Zerbst l Ihren Wunsch für 2016 hat Ute van Tulden schnell formuliert. „Finanzielle Hilfe benötigen wir momentan am dringendsten“, erklärt die Leiterin der Zerbster Tafel mit Blick auf den gleichnamigen Verein, der ab 1. Januar offiziell die Trägerschaft über das Hilfsangebot von der Diakonie übernimmt. „Für die Bedürftigen ergibt sich dadurch keine Änderung“, sagt van Tulden. Allein die Sprechzeiten für die Anmeldungen sind neu und fortan immer mittwochs möglich.

Kindertafel seit 2007

Bereits Anfang Mai hatte sich eine Runde von zehn Personen entschlossen, den Tafel-Verein zu gründen. „Weitere Mitglieder werden nach wie vor gesucht“, bemerkt van Tulden. Sie selbst hat den Vorsitz übernommen. Als ihre Stellvertreterin agiert Birgit Brandtscheit, die sich – nach dem engagierten Aufbau der Zerbster Tafel – nun um deren bislang erfolgreichstes Projekt kümmert: die seit 2007 bestehende Kindertafel.

Und es gibt weitere Pläne. So ist angedacht, nachmittags einen sozialen Treffpunkt einzurichten, bei dem die Teilnehmer über ihre Probleme sprechen und ihre Erfahrungen austauschen können. Auch gemeinsame Aktivitäten wie beispielsweise das Kochen von Zerbster Gerichten oder das Backen in der Vorweihnachtszeit soll es geben. Ein Vorhaben, das Ute van Tulden besonders am Herzen liegt, ist die Einrichtung einer Suppenküche. Die Vorbereitungen laufen bereits. Allerdings wird sich die Eröffnung wohl in den März hinein verschieben. Ursprünglich war der Start gleich zu Beginn des neuen Jahres vorgesehen.

Große Herausforderungen

Das stellt den jungen Verein mit dem Wechsel der Trägerschaft vor eine große Herausforderung: „Wir müssen uns komplett selbst finanzieren, die Miete für die Räumlichkeiten und alles andere selbst aufbringen“, erläutert van Tulden. Umso mehr seien sie zukünftig auf die Unterstützung aus der Region angewiesen. „Man muss immer kämpfen“, schildert sie die Bemühungen, ausreichend Lebensmittel zur Verteilung zu erhalten.

Zumal die Zahl der Bedürftigen nicht abnimmt – im Gegenteil. Momentan führt van Tulden 145 Familien aus Zerbst und Umgebung in ihrer Statistik, das sind 217 Erwachsene und 86 Kinder. Hinzu kommen die in Zerbst und Nedlitz untergebrachten Asylbewerber, die ebenfalls versorgt werden. Dabei handelt es sich um durchschnittlich 45 Flüchtlingsfamilien, wie die Tafel-Leiterin erzählt.

Große Spende

Äußerst erfreulich war deshalb der Besuch von Andreas Steppuhn kurz vor Weihnachten. Denn der Landesvorsitzende der Tafeln in Sachsen-Anhalt kam nicht mit leeren Händen: Er überbrachte der Zerbster Tafel eine Spende der Vertriebsregion Ost des Rewe-Konzerns im Wert von rund 1500 Euro. So konnte Ute van Tulden Windeln, Zahnbürsten, Duschgel, Säfte und weitere dringend benötigte Waren entgegennehmen.

„Die Arbeit der Tafeln ist unerlässlich – gerade jetzt, wo viele in Not geratene Menschen aus dem Ausland nach Deutschland kommen und Hilfe suchen.“ Mit diesem Worten kommentierte Andreas Steppuhn das soziale Engagement des Lebensmittelhändlers, der bereits seit 1996 täglich hauptsächlich Frischeprodukte an die Tafeln abgibt. Die jetzige Sachspende an den sachsen-anhaltischen Landesverband, in dem 30 Tafeln mit über 100 Ausgabestellen vereint sind, belief sich übrigens auf mehr als 16 500 Euro.