Für die Berßeler Einwohne wäre es sicher das schönste Weihnachtsgeschenk gewesen, wenn der Hochwasserschutz jetzt schon fertiggestellt wäre. Es klappt aber erst 2012. Auch die Osterwiecker können dann ruhiger schlafen.

Berßel/Osterwieck l Im Sommer 2012 jährt sich zum zehnten Mal die letzte Ilse-Flut, die Berßel und Teile Osterwiecks unter Wasser setzte. Seitdem kämpfen vor allem die Berßeler energisch um eine Hochwasserschutzanlage für ihren Ort. Im Februar dieses Jahres setzte Sachsen-Anhalts Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens bei einem Gespräch mit Berßeler Einwohnern ein Zeichen und ließ wenige Tage später vorbereitende Arbeiten ausführen.

Den Beginn der eigentlichen Baumaßnahme kündigte er für das zweite Halbjahr an, aber unter dem Vorbehalt, dass zuvor das nötige Planfeststellungsvorhaben abgeschlossen sein müsse. Aeikens damals geäußerte Hoffnung, dass das im zweiten Quartal gelingt, erfüllte sich allerdings nicht. "Seit Ende November 2011 liegt nunmehr der Planfeststellungsbeschluss klagefest vor. Zurzeit wird das Vergabeverfahren vorbereitet mit dem Ziel, im April 2012 mit der Bauausführung zu beginnen und auch im Jahr 2012 abzuschließen", teilte seine stellvertretende Pressesprecherin, Jeanette Tandel, in dieser Woche auf Volksstimme-Anfrage mit.

Dass die Berßeler so lange auf ihren Hochwasserschutz warten müssen, dazu hätten auch umfangreiche illegale Ablagerungen von teils belasteten Erdstoffen auf der für den Deichbau vorgesehenen Trasse beigetragen. Diese "führten zu einem erheblichen zusätzlichen Aufwand an Untersuchungen des Bodenmaterials und Beratungen zur weiteren Vorgehensweise", erläuterte Tandel.

750 Meter langer Deiche fertig

Dafür hat das Land aber einige hundert Meter flussabwärts hinter Berßel ein größeres Vorhaben zum Hochwasserschutz von Osterwieck abgeschlossen. Entlang der Landesstraße zwischen beiden Orten wurde ein 750 Meter langer Deich aufgetürmt. Nach vier Monaten Bauzeit wurde das Vorhaben im Spätherbst beendet. Kostenpunkt: rund 300 000 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Für den Deich wurden 15 000 Kubikmeter Boden geliefert. Anschließend wurden 1000 Quadratmeter Fläche als Deichschutzstreifen mit Büschen bepflanzt.

Ein Schwachpunkt bei früheren Ilse-Hochwassern war hier vor allem der Bereich am Bahnübergang zwischen beiden Orten. Von dort floss das übergetretene Ilse-Wasser über Straßengräben unkontrolliert in die Osterwiecker Altstadt.

Altes Wehr wird abgerissen

Neben Berßel steht noch ein Vorhaben in Osterwieck aus. Das "Großes Schütt" genannte Schütz am Sommerbad wird dabei ab- gerissen. Diese Anlage muss bisher bei Hochwassergefahr durch Personal hochgezogen werden, was, wie die Vergangenheit zeigte, nicht immer reibungslos klappte.

Das Gefälle der Ilse vor und hinter dem Schütz wird an dieser Stelle künftig durch eine sogenannte Sohlgleite ausgeglichen. Alle paar Meter werden jeweils um 15 bis 20 Zentimeter tiefer gesetzte Schwellen eingebaut, damit entsteht eine Art Treppe. Diese Treppe soll als positiven Nebeneffekt auch den Fischen zugute kommen. Diese können somit künftig flussaufwärts schwimmen, da in der Vergangenheit auch schon andere Wehre in der Ilse zurückgebaut wurden.

Manch Osterwiecker fragt sich indes, wie künftig die abzweigende Mühlenilse mit Wasser versorgt werden soll, wenn die Ilse nicht mehr durch das Schütz angestaut werden kann. Die Lösung: Bis zur alten Mühle gegenüber der Zuckerfabrik wird die verrohrte Mühlenilse durch eine neue Verrohrung tiefer gelegt, einschließlich Einlauf an der Ilse. Für den Fall von Hochwasser erhält die Mühlenilse ein kleines Wehr.

Dem Hochwasserschutz dient auch, dass die jetzt etwa sechs Meter Durchflussbreite am Großen Schütt auf zehn Meter aufgeweitet wird. Dieser Bereich wird eine neue Brücke erhalten und einschließlich wegen der Gewässerunterhaltung damit völlig neu gestaltet.

Zu den geplanten Terminen sagte Jeanette Tandel: "Zurzeit wird das Vergabeverfahren vorbereitet mit dem Ziel, im April 2012 mit der Bauausführung zu beginnen und bis November 2012 abzuschließen."

Somit bestehen also gute Hoffnungen, dass zum Weihnachtsfest in einem Jahr alle seit der Flut 2002 geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen entlang der Ilse im Osterwiecker Stadtgebiet von Berßel bis Rimbeck abgeschlossen sind. Darüber hinaus will das Land 2012 auch flussaufwärts in Wasserleben tätig werden.