Zerbst. „Das ist eine Sauerei“, schimpft Andreas Gensch. Der Zerbster ist wütend. Denn irgendjemand hat seinen elektrischen Rollstuhl gestohlen, mit dem er wendig und bequem in jede Ecke der Wohnung gelangen konnte. „Ich bin darauf angewiesen“, kann er absolut nicht verstehen, wie man so etwas tun kann. Andreas Gensch leidet unter Multipler Sklerose (MS). Die Krankheit zwingt ihn seit über zehn Jahren in den Rollstuhl. „Jetzt kann ich nicht mal die Tür öffnen, wenn ich allein bin. Nun bin ich komplett von meiner Frau abhängig“, sagt er.

„Das ist unvorstellbar“, kann auch Karola Gensch nicht nachvollziehen, wie jemand einen Rollstuhl klauen kann. „Hier ist noch nie was weggekommen“, sagt sie. So machte sie sich auch keine Gedanken, als sie den elektrischen Rollstuhl am Donnerstagabend wie gewohnt in dem Wohnblock auf der Neuen Brücke auf den Hausflur zum Aufladen stellte.

 „Das Ladegerät ist so laut, deshalb laden wir den Rollstuhl draußen auf“, sagt Karola Gensch. Da es diesmal allerdings schon so spät war, ließ sie ihn über Nacht dort stehen. Am nächsten Morgen dann der Schock. Als Karola Gensch gegen 7.15 Uhr rausschaute, war der Rollstuhl weg. „Ich hab’ gedacht, ich träume irgendwie“, traut sie zunächst ihren Augen nicht.

Kopfschütteln über unverständliche Tat

Doch der Rollstuhl ist verschwunden. „Was wollen die Diebe damit?“, fragt sich Andreas Gensch. Sobald der Akku leer sei, bewege sich der Rollstuhl nicht mehr. Denn für jedes Modell gebe es ein anderes Ladegerät, erläutern die Beiden. „Es ist schlimm, dass man mit jemanden, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, sowas macht“, schüttelt Karola Gensch den Kopf.

Ein Jahr habe es gedauert, dass Andreas Gensch den speziell auf ihn angepassten Wohnungsrollstuhl bekommen hat. Finanziert von der Krankenkasse, also bezahlt von der Allgemeinheit, wie Karola Gensch bemerkt. Rund 5100 Euro ist er wert. Umso dreister empfindet sie den Diebstahl. Vorerst bleibt Andreas Gensch nur der Handrollstuhl, den seine ebenfalls an MS erkrankte Frau schieben muss. Bis er einen neuen Elektrorollstuhl für die Wohnung kriegt, wird’s wohl dauern, vermutet das Paar.

Wer kann Hinweise geben?

Bei der Polizei haben sie sofort Anzeige erstattet. Diese ist nun auf der Suche nach Personen, die sachdienliche Hinweise zur Aufklärung der Tat beziehungsweise zum Verbleib des Rollstuhles geben können. Diese werden gebeten, sich im Zerbster Revierkommissariat auf der Heide zu melden, das telefonisch unter (03923) 716-0 zu erreichen ist. Es ist auch möglich, eine E-Mail an efst.prev-abi@polizei.sachsen-anhalt.de zu schicken.