Berlin (dpa). Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) strebt bei der Deutschen Bahn eine Beschäftigungssicherung unter neuen Vorzeichen an. In einem neuen Tarifvertrag werde es "weniger um Arbeitsplatzverlust durch Rationalisierung gehen", sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner der Nachrichtenagentur dpa. Vielmehr müssten Lösungen für eine älter werdende Arbeitnehmerschaft gefunden werden, also für lebenslanges Lernen, Altersteilzeit oder gesundheitliche Einschränkungen.

Der geltende Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung läuft zum 31. Dezember aus. Allerdings hat der Vertrag noch eine Nachwirkung von einem Jahr, das heißt der Schutz inländischer Mitarbeiter vor betriebsbedingten Kündigungen gilt noch bis Ende 2011. Die Beschäftigten verzichten dafür seit 2005 auf Geld und einen Urlaubstag. Das entspricht insgesamt einem Abschlag von 5,5 Prozent.

Künftig solle diese Senkung der Arbeitskosten nach Vorstellung des Arbeitgebers noch 2,5 Prozent betragen, berichtete Kirchner aus den Verhandlungen mit der Bahn. Dies werde die EVG aber nicht "ohne eine klare Gegenleistung" akzeptieren. Die Tarifkommission plädiere außerdem dafür, über die neue Beschäftigungssicherung unabhängig von dem geplanten Branchentarifvertrag zu verhandeln.

Die Einigung auf einen solchen Vertrag soll in einem Schlichtungsverfahren gefunden werden, das seit Anfang Dezember unter Leitung des SPD-Politikers Peter Struck läuft. Daran nehmen die EVG auf der einen Seite und die Deutsche Bahn sowie sechs große Privatbahnen auf der anderen Seite teil. Die Gewerkschaft will eine möglichst einheitliche Bezahlung bei allen Anbietern von regionalem Bahnverkehr durchsetzen. Kirchner sagte, auf allen Seiten sei der Wille zu einem Kompromiss erkennbar. Er rechne jedoch nicht mit einer Einigung noch bis Jahresende, so wie es eigentlich vereinbart war. "Ich gehe davon aus, dass wir verlängern werden müssen."