An Anstand gebrach es also Grünen und Sozialdemokraten im Umgang mit Horst Köhler, der bis Ende Mai Bundespräsident war. So geißelte Parteichefin Angela Merkel von der Tribüne des CDU-Parteitages die politische Konkurrenz.

Grüne und Sozialdemokraten waren im Mai über Köhler hergefallen, nachdem er mit Blick auf Afghanistan gesagt hatte, dass ein auf Außenhandel orientiertes Land wie Deutschland freie Handelswege braucht und daran interessiert sein muss, regionale Instabilitäten im Notfall auch militärisch zu verhindern. Da schienen viele der Kritiker ihr Votum für den Afghanistan-Einsatz vergessen zu haben, wo doch auch Deutschland verteidigt werde. Vergessen wohl auch das sicherheitspolitische Weißbuch der schwarz-roten Bundesregierung von 2006, in dem auch das aufgeschrieben war, was Köhler am 22. Mai gesagt hatte. Insofern trifft Merkels Kritik. Sie hat aber einen Beiklang. Und der ist (ungewollte) Selbstgeißelung. Oder hat die Kanzlerin dem damaligen Bundespräsidenten in dieser Lage öffentlich beigestanden? (Politik)