Lindau/Dessau l Wilhelm Uschmann hat seine Entscheidung zum Ausscheiden getroffen, nicht unbeachtet gesundheitlicher Gründe. Ein Nachfolger für den 63-Jährigen steht noch nicht fest. In seine Fußstapfen zu treten, wird nicht einfach sein.

Studium der Forstwirtschaft

Der gebürtige Loburger, der in Lindau wohnt, ist Forstmann mit Leib und Seele. Sein Abitur legte er 1974 in Wendgräben ab. In Tharandt studierte er Forstwirtschaft. Danach fing er direkt beim Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Zerbst in Nedlitz an. Dort war er ökonomischer Leiter. Kurz vor der Wende wurde er Oberförster in Lindau. Als nach der Wende der Forstbetrieb in Forstämter aufgeteilt wurde, übernahm er das Forstamt Lindau. Im Laufe der Zeit sollten weitere Strukturreformen folgen. Als das Forstamt Lindau aufgelöst wurde, übernahm Uschmann das Forstamt Nedlitz. Zeitweilig hatte er mit der kommissarischen Leitung vom Forstamt Hundeluft zwei Forstämter gleichzeitig zu führen.

Durchsetzungsvermögen

2006 wurde der Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt mit fünf Teilbetrieben gegründet – drei im Harz, einer in der Altmark und einer in Anhalt. Der Forstbetrieb Anhalt wurde seitdem von Wilhelm Uschmann geleitet. Eine enorme Herausforderung, zirka 36.000 Hektar Landeswald mit elf Revieren unter einen Hut zu bringen. Das ist ihm offensichtlich hervorragend gelungen. Denn: „Er hat es verstanden, uns durch seine direkte Art und sein Durchsetzungsvermögen zu einer guten Mannschaft zu formen“, sagen die Kollegen.  

Durch sein umfangreiches Fachwissen und seine Kompetenz hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass der Forstbetrieb Anhalt immer eine sichere Bank für den Landesbetrieb in Magdeburg zur positiven Ergebniserfüllung war. Für die Mitarbeiter war er Chef, Respektsperson und Kollege zugleich. Auch „per Du“ ging der Respekt nie verloren. Er hat viel verlangt von seinen Leuten, sie aber auch machen lassen. Selbständiges Arbeiten schätzte er. „Keine Kritik ist auch ein Lob“, war eines seiner Schlagwörter.

Bodenständiger Motivator

Er hat sich immer vor seine Mitarbeiter gestellt, war Motivator und hat mit Bodenständigkeit das Team geformt. Uschmann steht zu dem, was er sagt und ist sich immer treu geblieben. Elf Revierleiter – von der Glücksburger Heide, über die Mittlere Elbe bis in den Hohen Fläming – gehörten zu seiner Mannschaft, neun bis zehn Mitarbeiter in der Heideburg sowie zirka 35 Waldarbeiter.

Viele Unvorhersehbarkeiten mussten während seiner Dienstzeit in Dessau bewältigt werden. Da gab es 2007 den Sturm Kyrill, im vergangenen Jahr das Sturmtief Friederike und die Trockenheit mit den damit verbundenen Forstschutzproblemen. Der Arbeitsaufwand war teilweise so groß, dass man oft an seine Grenzen stieß. Der Forstdirektor bekam die Probleme in den Griff.

Geselligkeit

Bei aller Arbeit war es ihm aber immer wichtig, dass auch die Geselligkeit nicht zu kurz kommt. Jährliche Weihnachtsfeiern und Betriebsfahrten fanden statt, in kleineren Gruppen fuhr man zu Submissionen beziehungsweise Holzauktionen, runde Geburtstage wurden gemeinsam begangen. 

Von einem „guten Zusammenhalt“ sprechen die Kollegen, die ihrem Chef ganz herzlich Danke sagen wollen. Am Montag wird noch einmal zur Jagd geblasen, bevor am Donnerstag für Wilhelm Uschmann die letzten Urlaubstage vor dem Ruhestand beginnen. Als leidenschaftlicher Jäger wird er mit seinen Leuten verbunden bleiben. Außerdem ist er im Jagdbeirat und in der Prüfungskommission bei der Jagdausbildung tätig. Die Familie wird sich freuen, dass er für sie bald viel mehr Zeit haben wird.