Zerbst l „Wir wollen eine asphaltierte, staubfreie Straße, keinen Boulevard mit Grünstreifen und Begegnungsflächen“, bringt es Klaus Trömer auf den Punkt. Seit 24 Jahren wohne er in der Großen Wiese, wendet er sich an die Mitglieder des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses. Die ersten beiden Anläufe, die Straße in der Fohlenweide-Siedlung zu befestigen, seien aus Kostengründen abgelehnt worden, erinnert er und vermutet, dass auch der aktuelle dritte Anlauf scheitert.

Ein Großteil der Anwohner sei wie er älter als 70, einige alleinstehend. „Wofür soll ich mich verschulden?“, bezieht sich Klaus Trömer auf den hohen Erschließungsbeitrag von rund 12.000 Euro, den er zahlen müsste. Überhaupt fragt er sich, warum es sich nicht um einen grundhaften Ausbau handelt. In dem Falle würde die Beteiligung der anliegenden Grundstückseigentümer deutlich geringer ausfallen.

Staub, Dreck und Pfützen

Fakt ist, dass der Zustand der Großen Wiese mehr als unbefriedigend ist. Seit gut 20 Jahren, seit gekalkter Schotter aufgetragen wurde, „staubt es und Pfützen stehen“, beschreibt Udo Müller die Situation. „Jetzt haben wir den ständigen Dreck“, ärgert nicht nur er sich.

Um das Problem zu beheben, ließ die Stadtverwaltung mehrere Entwürfe zur Befestigung der Straße von einem Ingenieurbüro anfertigen. Vom Bitumenstreifen mit gepflasterter Gosse und einem Gehweg bis zur asphaltierten Fahrbahn mit mittig gesetzten Bäumen und Flächen zum Parken reichten die Gedankenspiele.

Zu hohe Kosten

„Ein Vorschlag hätte gereicht“, kommentiert Klaus Trömer die verschiedenen Varianten. Für die Kostenschätzung wurde von einer 4,75 Meter breiten Fahrbahn und einem Gehweg von zwei Metern Breite sowie dem Setzen einer Straßenbeleuchtung, dem Verlegen einer Regenentwässerung und einer Begrünung der Straße ausgegangen. Das führt Heike Krüger, Leiterin des Bau- und Liegenschaftsamtes, in der Ausschusssitzung aus.

Wie sie erläutert, sind zwei Bauabschnitte zu bilden, da die Fohlenweide die Große Wiese kreuzt. Diese Teilung wirkt sich ebenfalls auf die Höhe der finanziellen Beteiligung der Anlieger aus. So würden für den 170 Meter langen Abschnitt von der Marcellstraße bis zur Fohlenweide Gesamtkosten von rund 183.400 Euro anfallen, woraus sich ein Erschließungsbeitrag von 24 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche errechnet. Für das 30 Meter kürzere Stück von der Fohlenweide bis Worthen wären es nur 167.100 Euro und damit 15 Euro je Quadratmeter.

Anwohner gegen Erschließung

Die hohen Summen, die sich daraus für die Anwohner ergeben sind der Hauptgrund, weshalb sich die Mehrheit bei der Befragung durch die Verwaltung gegen die Befestigung der Großen Wiese ausgesprochen hat. Zugleich stellen einige wie Klaus Trömer in Frage, dass es sich tatsächlich um eine Erschließung handelt.

Das hingegen bestätigt Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD). „Es ist kein Ausbau“, betont er. „Wenn ein Straßenkörper erstmalig hergestellt wird, ist es eine Erschließung und 90 Prozent der Kosten sind auf die Anlieger umzulegen“, erläutert Marion Simon. Ob bereits Versorgungsleitungen vorhanden seien, spiele keine Rolle, bemerkt die für Beitragsangelegenheiten zuständige Verwaltungsmitarbeiterin.

Suche nach alternativer Lösung

Wie Dittmann hervorhebt, ist bislang keine Maßnahme gegen den Willen der zahlungspflichtigen Anwohner durchgeführt worden. Der Wunsch der Bürger wurde stets berücksichtigt. „Wir haben nicht vor, sinnlos Geld zu verbraten“, so der Rathauschef.

„Die Bürger sind generell dagegen, also müssen wir eine andere Lösung finden“, spielt Jürgen Borgsdorf (CDU) auf eine abgespeckte Variante zur Befestigung der Straße an. Er schlägt vor, die Anwohner noch einmal zu fragen, was konkret gewollt sei. Um einen Kompromiss zu finden, stimmt Lutz Voßfeldt (FDP) zu, dessen Ingenieurbüro die Entwürfe erarbeitet hatte. Doch nur Asphalt aufzutragen, sei nicht möglich. „Ein grundhafter Ausbau muss sein“, gibt der Fachmann zu bedenken.

Erneutes Gespräch mit Bürgern

Derweil schlägt Ausschussvorsitzender Helmut Seidler (Freie Fraktion Zerbst) vor, die Dinge stärker im Zusammenhang zu betrachten. Er greift damit den Hinweis von Stadtratsmitglied Dirk Tischmeier (AfD) auf, der als Gast an der Ausschusssitzung teilnimmt. Jener hatte den ebenfalls noch unbefestigten Abschnitt der Fohlenweide zwischen Hopfenbänke und Große Wiese angesprochen. „Was soll damit werden?“, wirft er einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein.

Abgeschlossen ist diese noch nicht. So soll im September erneut mit den Anwohnern der Großen Wiese über eine mögliche Befestigung der Straße gesprochen werden.