Moritz l An den Kreuzungen auf der Bundesstraße 184 herrscht in der Regel Tempo 70. So ist es auch in Anhalt-Bitterfeld. Bis auf eine Ausnahme. Am Abzweig nach Töppel gibt es keine Temporeduzierung. An der nicht ausgebauten Kreuzung hält das Straßenverkehrsamt des Landkreises dies für entbehrlich.

Auf Ursachensuche

„Ich habe immer einen Horror, wenn ich die Kreuzung benutze“, sagt der Moritzer Ortsbürgermeister Thomas Wenzel. Oftmals fahre er deshalb früher von der Bundesstraße ab und benutze einen Feldweg, schildert er. „Ich weiß von einigen Bürgern aus Töppel, dass sie es ebenso machen.“ Ein andere Möglichkeit wäre, die ausgebaute Kreuzung nach Moritz zu nehmen. Hier gibt es Abbiegerspuren und die Kreuzung ist auf 70 Stundenkilometer reduziert.

„Ich habe an der Kreuzung Töppel immer Angst, dass mir ein nachfolgender Wagen auffährt. Die Kreuzung ist schlecht zu erkennen, vor allem von Autofahrern, die selten die Strecke benutzen“, sagt Thomas Wenzel. Unangenehm empfinde er zudem die Situation, wenn er aus Töppel über die Kreuzung auf die Bundesstraße fahre. Gefühlt liege die Bundesstraße deutlich höher und sei schlecht einsehbar, schildert er seine Erlebnisse.

Doch warum sind zwei dicht hintereinander liegende Kreuzungen auf der Bundesstraße 184 so unterschiedlich ausgeschildert? Die zuständige Kreisverwaltung gibt darauf eine Antwort: „Bei den genannten Knotenpunkten handelt es sich um völlig unterschiedliche Örtlichkeiten. Im Gegensatz zum dreiarmigen Knoten Töppel ist der Knoten Moritz vierarmig ausgebaut und verfügt zudem über mehrere Abbiegespuren. Diese Voraussetzungen machen ihn unübersichtlicher und gefährlicher“, teilt Kreissprecher Udo Pawelczyk mit.

Unterschiedlich beschildert

Doch an beiden Kreuzungen biegen Fahrzeuge ab und fahren auf die Bundesstraße. Damit erfüllen beide Kreuzungen die gleiche Funktion und sind dennoch unterschiedlich beschildert. Welche Ursache gibt es dafür? „Bundesstraßen dienen dem überörtlichen Verkehr und sollen diesen zügig und möglichst ohne Beschränkungen tragen. Nach der Gesetzgebung kann der Gemeingebrauch nur dann beschränkt werden, wenn dies wegen des baulichen Zustandes, zur Vermeidung außerordentlicher Schäden an der Straße oder für die Sicherheit oder Leichtigkeit des Verkehrs notwendig ist. Laut Straßenverkehrsordnung sollen Geschwindigkeitsbeschränkungen aus Sicherheitsgründen nur dann angeordnet werden, wenn Unfalluntersuchungen ergeben haben, dass häufig geschwindigkeitsbedingte Unfälle aufgetreten sind“, teilt die Kreisverwaltung weiter mit. In den vergangenen fünf Jahren habe es fünf Unfälle an der Moritzer und nur einen Unfall an der Kreuzung nach Töppel gegeben, hat zudem die Abfrage bei der Polizei ergeben, teilt die Kreisverwaltung mit.

Die Einschätzung der Geschwindigkeit der Fahrzeuge auf der Bundesstraße ist mitunter für die wartenden Fahrer schwierig. Wäre aus diesem Grund eine Reduzierung des Tempos an beiden Kreuzungen gleichermaßen nicht sinnvoll? „Die aufgeführte Unterschätzung der Geschwindigkeit kann aus hiesiger Sicht viel eher am Knoten Moritz auftreten. Am Knoten Töppel wissen die ausfahrenden Verkehrsteilnehmer, dass auf Bundesstraßen 100 km/h erlaubt sind. Hier muss demnach auch mit 100 km/h gerechnet werden.

Überhöhte Geschwindigkeit

Am Knoten Moritz rechnen ortskundige Kraftfahrer mit den angeordneten 70 km/h. Allerdings kommt es häufig vor, dass Verkehrsteilnehmer gegen diese Regelung verstoßen und den Knotenpunkt mit überhöhter Geschwindigkeit anfahren, was Ausfahrende schnell unterschätzen können“, meinen die Fachleute in der Kreisverwaltung.

Deshalb wird es weiterhin an zwei aufeinanderfolgenden Kreuzungen auf der Bundesstraße 184 zwei unterschiedliche Beschilderungen geben. Das mulmige Gefühl bleibe aber bestehen, sagt der Moritzer Ortsbürgermeister Thomas Wenzel. Er werde die Kreuzung weiter nur sehr ungern nutzen, kündigt er an. Lieber fahre er einen Umweg.