Sechs Jahre hat der Wernigeröder Künstler Günter Grohs gemeinsam mit der Quedlinburger Glaswerkstatt von Frank Schneemelcher an der Neugestaltung des Südfensters im Halberstädter Dom gearbeitet. Morgen wird es im Rahmen des Pfingstgottesdienstes feierlich eingeweiht.

Halberstadt l Es ist 16,97 Meter hoch und 4,76 Meter breit, insgesamt hat es 80 Quadratmeter Fläche, so viel wie eine 3-Raum-Wohnung, aufgeteilt in 131 kleine Glasscheiben: Das Südfenster im Querhaus des Halberstädter Doms. Das gläserne Kunstwerk hat eine äußerst wechselhafte Geschichte hinter sich, die mit dem morgigen Tag ein gutes Ende nehmen wird.

Boje Schmuhl, Direktor der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt, spricht von einer "herausragenden Arbeit", die alle Beteiligten in den vergangenen sechs Jahren geleistet haben. Da ist zunächst Günter Grohs, der die Gestaltung des Fensters übernommen hat. Der Künstler aus Wernigerode hatte sich bei einem Wettbewerb, der 2005 von der Stiftung ausgeschrieben worden war, durchgesetzt. Mit der handwerklichen Umsetzung wurde Frank Schneemelcher mit seiner Glaswerkstatt beauftragt. Alle 131 Glasscheiben hat er mit seinen Mitarbeitern wenigstens fünfmal bei 820 Grad Celsius im Ofen gehabt. Insgesamt eine Gemeinschaftsarbeit, die die drei größten Städte im Harzkreis auf eindrucksvolle Weise miteinander verbunden hat. Die kurzen Wege hätten das Arbeiten enorm vereinfacht, erklärt Frank Schneemelcher. "Ich konnte mit meinen Glasmalern jederzeit vorbeikommen, damit wir uns selbst einen Eindruck verschaffen. So konnten wir den Künstler besser verstehen."

92 500 Euro hat das gigantische Kunstwerk insgesamt gekostet. Durch den "Verkauf" einzelner Scheiben des Gesamtwerkes ist ein überwältigender Großteil von 80 000 Euro von Spendern aus ganz Deutschland und darüber hinaus zusammengekommen. "Ein Österreicher hat allein 19 Scheiben gekauft", weiß Boje Schmuhl zu berichten.

Von der großen Anteilnahme der Bevölkerung zeigte sich Schneemelcher überwältigt. "Es gab sehr viel Rückmeldungen von Spendern, die einen Blick in unsere Werkstatt werfen und sehen wollten, wie ihre Scheiben gefertigt werden", berichtet der Kunsthandwerker.

Seit das Fenster beim großen Bombenangriff auf Halberstadt am 8. April 1945 zerbarste, war es nur mit einer Notverglasung versehen. "Nun hat der Dom wieder ein neues Schatzstück dazugewonnen", schwärmt der Stiftungsdirektor.

Für Dombaumeister Volker Lind hat das neue Fenster neben dem künstlerischen Wert aber auch einen wichtigen konservatorischen Nutzen. Das Triumphkreuz sowie der Lettner hätten durch die starke Sonneneinstrahlung, die durch das Südfenster mit der Notverglasung in den Kirchenraum gefallen sei, bereits starke Schäden erlitten.

Der enorme Lichteinfall an der Südseite stellte auch den Künstler Günter Grohs vor eine große Herausforderung. Sich der gewünschten Abdunklung zu nähern, sei, so Grohs, das Hauptproblem gewesen und bedurfte einer "großen Kraftanstrengung". Aber einer Kraftanstrengung, der sich der Wernigeröder Künstler sowie der Quedlinburger Glasgestalter nur zu gern gestellt haben. Günter Grohs ist sich auf jeden Fall sicher: "Das ist das größte, was ich je gemacht habe, sowohl von der Fläche als auch vom künstlerischen Anspruch. Eine solche Aufgabe bekommt man nur einmal in seinem Leben."

Morgen wird das neugestaltete Fenster während des Pfingstgottesdienstes mit Dompfarrer Torsten Göhler feierlich in den Dienst gestellt. Beginn ist um 10 Uhr.

Bilder