In nur vier Monaten wurde auf dem Ameos-Gelände das Haus 107 saniert. Die Schweizer Unternehmensgruppe investierte 1,5 Millionen Euro, um den Bau aus dem Jahr 1929 zu erneuern.

Haldensleben l Holger Boese freut sich jeden Tag, wenn er zum Mittagessen in die Kantine auf dem Ameos-Gelände geht. Kann doch der Leiter des Pflege- und Eingliederungsbereiches dort aus dem Fenster das Haus 107 sehen. Bis Juli war das kein schöner Anblick. Nun aber erstrahlt nicht nur die Fassade dieses 1929 erbauten Gebäudes. Auch im Inneren wurde saniert, damit sich die Bewohner wohlfühlen und die Mitarbeiter beste Bedingungen vorfinden.

Das Haus dient als Heim für Bewohner, die für eine gewisse Zeit eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung in einer geschlossenen Einrichtung brauchen. "Das heißt nicht, dass die Bewohner für andere Menschen gefährlich sind", erklärt Michael Dieckmann, Vorstandsmitglied der Ameos-Gruppe. Eher das Gegenteil sei der Fall, diese Menschen seien teilweise für sich selbst eine Gefahr und alleine nicht lebensfähig. Im Haus 107 hat man die räumlichen Bedingungen nun perfekt auf sie abgestimmt. Die Farben an den Wänden sind freundlich, der hellgrüne Teppichboden ist aus Glasfaser und nass zu reinigen. Es gibt Ein- und Zweibettzimmer und großzügige Gruppen- sowie Therapieräume.

Am 30. November konnten die bisherigen 40 Bewohner, die während der Bauzeit in einem anderen Gebäude untergebracht waren, in ihr saniertes Haus umziehen. "Was uns überrascht hat: Teilweise haben sogar die schwerst mehrfachbehinderten Bewohner noch erkannt, was sich im Vergleich zu vorher verändert hat. Da haben einige Augen gestrahlt", weiß Holger Boese. Neun neue Bewohner sind Anfang Dezember noch dazugekommen. "Damit ist die Kapazitätsgrenze erreicht", erklärt Klinikdirektorin Christiane Kuhne. 23 Mitarbeiter, eine Ergo- und eine Physiotherapeutin kümmern sich im Schichtsystem um das Wohl der Betreuten. Auch für das Personal wurden verbesserte Bedingungen geschaffen. So erleichtert ein Aufzug den Transport schwerer Dinge aus dem Erd- ins Dachgeschoss. "Es ist wirklich schön geworden, wir sind angenehm überrascht", schwärmt Kerstin Fekete. "Einige Bewohner konnten es kaum erwarten, in ihr ¿Männerhaus\', wie sie es nannten, zurückzukommen", erzählt die Pflegefachkraft.

Die grundlegende Sanierung von Haus 107 wurde in nur vier Monaten geschafft. "Ein straffer Zeitplan, der, obwohl es sehr anstrengend war, dank der engagierten Arbeit aller Beteiligten gehalten werden konnte", berichtet Christiane Kuhne. Auch sei man im angedachten Kostenrahmen von rund 1,5 Millionen Euro geblieben. Kein Wunder, dass dieses erfolgreiche Projekt nun als Vorbild für weitere Vorhaben dient. Und von denen gibt es einige.

"Das Haus 107 war der Startschuss für weitere Investitionen. Wir wollen sowohl alte Bausubstanz sanieren als auch Neues schaffen", wirft Michael Dieckmann einen Blick voraus. Schon im kommenden Jahr soll beispielsweise das Gebäude, in dem momentan der Pförtner sitzt, entfernt werden, um einen schöneren und vor allem unverbauten Blick auf das 21 Hektar große Klinikgelände zu erhalten. Neben der Klinik gibt es dort auch den Pflegebereich sowie die Eingliederungshilfe. Jeder der drei Bereiche wird von anderen Kostenträgern betreut, mit denen entsprechende Bauvorhaben abzustimmen sind. "Wir haben beim Sozialministerium schon den Fördermittelantrag eingereicht", gibt Dieckmann Einblick in die Pläne. In den kommenden zehn Jahren sollen allein für den Klinikbereich in Haldensleben gut 35 Millionen Euro investiert werden. Die bauliche Entwicklung umfasse sieben Abschnitte. Zuerst würde man die zwei Neubauten angehen. "Das muss von der Logistik her so sein, denn wir brauchen den Platz, um die alten Gebäude, die wir sanieren wollen, in der Bauphase leerziehen zu können", erklärt Klinik-leiterin Kuhne.

Im Bereich der Eingliederungshilfe wird nach dem jetzt fertigen Haus 107 im kommenden Jahr das Haus 112 saniert. Darin sind - in einem offenen Bereich - 53 behinderte Bewohner untergebracht, die stationäre Hilfe benötigen. Rund 1,5 bis 2 Millionen Euro würde man auch dafür investieren. "Die Maßnahme wird länger dauern als Haus 107, weil wir die 112 nur halb leerziehen und in zwei Abschnitten sanieren können", kündigt Christiane Kuhne an.

Für den Pflegebereich wird ein bisher leerstehendes Haus im Jahr 2012/2013 saniert. "Wir haben derzeit eine sehr große Nachfrage nach Plätzen für Personen, die in normalen Altenheimen nicht ausreichend betreut werden können, aber kaum Plätze", so Holger Boese. Für rund 2,5 Millionen sollen 50 Plätze für Bewohner sowie neue Arbeitsstellen geschaffen werden.