An der Lessing-Sekundarschule in Salzwedel fehlen Lehrer. Das verpflichtende Ganztagsangebot ist deshalb in den ersten beiden Monaten des neuen Schuljahres nicht aufrechtzuerhalten. An anderen Schulen im Kreis ist die Situation nicht ganz so extrem, aber auch nicht entspannt.

Salzwedel/Gardelegen/Dähre l Voraussichtlich erst nach den Oktoberferien kann die Lessing-Sekundarschule Salzwedel ihr gebundenes Ganztagsangebot wieder anbieten. Das bedeutet, dass für die Schüler der 5. bis 7. Klassen verpflichtend jeweils montags, mittwochs und donnerstags bis 15.20 Uhr Nachmittagsangebote stattfinden. Sie reichen von Nachhilfe über verschiedenste Sportarten, Tanz, Theater bis zum Töpfern. "Und sie sind für die Schüler ganz wichtig", wie Schulleiter Holger Lahne einschätzt. Die Arbeitsgemeinschaften und anderen außerschulischen Angebote fördern Kreativität, Gemeinsinn, Selbstbewusstsein, regen dazu an, sich mit verschiedenen Dingen auseinander zu setzen. Sie erfordern aber auch ausreichend Lehrerstunden. Doch an der Lessingschule sind zwei Stellen momentan offen. Eine kann zu Ende September besetzt werden. Die andere ist noch vakant. Es wird auf Bewerber gehofft. Doch augenscheinlich ist der Norden Sachsen-Anhalts nicht attraktiv genug.

"Wir haben in der Altmark und speziell in Salzwedel ein Problem, Lehrer zu finden", sagt der Schulleiter. Und das nicht nur kurzfristig. Denn 2014 verlassen zwei weitere Lehrerinnen altersbedingt die Lessingschule. So war es auch in diesem Jahr. Deshalb habe er bereits im März beim Kultusministerium Bedarf angemeldet. Damals waren es 110 Wochenstunden, die planerisch fehlten. Auch weil andere Schulen bisher Lehrer an die Lessingschule abgeordnet haben, um das Ganztagsangebot sicherzustellen. Das sei nun bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr möglich und eigentlich auch nicht wünschenswert, weil es den Schulalltag sowohl auf Seiten der abgeordneten Lehrer als auch der Schüler erschwere.

"Trotzdem musste ich feststellen, dass unsere Schule bei der ersten Ausschreibung gar nicht berücksichtigt war", beschreibt der Schulleiter. Erst im Mai seien die drei erforderlichen Stellen ausgeschrieben worden.

Nur eine neue Kollegin hat pünktlich zum neuen Schuljahr begonnen. "Ich möchte die Eltern bitten, wenn es möglich ist, ihre Kinder vorerst von der Ganztagsbetreuung auszunehmen", sagte Lahne. Es sei momentan auch kein verpflichtendes sondern ein offenes Angebot. Nur zwei Drittel der Jungen und Mädchen, die ab morgen die 5. bis 7. Klassen besuchen können es nutzen. Lahne: "Und falls es Lehrer gibt, die gern hier unterrichten möchten sind sie herzlich willkommen, sie können sich hier oder gleich im Ministerium melden."

Es tue ihm sehr leid, dass es so gekommen ist. "Die Eltern verlassen sich ja auch darauf. Zudem fühlen wir uns um unser Werk, das wir zehn Jahre lang aufgebaut haben, und das sich etabliert hat, irgendwie betrogen", erklärte er.

An der Comenius-Ganztagsschule in Salzwedel sieht es etwas besser aus. "Wir können unser offenes Angebot mit den uns zur Verfügung stehenden Stunden absichern", sagte Schulleiter Norbert Hundt. Allerdings gebe es auch an seiner Schule keine 100-prozentige Versorgung mit Lehrerstellen. "Die Altmark ist eine Problemregion. Wenn es so bleibt, wird es regional betrachtet kritisch", schätzte er ein.

Das Jahngymnasium Salzwedel könne aktuell seine "Stundentafel abdecken", wie Schuleiter Rainer Aschmann erklärte. Das bedeute aber nicht, dass es so bleibe, denn Reserven für Ausfälle, wie Krankheit, Fortbildung oder Projekte gebe es auch dort nicht. "Auch wir sind nicht 100-prozentig glücklich", so der Schulleiter.

In der Sekundarschule Dähre würden auf dem Papier nur 1,5 Stunden fehlen, sagt Schulleiter Hans-Albert Schulz. Allerdings wisse er noch nicht genau, was wirklich im neuen Schuljahr passiere. Denn fast alle Kolleginnen, die Teilzeit beantragt haben, hätten diese nicht genehmigt bekommen und würden jetzt über Klagen nachdenken. Wann darüber entschieden werde, sei offen. "Wir können alle Fächer abdecken, aber nicht immer mit Fachkräften, sondern mit Kollegen, die bereit sind, diese Aufgaben zu übernehmen, fügt er hinzu. Hans-Albert Schulz rechnet mit 182 Schülern, die ab morgen in Dähre lernen werden.

An der Ganztagsschule Karl-Marx in Gardelegen sei die pädagogische Versorgung mit 30 Lehrern und zwei Gastlehrern ausreichend, hatte Schulleiter Horst-Dieter Radtke kürzlich erklärt. Allerdings fehlen in den Bereichen Wirtschaft, Technik und Hauswirtschaft Fachlehrer.

 

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