Mit einer vielbejubelten Opernpremiere im Barockschloss und gigantischem Feuerwerk über dem Barockgarten begann die 20. Sommermusikakademie in Hundisburg.

Hundisburg l "Es ist ein besonderer Tag, und es ist ein besonderes Festival", wandte sich Rolf-Dieter Arens an das Publikum im Hauptsaal des Schlosses. "Ein Traum wird wahr." Im wiederaufgebauten Barockschloss wird eine 300 Jahre alte Oper aufgeführt. "Damals kam die Musik von oben", erzählte der Musikfachmann und Intendant der Sommermusikakademie und zeigte auf die runden Löcher im oberen Teil der Innenwand des Saales. "Heute sitzen die Musiker unten."

Damals habe es hier sicher Musikaufführungen gegeben, ob diese Oper dabei gewesen war, sei nicht nachweisbar. "Aber so hätte es sein können", meinte er. Ob damals die Zuhörer jedoch so mit den Füßen getrampelt und die Künstler bejubelt hätten wie heute, ist fraglich. Immer wieder brandete Szenenapplaus auf, Christos Pelekanos als Herr Pimpinone und Sonja Bühler als Vespetta leben ihre Rollen auf der Bühne. Gegensätzlicher hätten die beiden Charaktere nicht besetzt werden können. Die zierliche Sopranistin, die dem Bariton nicht mal bis zur Schulter reicht, verkörpert die arbeitslose junge Frau, die den älteren, sehr reichen Pimpinone um den Finger wickelt, erst als Hilfe ins Haus einzieht und schließlich zur Ehefrau avanciert, die nur noch an sich denkt, nicht nur stimmlich, sondern auch mimisch vollendet. Mit Christos Pelekanos hat der Herr Pimpinone offensichtlich seine Idealbesetzung gefunden. Der beleibte und dennoch agile Sänger spielt die Rolle mit viel Witz. Mit viel Applaus bedacht ist sein "Kaffeetanten-Terzett", als seine Frau zu Freundinnen aufbricht und er schwatzende Frauen in drei Stimmlagen imitiert - in schnellem Wechsel von Sopran, Alt und Bass.

Dass die Oper so gut in die heutige Zeit passt, liegt wohl zum einen an der zeitlosen Handlung. Zum anderen aber auch daran, dass der Regisseur Daniel Klumpp das Libretto in die heutige Alltagssprache umgewandelt hat und auch die Kleidung ebenfalls in die Gegenwart passt.

Die jungen Leute des "nomad theatre ensembles" kommen aus vier Nationen, und sie spielten auf Originalinstrumenten der damaligen Zeit. "Fühlen Sie sich einfach zurückversetzt in diese Zeit", hatte Arens die Zuschauer aufgefordert.

Rolf-Dieter Arens ließ den Abend jedoch nicht vorübergehen, ohne 20 Jahre zurückzublicken. Er könne sich noch gut erinnern, als er damals zum ersten Mal in Hundisburg war. "Es war ein regnerischer Tag, alles war grau." Ulrich Hauer habe ihn herumgeführt und überzeugt. "Das ist ein Wende-Wunder", bekräftigte Rolf-Dieter Arens mit Blick auf das Jubiläum.

Und so dankte der künstlerische Leiter der Internationalen Sommermusikakademie der Politik, der Sparkasse und den vielen Menschen vor Ort, die über die ganzen Jahre das einzigartige Festival unterstützen. Begrüßen konnte er auch Vertreter der Familien von Alvensleben und von Nathusius, die in früheren Jahrhunderten das Schloss erhalten haben.

Auch viele Gäste erinnerten sich an diesem Abend an die erste Sommermusikakademie. Beim ersten Abschlusskonzert in der Schlossscheune sei es sehr kalt gewesen, sie habe sich in Decken eingewickelt, weiß Malwine Spelly noch ganz genau. Aber das Konzert war so beeindruckend, dass sie das alles vergessen habe. Dem stimmte Anna Storaczek zu. Brennende Holzscheite erleuchteten die Scheune und Fledermäuse segelten durch das alte Gemäuer.

 

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