Klietznick/Jerichow l "Ich glaube, heute werden mehr Augen in die Eimer hineinschauen als heraus", meinte Sven Königsmark, Vorsitzender des NABU Kreisverbands Jerichower Land, bei der Begrüßung der etwa zwanzig Naturfreunde einschließlich etlicher Kinder, die sich zur Krötenzaun-Exkursion am Beobachtungsturm bei Klietznick eingefunden hatten. Und er behielt mehr als Recht: Keine einzige Kröte, kein einziger Frosch war an diesem relativ kalten Morgen in den Eimern zu finden. Das hat es bei einem solchen Termin noch nie gegeben.

Noch einige Tage zurvor dagegen hatten die Helfer das Einsammeln kaum geschafft. Bis zu 2 000 und mehr Tiere waren es an Spitzentagen, am Sonntag vor einer Woche sogar nochmal 1 300 Tiere beim zweiten Absammeln am Nachmittag.

Das wird hier in der Regel nicht gemacht, weil die Frösche und Kröten überwiegend nachts wandern, weniger am Tage, wenn sie der Sonne ausgesetzt sind. Für jenen Sonntag hatte sich jedoch eine Frau aus dem Raum Klietz mit zwei Kindern bei Sven Königsmark angemeldet, einmal nachmittags zum Sammeln kommen zu wollen. Zufällig sei er von der Arbeit vorbei gekommen, als sie gerade da war, und wurde mit einem "Stoßseufzer" begrüßt: Endlich naht Hilfe! Denn für einen Neuling sind 1 300 Tiere schon eine beachtliche Herausforderung.

"Ich denke, der Hauptteil der Wanderung ist passiert", meinte Königsmark nun. Der Zaun wird aber noch bis in den Mai hinein stehen bleiben, denn wenn die Temperaturen wieder klettern, werden doch noch etliche Nachzügler zu erwarten sein. Diese Woche ist das Einsammeln noch abgesichert, für die nächste Woche aber wären zusätzliche Helfer willkommen.

Etwa zehn Helfer haben sich die Sammeltage bisher untereinander aufgeteilt. Einige, die nicht mehr dabei sein können, fehlen nun sehr. Immerhin besteht Aussicht auf weitere Hilfe für später: "Wenn ich Rentnerin bin, mache ich es!" sagte eine der Besucherinnen.

Aus Parey, Güsen, Ferchland, Derben, Genthin, Brettin und Mangelsdorf kamen die Naturfreunde an diesem Tag. Verärgert wegen nicht vorhandener Kröten hat keiner reagiert. Es wurde eben ein kleiner Spaziergang am Zaun entlang, bei dem manche Frage beantwortet und manches Erlebnis berichtet werden konnten. Und die Kinder hatten auch so ihren Spaß.

Wenn auch jetzt noch keine genauen Zahlen vorgelegt werden konnten, weil die Listen der verschiedenen Helfer noch nicht zusammengefasst wurden, so steht doch schon fest: Der Rekord des vergangenen Jahres von über 16 000 Tieren wird nicht wieder erreicht. Aber das ist auch kein Problem für den Fortbestand der Arten, denn die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr - vor allem wetterbedingt - erheblich. Ohne den Schutzzaun und die Helfer jedoch würde der größte Teil der Tiere sein Laichgewässer gar nicht erreichen, sondern Opfer des Straßenverkehrs werden.

Wer beim Tiere-Einsammeln helfen will, kann sich bei Sven Königsmark melden, Telefon (03 93 49) 5 03 80 oder per E-Mail: sven.koenigsmark@web.de