Auf ein 60-jähriges Eheglück können Helga und Frohmut Kaller aus Haldensleben zurückblicken. Sie feierten an Heiligabend ihren Diamantene Hochzeit.

Haldensleben l Ein zerknitterter Ausweis des Kulturbundes, salopp ohne Hülle in der hinteren Hosentasche getragen, war ausschlaggebend, dass Helga und Frohmut Kaller aus Haldensleben seit 60 Jahren glücklich verheiratet sind. "Ihr war das damals aufgefallen und sie hat mich darauf angesprochen, dass ich solch ein Dokument doch nicht so achtlos mit mir führen könnte", blickte der diamantene Bräutigam auf die erste Begegnung mit seiner Helga zurück.

Die Kriegswirren hatten die Beiden nach Haldensleben verschlagen. Ausgebombt fand die gebürtige Berlinerin als Jugendliche in Haldensleben mit ihrer Mutter eine neue Bleibe. "Hier wollte ich nie bleiben", meint sie. Doch die Liebe holte sie nach ihrem Studium in Weimar wieder nach Haldensleben zurück. Denn Frohmut Kaller, der aus dem Sudetenland stammt, hatte in der Kreisstadt mittlerweile eine Anstellung als Lehrer gefunden. Zuvor hatte er als Kuhhirte für die Rote Armee und später im Sägewerk gearbeitet, bevor er sein Abitur machte, in Köthen studierte und als Neulehrer zuerst in Born, dann an der Erweiterten Oberschule "Heinrich Heine" in Haldensleben seine pädagogische Laufbahn begann. Über 40 Jahre lang, bis 1993, bereitete er junge Frauen und Männer in Mathematik und Physik auf das Abitur vor.

Dem Kulturbund, bei dem sich die Beiden kennengelernt hatten, blieben sie jahrzehntelang treu. Schließlich hat Helga Kaller hier auch gearbeitet. Der damalige "Klub der Intelligenz" ist auch heute noch in Haldensleben aktiv und besser bekannt als Alsteinklub.

Am Heiligen Abend 1951 haben sich die damals 18-Jährige und der 24-Jährige das Ja-Wort gegeben. Zwei Kinder haben sie groß gezogen. Der Sohn lebt und arbeitet in Helmstedt, die Tochter hat nach Ungarn geheiratet. Inzwischen bereichern auch zwei Enkelkinder das Familienleben.

Wie sie 60 Jahre mit Höhen und Tiefen überstanden haben? "Wir hatten immer viel zu tun. Jeder hatte seinen Beruf, der ihm Spaß gemacht hat und sehr abwechslungsreich war. Das hat uns ausgefüllt, ebenso unser gemeinsames Interesse an der Kultur. Wir haben uns nie gelangweilt und uns immer Freiräume gelassen", verriet Helga Kaller ihr Erfolgsrezept.