Italien dreht sich seit Wochen politisch im Kreis. Erst können sich die Parteien nicht auf einen Premierminister einigen, dann findet sich ewig keine Mehrheit für einen Präsidentschaftskandidaten. Die Feindschaft zwischen den Lagern ist groß. Das bekam Romano Prodi gestern Abend zu spüren, als er bei der Präsidentenwahl durchfiel.

Dabei scheint er noch am ehesten befähigt, Impulse für eine Krisenbewältigung zu geben. Als ehemaliger Ministerpräsident und früherer Chef der EU-Kommission hat er einen Erfahrungsschatz wie kaum ein zweiter Kandidat für die Nachfolge von Giorgio Napolitano. Zudem ist er unbescholten, was persönliche Vorteilsnahme anbetrifft.

Italien ist im Zuge der Eurokrise zurückgefallen in die übelsten Zeiten der Entscheidungslosigkeit. Rechts und Links blockieren sich gegenseitig. Ein neuer Präsident muss versuchen, Brücken zu schlagen. Gelingt das nicht, sind die zweiten Wahlen in diesem Jahr fällig.