederholung oder besser gesagt Fortsetzung möchte ich noch keine Antwort geben. Hierzu sind noch eine Reihe von Fragen zu beantworten“, erklärt der Bürgermeister abschließend.

Mitwirkende sind begeistert

Lob gab es auch von den Mitwirkenden: „Uns hat das Vorhaben von Anfang an begeistert“, erzählt Mario Rudolf, Mitglied der Weinberggemeinde und Ortsbürgermeister von Garitz. Schön fanden die Gemeindemitglieder, dass sie eigene Ideen mit in die Szene einbringen durften. „Der Regisseur Prof. Hans-Rüdiger Schwab hat uns da wunderbar begleitet und angeleitet“, sagt Rudolf. Schon bei der Generalproben haben die Mitglieder gemerkt, dass hier etwas Großartiges entsteht. „Wir fühlen uns sehr geehrt, dass wir bei dieser Inszenierung dabei sein durften“, freut sich Mario Rudolf.

„Zuerst war da eine Idee, ganz klein und verbunden mit Zweifel und Skepsis. Daraus wurde etwas Einzigartiges“, findet Sybille Heyer, Lehrerin an der Grundschule an der Stadtmauer. „Die Kinder sind mega begeistert, aufgeregt und stolz, einfach paradiesisch“, freut sich Sybille Heyer.

„Wir sind sehr zufrieden und haben uns gefreut das so viele Vereine mitgewirkt haben“, sagt Sigrun Knäbel, Vorsitzende des Wasserturmvereins. „Und die Zuschauerresonanz war wunderbar“, freut sich auch Knäbel.

„Am Anfang waren wir doch alle eher skeptisch“, berichtet Ingrid Reichel von der Laufgruppe Grün-Weiß. Viele der Bilder könne man auf die heutige Zeit übertragen. „Am Ende fanden es alle toll und waren stolz das sie dabei waren“, sagt Ingrid Reichel. Auch die Musik, die Kirchenmusikwart Tobias für unsere Szene gewählt hat, war sehr ergreifend“, sagt Reichel.