Letzlingen l Es ist beinahe 22 Uhr, aber in der Feuerwehr brennt noch Licht. Das Einsatzauto steht wie gewöhnlich in der Einfahrt, doch aus der oberen Etage ist Musik zu hören. Jeden Donnerstag treffen sich die Mitglieder des Musikzuges im Versammlungsraum, um an Liedern zu feilen. "Das machen wir schon seit 50 Jahren", sagt Gerd Girmann und wirft vor dem nächsten Lied noch mal einen Blick auf seine Noten.

Die Idee zur Gründung des Feuerwehrmusikzuges war damals durch Hans Meinig entstanden, als ein Festumzug in Letzlingen nur von einem Akkordeonspieler begleitet wurde. Schnell wurde das Vorhaben umgesetzt und die Zahl der begeisterten Mitstreiter kletterte in kurzer Zeit auf 30.

Gilt auch beim Blasorchester: "Ohne Fleiß kein Preis"

"Sie wollten alle schnell blasen, aber das klappte nicht so" erinnert sich Trompeter Gerd Girmann. Auch in der Blaskapelle bewahrheitete sich wieder einmal der Spruch "Ohne Fleiß kein Preis".

Denn: "Wenn man den richtigen Ansatz haben will, muss man auch ein bisschen üben", sagt der 80-jährige Helmut Hasewinkel. Das hat er in den zurückliegenden 50 Jahren natürlich getan und beherrscht sein goldenes Tenorhorn immer noch sehr gut.

Noten lesen können alle Bläser inzwischen sehr gut, doch das war nicht immer so. Gerade in den Anfangsjahren hatten die Hobbymusiker damit Probleme. Abhilfe schaffte Fritz Wiebeck aus Gardelegen. Er war der erste Leiter des Musikzuges in Letzlingen. Zunächst widmeten sich seine Schüler dem Blasen von Chorälen, später spielten sie auch Tonleitern. Aus gesundheitlichen Gründen des Gardelegers mussten die Musiker Kapellmeister Wiebeck zu den Proben immer abholen, natürlich standesgemäß mit dem Feuerwehrauto.

Als Wiebeck schließlich ausschied, übernahm der ehemalige Lehrer Hartmut Behrens die Kapelle. Nach seinem Tod übernahm Gerd Girmann vor etwa 20 Jahren die Führungsrolle und hat die Truppe bis heute zusammengehalten. Von den einst bis zu 30 Mitstreitern sind jedoch nur noch acht übriggeblieben. Mit Ausnahme seines Sohnes Klaus Girmann (49, Trompete), der vor zehn Jahren mit Torsten Nethert (50, Pauke) in den Musikzug einstieg, sind alle Mitglieder mindestens 80 Jahre alt. "Irgendwann ist eben auch mal Schluss", sagt Gerd Girmann und packt nach zwei Stunden Probe seine Trompete ein, wahrscheinlich das letzte Mal.

50 Jahre Musikzug am 18. Mai mit großem Abschied

Am 30. April sind die Bläser jedoch noch einmal zu erleben. Dann nehmen sie wieder auf dem Traktoranhänger Platz, der von Karl Friedrich Lautenschläger gefahren wird, und begleiten den Festumzug musikalisch. Die Strecke geht vom Marktplatz über die Klosterstraße und Siedlungsstraße wieder über die Bahnhofstraße zum Gerätehaus zurück. Start ist um 19.30 Uhr. "Wir spielen Märsche, Volkslieder und Stücke, die eigentlich jeder kennt", sagt Fritz Schulz (71). Auch für ihn ist der musikalische Ruhestand nicht so leicht, aber er sieht auch keine andere Möglichkeit. Am 18. Mai werden die Bläser zum 50. Geburtstag des Musikzuges in Letzlingen offiziell verabschiedet.