Die Wirtschaftskrise ist an den Bauern in Deutschland nicht spurlos vorbeigegangen – aber sie hoffen auf Besserung. Die Einkommen sind im jüngsten Wirtschaftsjahr erneut gesunken. Nun soll es aufwärts gehen.

Berlin (dpa). Die Bauern rechnen mit einem Aufschwung – nach einem weiteren wirtschaftlichen Einbruch. Das Durchschnittseinkommen sank im Wirtschaftsjahr 2009/10 auf 22 000 Euro – nach 23 700 Euro zuvor. Am höchsten war der Gewinn der Schweinehalter, am geringsten der Gewinn der Rindermäster und der Futterbauern.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner blickte gestern nach vorn: "Insgesamt werden sich die Einkommen aber deutlich erholen", sagte er. "Die Sonne scheint wieder." Für das laufende Wirtschaftsjahr rechnet er mit einem Einkommensplus im niedrigen zweistelligen Bereich. Für Rückenwind sorgen die Exporte, die auf einen neuen Rekord zusteuern.

Von Juli 2009 bis Juni 2010 hat sich das Einkommen der rund 335 000 Betriebe um sieben Prozent verschlechtert, nachdem sie im Jahr zuvor schon ein Minus von 25 Prozent verkraften mussten. Die kräftigsten Einbußen gab es bei den Ackerbauern: Das Ergebnis pro Hof sank um 22 Prozent auf 32 300 Euro. Bei Öko-Betrieben brach das Ergebnis um 15 Prozent auf 39 000 Euro ein. Die Milchbauern machten dagegen ein Plus von zwei Prozent und kamen auf durchschnittlich 30 300 Euro.

Auf fast allen Agrarmärkten hätten sich die Preise im Laufe des Jahres spürbar verbessert, sagte Sonnleitner. "Wir erwarten, dass die Preise sich auch nach wie vor positiv in der zweiten Hälfte des Wirtschaftsjahres entwickeln." Die Lage der Milchbauern entspanne sich. Der Preis der Molkereien für die Milchbauern lag im Oktober bei 32,6 Cent pro Liter – fast zehn Cent mehr als im Vorjahr.

Trotz der Wirtschaftskrise haben nach Angaben des Bauernverbands insgesamt weniger Höfe als sonst aufgegeben. Die Bauern wollen kräftig investieren: Sieben Milliarden Euro im kommenden halben Jahr, vor allem in Bioenergie. Die Agrarexporte boomen. Von Januar bis September stiegen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf rund 37,8 Milliarden Euro, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium mit. Hochgerechnet könne dies zu einem Jahresergebnis von bis zu 52 Milliarden Euro führen. Damit werde der Exportrekord von 2008 übertroffen. Besonders floriert der Export von Milchprodukten: Der Ausfuhrwert stieg um fast 20 Prozent auf rund 5,5 Milliarden Euro. Die Exporte nach Russland, dem wichtigsten Nicht-EU-Staat, legten um 30 Prozent zu.

EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos will Milchbauern die Gründung überregionaler Kartelle erlauben. Das wird er voraussichtlich heute vorschlagen. "Das ist schon der richtige Schlüssel, nur in Deutschland haben wir den bereits", sagte Sonnleitner. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, ein Zusammenschluss kleinerer Höfe, kritisierte: Wie sollten die Milchbauern in der EU ein "Kartell" bilden, wenn sie höchstens drei Prozent der Milchmenge in einer Erzeugergemeinschaft bündeln dürften?

Sonnleitner verteidigte die direkten Beihilfen aus Brüssel als notwendig zum Ausgleich für Umweltmaßnahmen. Sie machten im Durchschnitt knapp 70 Prozent vom Ergebnis pro Betrieb aus. Der Bauernpräsident warnte die EU-Kommission bei der Agrarreform nach 2013 vor einer Schlechterstellung großer Betriebe in Ostdeutschland und von Nebenerwerbslandwirten im Süden und Südwesten.

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