Vor gut einem halben Jahr wurde die Grundsteinlegung für die erste Biogasanlage in Halberstadt gefeiert. Bereits kurz vor dem Jahreswechsel konnte die Stromerzeugung gestartet werden.

Halberstadt l Wer hätte das gedacht, ein halbes Jahr nach der feierlichen Grundsteinlegung für die erste Biogasanlage in Halberstadt wird dort der erste grüne Strom produziert. Ein ehrgeiziger Plan ging damit auf. Halberstadtwerke-Geschäftsführer Bodo Himpel gab das Ziel im Sommer vor: "In der Neujahrsnacht geht die Anlage ans Netz." Pünktlich zum Jubiläumsjahr, in dem das Unternehmen 150 Jahre Gasversorgung und 130 Jahre Wasserversorgung feiert. Eine Art Geburtstagsgeschenk, dass man sich und der Kreisstadt bereiten wollte.

"Hat die Anlage ihre Leistungsfähigkeit voll erreicht, müssen wir sie täglich mit 30 Tonnen Mais versorgen ..."

Auf der Großbaustelle an der Wehrstedter Straße lief alles wie am Schnürchen. In der ersten und zweiten Dezemberwoche wurde der Fermenter, in dem der Gärprozess stattfindet, mit reaktionsfähigem Material versorgt, berichtet Alexander Hübener, Leiter Wärmeservice der Halberstadtwerke. Damit habe man Zeit gespart. Reaktionsfähiges Material bedeute, dass die Biomasse bereits warm ist und in der Lage ist, Gas zu produzieren. Seine volle Leistungsfähigkeit habe das Biogaswerk trotzdem noch nicht erreicht. "Wir müssen es langsam hochfahren", betont Alexander Hübener. Derzeit sei der Fermenter etwa zu zwei Dritteln befüllt. Täglich kämen sieben bis acht Tonnen Substrat dazu. "Hat das Biogaswerk seine Leistungsfähigkeit voll erreicht, müssen wir es täglich mit 30 Tonnen Mais versorgen, damit kontinuierlich Biogas produziert wird", so Hübener.

Das riesige 120 Meter lange und 35 Meter breite Maissilo ist derzeit jedoch mit nur 800 Tonnen Substrat gefüllt. "Keine Angst, die Bauern haben im September genug geerntet, so dass es keine Lieferengpässe gibt", beruhigt Alexander Hübener beim Blick auf das verloren wirkende "Häufchen" Mais. 11 000 Tonnen wurden geerntet und befinden sich derzeit noch in anderen Lagerstätten, damit die Bauarbeiten auf dem Gelände nicht behindert werden. Befestigte Wege und Straßen fehlen zum großen Teil noch. "Wir haben unsere ganze Kraft erst einmal in die Kernanlage investiert, um sie zum Laufen zu bringen. Um das Drumherum kümmern wir uns später", so Hübener.

Zur guten Umweltbilanz der modernen Anlage in Halberstadt gehört auch, dass man überschüssiges Gas nicht abfackeln muss. Zwar besitze man einen Gasspeicher mit einer Kapazität von 5000 Kubikmetern. Aber wenn der voll ist, könne man nicht einfach die Biogasproduktion einstellen. Den biologischen Prozess kann man nicht mit dem Umlegen eines Schalters beenden. In kleineren Anlagen wird das Gas abgefackelt. "Bei uns brennt keine Fackel", sagt Alexander Hübner stolz. Das sei eine Besonderheit des Biogaswerkes in Halberstadt. Ein zusätzlicher Erdgaskessel mit einer Leistung von 4000 kw verarbeitet das Gas zu Wärme und warmem Wasser, um es dann ins Netz einzuspeisen.

Alexander Hübener rechnet damit, dass spätestens Mitte Januar das Biogaswerk seine volle Leistungsfähigkeit erreicht hat. Das Gas wird im benachbarten 600 Kw-BHKW zur Strom- und Fernwärmerzeugung verbrannt.

Die im Biogas-Blockheizkraftwerk erzeugte Jahreswärmemenge wird bei 5200 MWh liegen. 26 000 MWh werden in zwei weiteren Blockheizkraftwerken mittels Kraft-Wärmekopplung durch die Verbrennung von Erdgas erzeugt. Der Gesamtwärmebedarf der Fernwärmekunden der Halberstadtwerke beträgt derzeit etwa 55 000 MWh. Somit werden 23 800 MWh in Heizkesseln ebenfalls durch die Verbrennung von Erdgas erzeugt.

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