Zerbst l 70 Jahre ist es her, dass Renate Frebel mit zarten 18 Jahren in einem opulenten Kleid und weißer, prächtig hochgesteckter Perücke als Katharina in Zerbst in Erscheinung trat. Das war zur 1000-Jahr-Feier der Stadt Zerbst im August 1949, und die Gehrdenerin wurde gefragt, ob sie im Schaubild des Hochzeitszuges der jungen Katharina dabei sein möchte. Damit ist sie sozusagen die erste öffentliche Katharina-Darstellerin, die Zerbst jemals hatte.

„Ich wurde gefragt, ob ich die Rolle übernehmen würde, weil Gehrden und Lübs dieses Schaubild zeigen sollen. Aber ich sagte erst nein“, erinnert sie sich. Doch die Frau Mama intervenierte, sie könne das ja wohl nicht ausschlagen. „Und so sagte ich ja“, so Frebel.

Bereut hat sie es nicht. Ein wunderschönes Kleid bekam sie aus dem Dessauer Theaterfundus samt Perücke. „Das war was besonderes – vor allem zu der Zeit“, weiß sie noch. Schade nur, dass sie es zurückgeben musste.

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Mit der Kutsche durch Zerbst

Aber der Moment ist ihr gut in Erinnerung: „Es war ein furchtbar heißer Tag. Im Schützenhaus hatten wir uns angekleidet und von dort startete auch der Umzug“, erzählt sie. Zwischen den Schaubildern Albrecht der Bär, der Butterjungfer, Martin Luther und Melanchthon, der FDJ und der Nationalen Front fuhr sie dann in der Kutsche als Katharina mittendrin durch Zerbst.

Nach der 1000-Jahr-Feier folgte lange Zeit keine weitere Katharina-Darstellung, bis sich nach der politischen Wende der Katharinaverein in Zerbst 1992 gründete. Nach 25 Jahren schauten am gestrigen Sonntag die Mitglieder auf diese lange Zeit zurück. Im Vorhinein hatten sie in der Volksstimme aufgerufen, dass ehemalige Katharina-Darstellerinnen sich melden sollen. „Da dachte ich, das muss ich machen. Ich bin die letzte vom Schaubild, die noch lebt“, sagt Frebel. Die Freude darüber, dass die 88-jährige, mittlerweile Ladeburgerin, sich meldete, freute Johanna Lüdecke, Mitglied des Vorstandes des Fördervereins Katharina II.

28 Prinzessinnen und Hofdamendarstellerinnen hatten sich am Sonntag in der Stadthalle versammelt. Zum Fototermin am Denkmal zogen sie die Blicke der Frühlingsspaziergänger auf sich. Ein Anblick, den man nicht sehr oft erlebt. „Es ist schön, wie viele Katharinas zusammengekommen sind. Viele Jahre habe ich einige nicht gesehen. Ich kann gar nicht glauben, dass das schon 25 Jahre her sein soll. Es ist toll zu sehen, was für großartige Frauen aus unseren Katharinas geworden sind. Ich freue mich, das so zu sehen“, sagte Johanna Lüdecke mit voller Freude.

Es folgte eine Stunde lang ein Rückblick mit vielen Erinnerungen, an viele Reisen, Ausstellungen, Feste und Einladungen, bei denen der Katharinaverein vor Ort war und natürlich immer mit einer Katharina-Darstellerin präsent.

Kontakte nach Puschkin

Kleine und große Höhepunkte waren die Gründung des Vereins 1992, die erste Nachstellung der Abreise von Katharina aus Zerbst nach Moskau 1994, 1993 die ersten Katharina-Festtage, eine Büste von Katharina als erstes Sammlungsstück aus Puschkin, die Kontakte nach Puschkin, die ersten Darstellungsräume 2012 im Schloss und die Einweihung des Katharina-Denkmals 2010. 2005 wurde gegen die Gebietsreform demonstriert, bei der Zerbst zum Jerichower Land hinzugefügt sollte. Dabei protestierte auch Katharina.

„Mit unseren Prinzessinnen und dem Hofstaat haben wir immer die Blicke auf uns gezogen. Mit Persönlichkeiten wie Katharina sie ist, kann man werben und auf sich aufmerksam machen“, stellte Johanna Lüdecke abschießend fest. Damit sollte Zerbst weiter machen. „Das bringt Wirtschaft nach Zerbst, das sollte man nicht vergessen“, betonte Johanna Lüdecke.