Spremberg (dpa) l Zu DDR-Zeiten stand hier eine der größten Dreckschleudern des Landes. Heute werden am Industrie- standort Schwarze Pumpe (Brandenburg) zwar immer noch Briketts aus Braunkohle gepresst, aber ohne die einstmals horrende Belastung der Umwelt. Drei Fabriken produzierten bis zur Auflösung des Gaskombinats 1990 jährlich zehn Millionen Tonnen Briketts.

Seit dem Abriss zweier Anlagen liefert der Energiekonzern Vattenfall nur noch aus der 1963 erbauten Brikettfabrik Mitte an der Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen pro Jahr rund zwei Millionen Tonnen Trockenkohle, darunter Briketts sowie Kohlestaub für Kraftwerke und die Industrie. Das Jubiläum der Fabrik soll am Freitag auf einem Unternehmertag gefeiert werden.

An dem Lausitzer Standort wurden 2012 nach Angaben des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins (DEBRIV) 686000 Tonnen Briketts gepresst. Zum Vergleich: Die Anlagen im Rheinland produzierten im selben Jahr 1,2 Millionen Tonnen und die zweite ostdeutsche Brikettfabrik in Deuben (Sachsen-Anhalt) 56000 Tonnen.

"Zu DDR-Zeiten wurde mit den Briketts im Kombinat Schwarze Pumpe Koks und Stadtgas erzeugt, außerdem waren sie begehrt als Hausbrand für die Bevölkerung", sagt der Leiter der Brikettfabrik Mitte, Gerd Sieling. Der Grund: "Briketts waren neben Stadtgas der wichtigste Brennstoff. Denn die Strategie der DDR-Führung zielte darauf ab, sich angesichts knapper Devisen von Rohstoffimporten aus dem Westen unabhängig zu machen."

Die Braunkohle kam damals aus den Lausitzer Tagebauen Welzow-Süd, Nochten, Spreetal, Scheibe und Burghammer. Der Rohstoff wurde neben den drei Brikettfabriken im Gaswerk, in drei Kraftwerken und einer Kokerei verarbeitet. Rund 15000 Menschen waren im Gaskombinat beschäftigt, davon etwa ein Fünftel in der Brikettproduktion. Jetzt stellen noch rund 230 Vattenfall-Beschäftigte die Trockenkohle her. Im 800 Hektar großen Industriepark Schwarze Pumpe sind etwa 100 Firmen mit 4400 Mitarbeitern tätig. Viele Unternehmen siedelten sich an, zum Beispiel eine Papierfabrik.

Eine der größten Dreckschleudern

Sieling kann sich gut an die Folgen der damals einseitigen Ausrichtung des Kombinates auf Kohle für die Umwelt erinnern: "In den drei Brikettfabriken gab es zwar schon Entstaubungsanlagen. Aber die Technik veraltete immer mehr, und wegen der Dauerbelastung waren die Emissionen von Staub, Abgasen und Lärm sehr hoch."

Das Gaskombinat galt neben der Großkokerei in Lauchhammer als größte Dreckschleuder der DDR. Sieling: "Die Windrichtung war entscheidend für das Wohlbefinden der Anwohner." Mit dem Abriss fast aller Altanlagen auf dem Industriegelände verringerte sich auch die Umweltbelastung drastisch. Der Dampf für die Brikettpressen kommt seit 1998 vom Vattenfall-Großkraftwerk Schwarze Pumpe, dessen Grundstein vor 20 Jahren gelegt wurde.

Die in den 1990er Jahren mit Millionen-Investitionen modernisierte Brikettfabrik Mitte verzeichnet derzeit einen stabilen Absatz von Briketts der Marke "Rekord". "Etwa 50 Prozent der Produktion liefern wir verpackt an Baumärkte und Discounter. Ein Teil geht in loser Form an ländliche Haushalte und der Rest in den Export", berichtet Sieling. Die Fabrik versorgt zudem das Cottbuser Heizkraftwerk mit grobkörniger Wirbelschichtkohle.