Weihnachten ist Geschichte - der Jahreswechsel steht unmittelbar bevor. Manchmal entwickeln sich die Dinge allerdings nicht so, wie geplant. Bei diversen Pleiten, Pech und Pannen helfen dann nur Humor und Gelassenheit.

Benzingerode l Früher wie heute üben Puppenhäuser eine große Faszination auf Mädchen aus. Wohl in jedem Jahr stehen sie ganz oben auf den Wunschzetteln der Kleinen und wie groß ist ihre Freude, wenn tatsächlich eine neue Behausung für ihre liebsten Spielgefährten unter dem Christbaum steht. Auch als erwachsene Frauen denken sie noch gern an dieses Geschenk zurück.

Als sich einige Seniorinnen in der Vorweihnachtszeit in Benzingerode trafen, erinnerten auch sie sich an ihre vergangenen Weihnachtsgeschenke.

"Als ich sieben oder acht Jahre alt war, bekam ich ein Puppenhaus geschenkt. Mein Papa hat es selbst gebaut", entsann sich Doris Kilian aus Blankenburg stolz. Das Haus war einem echten bis in Detail nachempfunden, sogar eine funktionstüchtige Küche befand sich in ihm. Eine echte Rarität, zumal das Geld im Elternhaus immer knapp war und fünf Geschwister beschenkt werden wollten.

Kurz nach Weihnachten kam Doris, als gute, kleine Hausfrau die sie schon war, auf die Idee, ihren Puppen etwas zu essen zu machen. Also brachte sie Schokolade auf dem Herd zum Schmelzen. Doch vom Spielen abgelenkt, achtete sie nicht mehr auf den Topf und ließ ihn brodeln. Die Schokolade wurde heißer und heißer, irgendwann spritzte sie in der gesamten Puppenküche umher. "Ich war sehr erschrocken, als ich sah, was ich angerichtet habe", so Doris Kilian. Und: "Ich versuchte alles sauber zu machen, doch je mehr ich wischte, desto schlimmer wurde es."

Aus Angst, jemand könnte sehen, was passiert ist, verhüllte sie kurzerhand das Haus mit einem Tuch. Aber auch das blieb nicht lange unentdeckt. "Mama fragte ständig, warum ich nicht mehr mit dem Haus spiele und es abgedeckt habe. ,Das wird eine Überraschung´, war die einzige Ausrede, die mir einfiel." Aber es kam, wie es kommen musste, eines Tages kam das Schlamassel doch ans Licht. "Das gab richtig Ärger. Mama und Papa waren natürlich wütend." Doris weinte bitterlich. Einerseits, weil ihre Eltern böse mit ihr waren und andererseits, weil ihr schönes, neues Puppenhaus zerstört war.

"Zum nächsten Weihnachtsfest bekam ich das Haus erneut geschenkt. Papa hat alles repariert." Und diesmal passte Doris besser auf, wenn sie ihre Kochkünste erprobte.

Waltraud Kohlberg und Monika Buchwald schwelgten ebenfalls bei Kaffee und Kuchen in den Weihnachtserinnerungen ihrer Kindheit. Auch sie stammten aus keinen reichen Familien und wuchsen mit vielen Geschwistern auf. "Bei uns war immer etwas los. Es gab viel Streit unter uns Kindern, doch sobald der Weihnachtsmann kam, war Ruhe", darin zeigten sich die beiden Frauen einig.

Schon Tage vor dem Fest herrschte helle Aufregung in ihren Elternhäusern. Die Wohnzimmer wurden abgeschlossen und die Kinder lauschten an den Türen den geheimen Vorbereitungen der Eltern. Erst zu Heiligabend wurde die Tür wieder geöffnet.

Unter dem geschmückten Weihnachtsbaum warteten Naschereien und Geschenke auf die Kinder. "So viele und teure Geschenke wie unsere Enkel heute bekommen, hatten wir nie. Aber es war dennoch eine schöne Zeit. Vielleicht geheimnisvoller, spannender als heute", resümierten Waltraud Kohlberg und Monika Buchwald.

Etwas blieb den beiden Frauen besonders im Gedächtnis: Zu jedem Weihnachtsfest bekam ein anderes Kind das Geschenk, das im Vorjahr eins seiner Geschwister bekam. "Die Sachen wurden immer weiter gereicht", lachten sie. Auch ein Puppenhaus gehörte zu den Präsenten. "Aber jedes Mal sah es anders aus. Papa hat andere Möbel gebaut und Mama schneiderte Puppensachen oder Gardinen. Wir freuten uns jedes Jahr aufs Neue darüber."

 

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